Die Vorlesungssäle waren zwar etwas ruhiger, die Forschung aber keineswegs im Urlaubsmodus. Während viele ihre Koffer für Strand, Berge oder Balkonien packten, zog es einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der unserer Fakultät INW zu Tagungen, Workshops und Veranstaltungen im In- und Ausland. Dort diskutierten sie neueste Erkenntnisse, stellten innovative Projekte vor und repräsentierten die Hochschule Mittweida als starken Wissenschaftsstandort. Kurz gesagt: Das Sommerloch hat bei der HSMW offenbar Hausverbot. Stattdessen füllten spannende Begegnungen, frische Impulse und wissenschaftlicher Austausch die Sommermonate mit reichlich Leben. Ein Blick auf ausgewählte Veranstaltungen zeigt, wo HSMW-Angehörige in diesem Sommer aktiv waren und welche Themen sie bewegten.
Innovative Wärmetechnik und Machine Learning auf internationaler Bühne
Vom 19. bis 24. Juli 2026 fand im ICM München der 17. World Congress on Computational Mechanics gemeinsam mit dem 10. European Congress on Computational Methods in Applied Sciences and Engineering statt. Der internationale Leitkongress brachte ein globales Fachpublikum aus Wissenschaft, Industrie und öffentlichen Einrichtungen zusammen.
Auf dieser Fachkonferenz stellte Justus Reuter, Doktorand der Fakultät Ingenieurwissenschaften, seine Forschung zu additiv gefertigten TPMS-Wärmeübertragern vor. Gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Uwe Mahn (HSMW) und Prof. Dr.-Ing. habil. Rüdiger Schwarze (TU Bergakademie Freiberg) kombinierte er experimentell validierte Strömungssimulationen mit Methoden des Machine Learnings.
Im Fokus stand der sogenannte Fourier Neural Operator, der Temperaturverteilungen in Wärmeübertragern innerhalb von Millisekunden vorhersagen kann. Die Forschungsergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung zwischen Simulation und Experiment mit weniger als drei Prozent Abweichung und liefern damit eine vielversprechende Grundlage für die beschleunigte Entwicklung effizienter Wärmeübertrager.
Perspektivisch könnten auf dieser Basis zahlreiche TPMS-Geometrien und Betriebszustände in kurzer Zeit bewertet werden. So ließen sich besonders aussichtsreiche Varianten gezielt auswählen, bevor aufwendige CFD-Simulationen zum Einsatz kommen.Die Präsentation im internationalen Minisymposium „Applied Sciences on Metamaterials“ führte zu anregenden Gesprächen mit Fachleuten aus Wissenschaft und Industrie und stärkte die Sichtbarkeit der anwendungsnahen Forschung aus Mittweida.
Lärmschutz am anderen Ende der Welt
Etwas weiter weg, genauer gesagt nach Australien, zog es Professor Jörn Hübelt von der Professur für Technische Mechanik und Akustik der Fakultät Ingenieurwissenschaften. Auf dem 55. Internationalen Kongress mit Fachmesse für Lärmschutz „Internoise 2026“ in Adelaide hielt er einen Vortrag zum Thema „Zur Bestimmung der akustischen Wirksamkeit von Lärmschutzwandaufsätzen in größerer Entfernung anhand von Nahfeldmessungen“. Ziel des vorgestellten Forschungsprojekts war die Entwicklung eines einfachen Verfahrens zur Bestimmung der akustischen Wirksamkeit dieser neuartigen Aufsätze. Dazu wurden Messungen an realen Wänden sowie FEM-Simulationen durchgeführt. Die Methode basiert auf Messungen in unmittelbarer Wandnähe gemäß EN 1793-4 und berücksichtigt über einen winkelabhängigen Korrekturterm auch die Wirkung der Systeme in größeren Entfernungen. Die Ergebnisse ermöglichen eine Klassifizierung der Aufsätze und unterstützen die Berechnung der Schallausbreitung nach der Richtlinie für die Schallausbreitung an Straßen - RLS-19.
Der Vortrag stieß auf großes Interesse beim fachkundigen Publikum und Professor Hübelt brachte neue Fach-Kontakte mit zurück nach Hause.
Spielen beim Sommerfest
Mit einem außergewöhnlichen Exponat sorgte die Professur Fertigungsautomatisierung der Hochschule Mittweida beim Sommerfest des Mittelstands am 27. August 2026 im historischen ROGO-Areal in Oberlungwitz für Aufsehen. Ein kollaborativer Roboter forderte die Besucherinnen und Besucher zu einer Partie Blackjack heraus und entwickelte sich schnell zu einem der Publikumslieblinge der Veranstaltung.
Doch hinter dem spielerischen Ansatz steckte weit mehr als ein Kartenspiel. Herzstück des Systems war eine intelligente Bilderkennung auf Basis Künstlicher Intelligenz. Diese erkennt die ausgespielten Karten automatisch und ermöglicht dem Roboter, darauf in Echtzeit zu reagieren. So wurde moderne Technologie auf anschauliche und unterhaltsame Weise erlebbar. Entwickelt und programmiert wurde das Exponat von Studierenden der Hochschule Mittweida.
Vor Ort präsentierten Ehsan Matour und Christian Thormann die Anwendung und standen den Besucherinnen und Besuchern für Fragen zur Verfügung.
Spannender Austausch am Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)
Mitte September besuchten Professor Uwe Mahn und Justus Reuter das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) mit dem Ziel, gemeinsame Forschungsaktivitäten anzubahnen. Nach der gegenseitigen Vorstellung und der Identifizierung gemeinsamer Forschungsfelder ging es direkt in die Labore.
Besonders eindrucksvoll waren die Einblicke, die Olivier De Castro in die Welt der Transmissionselektronenmikroskopie sowie in die Labore für Massenspektrometrie und die Entwicklung analytischer Systeme gewährte. Zusammen mit Gaetano Giunta eröffnete sich zudem ein spannender Blick auf die Forschungsarbeiten der Structural Composites Unit.
Ein besonderer Fokus lag auf den Themen Leichtbau und Simulation sowie fortschrittliche Verbundwerkstoffe, Fertigungstechnologien und Materialprüfung. Die Laborbesichtigungen zeigten, wie praxisnah und innovativ an den Werkstoffen und Technologien von morgen geforscht wird.
In den Gesprächen wurden zahlreiche gemeinsame Interessen und vielversprechende Ansätze für künftige Kooperationen sichtbar.
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