Für viele neue Gesichter auf dem Campus der Hochschule Mittweida (HSMW) war der gestrige Montagvormittag im Ludwig-Hilmer-Bau besonders aufregend: 225 „Erstis“ hat Rektor Professor Volker Tolkmitt in der Immatrikulationsfeier symbolisch immatrikuliert.
Rektor Volker Tolkmitt zu den neuen Studierenden:
Bevor wir Sie in einigen Semestern mit einem akademischen Abschluss wieder wegschicken, wollen wir Sie begleiten – begleiten auf einem Lebensweg, der Sie prägen wird.
Unter ihnen waren 102, die ihr Bachelorstudium Soziale Arbeit in Vollzeit oder berufsbegleitend beginnen. Sie prägten das Bild der Immatrikulationsfeier im Ludwig-Hilmer-Bau. Auf sie ging auch Professor Stephan Beetz, Dekan der Fakultät Soziale Arbeit, in seinem Vortrag „Was heißt Soziale Arbeit studieren“ besonders ein. Aber vieles, was er „seinen“ Studierenden mit auf den Weg gab, gilt allen Angehörigen der neuen akademischen Generation der HSMW:
Wir brauchen Menschen, die mit- und nachdenken, die bereit sind, zu sich und anderen in ihrem Denken aufrichtig zu sein, bei sich zu sein. Wir brauchen Menschen, die Uneindeutigkeiten aushalten. Klarheit finden wir nicht im Schwarz-Weiß-Denken, im Richtig und Falsch, in polarisierenden Kategorien und Festschreibungen – nur im Für und Wider, in der Diskussion.
Toleranz zu praktizieren, heißt nicht, keine Position zu finden und zu haben: Das wäre fatal. Wir brauchen Menschen, die Positionen beziehen. Wir brauchen Menschen, die verändern wollen – sich und die Welt, die davon ausgehen, dass es nicht nur nach ihren Vorstellungen geht, die aber ihre Vorstellungen einbringen.
Dekan Professor Stephan Beetz
In Mittweida könnt ihr euch nicht verlaufen
Der frisch gewählte Vorsitzende des Studierendenrats, Nicolas Hentschel, der katholische Studierendenseelsorger Thomas Gömbi und Oberbürgermeister Ralf Schreiber begrüßten zusammen mit den Erstis der Sozialen Arbeit auch die vielen internationalen Studierenden.
Wir sind kompakt, wir sind nahbar, wir sind familiär… In Mittweida könnt ihr euch nicht verlaufen. Das meine ich sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch. Irgendwo kommt ihr hier immer an.
Nicolas Hentschel, Vorsitzender des Studierendenrats
Zahlen und Fakten
Rund 61 Prozent aller Studienanfänger:innen sind Frauen, wobei hier die Soziale Arbeit mit 86 Prozent im Vollzeit- und 76 Prozent Frauenanteil im berufsbegleitenden Studiengang Soziale Arbeit prägend ist. Der älteste Ersti in diesem Sommersemester aber ist ein Mann und beginnt mit 55 Jahren ein berufsbegleitendes Studium der Sozialen Arbeit.
Mit den Erstsemestern des Sommersemesters sind an der Hochschule Mittweida 5.557 Studierende eingeschrieben. Diese Zahl und die Zahl der Neuimmatrikulationen sind erwartungsgemäß niedriger als im Wintersemester: Zum offiziellen Stichtag 1. November 2025 zählte die HSMW 6.350 Studierende. Aber im Laufe des Wintersemesters haben viele Studierende erfolgreich ihr Studium abgeschlossen, und die Hochschule immatrikuliert zum Sommersemester nur in wenige Studiengänge.
Incomings: Gut vorbereitet in Mittweida studieren
Rund 80 internationale Studierende aus 29 Ländern sind zum Studium nach Mittweida gekommen. Darunter sind 24, die sich in den vergangenen Monaten am Studienkolleg der Hochschule aufs Studium vorbereitet haben. Dort belegen die internationalen Studieninteressierten einen Kurs zur Vorbereitung auf die sogenannte Feststellungsprüfung und legen diese nach einem Studienjahr ab. Sie ist das Äquivalent zum deutschen Abitur, neben Deutsch als Fremdsprache stehen deshalb etwa Mathematik, Physik, Chemie, Englisch, Sozialkunde, Geschichte, Geografie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre, Informatik, Technisches Zeichnen auf dem Lehrplan. Am Ende erhalten die Studienkollegiat:innen ihre offizielle Hochschulzugangsberechtigung. Der Großteil von ihnen studiert danach auch an der HSMW.
Frauen: Akademische Karriere fördern
Die HSMW fördert mit den Stipendien gezielt die akademische Karriere von Nachwuchswissenschaftlerinnen und ihre Repräsentanz in der Wissenschaft.
Die Immatrikulationsfeier war in diesem Jahr erstmals auch der Rahmen für die Vergabe von Promotionsstipendien an zwei junge Wissenschaftlerinnen der HSMW. Für die Stipendien konnten sich nur Frauen bewerben. Josephine Meitzner wird in den kommenden drei Jahren für ihre Biophotonik-Forschung am Laserinstitut Hochschule Mittweida (LHM) zu DNAzymen gefördert. Das sind hochpräzise, katalytisch aktive DNA-Sequenzen. Ihren Einsatz und ihre Wirkung zu erforschen, ist wichtig für die medizinische Diagnostik. Die Techniksoziologin Mirjam Werner beschäftigt sich an der Fakultät Soziale Arbeit mit der Wahrnehmung und Bewältigung von Technostress bei der Nutzung von Self-Tracking-Technologien im Sport. Ihre Forschung soll dazu beitragen, besser zu verstehen, wann digitale Selbstvermessung unterstützend wirkt und unter welchen Bedingungen sie Druck, schlechtes Gewissen oder Überforderung auslösen kann.