Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIHL) unterstützt an der HSMW das Projekt ILEAS: ILEAS steht für „Innovatives Lehrarchitektursystem“. Dr. Stefanie Kremmel koordiniert das Projekt. Das Interview führte der Pressesprecher der Hochschule, Helmut Hammer.
Frau Dr. Kremmel, beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was ILEAS ist.
Unser Projekt will Innovationen erproben und die Strukturen für Lehren und Lernen weiterentwickeln. Die Lehrenden an der HSMW füllen diese Strukturen mit Leben. Wir setzen dabei den Fokus auf die zwei Spannungsfelder Generationswandel und Künstliche Intelligenz.
Dafür gibt es eine Reihe von konkreten Maßnahmen wie den Ausbau von Weiterbildungsangeboten in den Bereichen Hochschuldidaktik und digitale Kompetenz. Im Haus 6 werden wir zum Beispiel ein interdisziplinäres Digital Core Lab mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften und Informatik einrichten. Dort entsteht mit einem kleinen, aber feinen Geräteportfolio ein attraktives Lernumfeld. Studierende wie Lehrende können Daten selbst aufnehmen, vorverarbeiten, auswerten und mit KI-Algorithmen analysieren.
Außerdem haben wir die schöne, aber große Denkaufgabe, die methodischen, didaktischen und organisatorischen Elemente von guter Lehre, wie sie hier an der Hochschule praktiziert wird, sichtbar zu machen und modellhaft darzustellen. Damit sollen dann auch in Zukunft Anpassungen besser möglich sein.
Unsere Webpräsenz ist im Aufbau. Eine gute Gelegenheit, mehr über das Projekt zu lernen, bietet der Tag der Lehrarchitektur am 24. Juni 2026. Der gut gegliederte Antragstext für unser Projekt bei der Stiftung für Innovation in der Hochschullehre ist aber meine aktuelle Lektüreempfehlung für einen Einblick in die Ziele des Projekts.
Seit rund einem halben Jahr arbeitet das ILEAS-Team zusammen. Haben Sie – alle – sich gut eingearbeitet und zusammengefunden?
Wir sind ein fachlich divers aufgestelltes Team von 15 Projektmitarbeitenden. Unter anderen sind Bildungswissenschaft, Mathematik, Informatik, Hochschuldidaktik vertreten. Dazu kommen Professor:innen als Leiter:innen der Teilprojekte und einige SHK. Professor Christoph Meyer leitet das Gesamtprojekt. Der Großteil des Teams arbeitet also schon länger an der HSMW, und von diesem „Heimvorteil“ profitiert das Projekt ungemein. Dazu sind ein paar neue Gesichter mit einem hoffentlich ebenso wertvollen wie frischen Blick auf die Strukturen und Abläufe gekommen.
Diese Diversität bringt natürlich auch so einige Herausforderungen mit sich. Aber wir haben ein gutes Miteinander entwickelt. Schließlich wollen wir nicht unter uns bleiben, sondern mit vielen Lehrenden und Studierenden aller Fakultäten, weiteren Projekten und natürlich den zentralen Einrichtungen der HSMW zusammenarbeiten.
Ist es nicht auch eine Herausforderung, so einen bunten Haufen zu koordinieren? Was treibt Sie an?
Ja, der Anfang war ganz schön sportlich, und es waren gleich ein paar Sprints zu absolvieren! Ohne die engagierten und erfahrenen Kolleg:innen im Projekt selbst und zum Beispiel im Hochschulmanagement hätte ich mich da wirklich schwerer getan. Inzwischen ist aber ein bisschen Routine eingekehrt. Das ist mir als Langstrecken-Läuferin lieber als Sprints!
Ich habe an der Universität Wien Translationswissenschaft studiert, danach lange dort gearbeitet und auch promoviert. Bevor ich nach Sachsen kam, habe ich als Referentin für Digitalisierung und Organisationentwicklung im österreichischen Klimaschutzministerium gearbeitet. Was sich an dieser Laufbahn schon zeigt: Ich arbeite gern in der öffentlichen Verwaltung und fühle mich wohl im Hochschulkontext. Kommunikations- und Vermittlungsarbeit liegen mir dabei besonders.
Beides ist für meine Arbeit in ILEAS wichtig: In meiner Rolle steckt ganz viel Übersetzungsarbeit, zumindest im übertragenen Sinn. Ziele aus dem Antrag müssen in Maßnahmen gegossen werden, konkrete Beobachtungen und das viele vorhandene Wissen an der HSMW sollen in einen konzeptionellen Überbau fließen, verschiedene Fachkulturen müssen berücksichtigt werden und vieles mehr. Das finde ich jeden Tag aufs Neue spannend. Ich sehe mich auch als Vermittlerin für die Lehrenden der HSMW in ILEAS hinein und freue mich, wenn ich für Fragen und Anregungen angesprochen werde.
ILEAS antwortet auf zwei Entwicklungen: den digitalen Wandel und den Wandel der Generationen in der Studierendenschaft. Gehört beides zusammen? Wie macht sich das bemerkbar?
Technologische Neuerungen sind kein neues Phänomen, und neue Studierendengenerationen gab es in der Vergangenheit auch immer wieder. Aber die Kombination hat in ihren Ausprägungen ganz aktuell einen besonders disruptiven Charakter für eine Hochschule. Die HSMW hat jedoch den Vorteil, dass sie zum einen Disziplinen hat, die in digitalen Technologien zuhause sind. Zum anderen ist sie klein und wendig genug, die Arbeitsweisen in der Lehre kritisch zu hinterfragen und daraufhin anzupassen oder auch neu zu denken. Ich erlebe, dass viele Hochschulangehörige auch die Bereitschaft dazu mitbringen. Und genau dazu will ILEAS beitragen und alle Akteur:innen darin unterstützen, Prozesse und Methoden zukunftsfit zu machen – angefangen bei der Lehrveranstaltungsplanung bis hin zur Curricularentwicklung.