Sieben Personen auf Stühlen vor einem großen Screen, auf dem „Social Entrepreneurship. Wir wird aus sozialem Impact ein tragfähiges Geschäftsmodell“ zu lesen ist. Im Bildvordergrund sind Köpfe von Zuschauenden von hinten zu sehen.

Ideen für soziale Herausforderungen

Gründungsforum Mittweida 2026 mit Impulsen für gesellschaftliches Unternehmertum.

Inspirierende Gespräche, praxisnahe Einblicke, zahlreiche neue Kontakte – und ein Abschied: Das SAXEED-Gründungsforum an der Hochschule Mittweida (HSMW) am 19. Mai 2026 führte in der Werkbank32 über siebzig engagierte Gründer:innen, Ehrenamtliche, Sozialunternehmer:innen und Studierende zusammen. Unter der Überschrift „Social Entrepreneurship“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie unternehmerisches Denken gesellschaftliche Herausforderungen lösen kann.

Dabei wurden Vielfalt und Engagement der Social-Entrepreneurship-Szene in Sachsen sichtbar und es zeigte sich, dass kreative und unternehmerische Ansätze gesellschaftliche Herausforderungen wirksam adressieren können, vor allem dann, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. 

Auch das war das Gründungsforum: Mit Dr. Dirk Liebers verabschiedete das SAXEED-Team an der HSMW einen langjährigen Mitgestalter in neue Aufgaben.

Geschichten vom Gründen

Richard Friedrich, Gründer von „Direkt vom Feld“, eröffnete mit den „Founder Storys“ den ersten Programmpunkt des Abends. Sein „Herzensprojekt“ entstand aus dem Wunsch, einer Tätigkeit nachzugehen, die ihm persönlich Freude bereitet. Mit seinem Unternehmen bringt er Gewürze direkt von den Erzeuger:innen zu den Verbraucher:innen und setzt dabei konsequent auf persönlichen Kontakt sowie das direkte Kennenlernen der landwirtschaftlichen Betriebe in aller Welt. Dabei zeigte er auf, wie regionale Wertschöpfung sozial gedacht werden kann und wie direkte Beziehungen zwischen Produzent:innen und Konsument:innen zu mehr Transparenz, Vertrauen und Wertschätzung in der Lebensmittelversorgung beitragen.

Eine männliche Person spricht gestikulierend zum Publikum, das von hinten zu sehen ist. Auf dem Screen hinter dem Sprecher ist eine mit Gewürzkörnern gefüllte Hand und das Logo „Direkt vom Feld“ zu sehen.
Richard Friedrich, Gründer von „Direkt vom Feld“, berichtet eindrucksvoll von seiner herausfordernden Gründerreise.

Da helfen, wo Hilfe wirklich und dauerhaft gebraucht wird. Diesem Ansatz folgen Linda Bielig, Diane Friedrich und Victoria Teuchert, Studentinnen bzw. Absolventinnen der Fakultät Soziale Arbeit und Gründerinnen des Hilfebus Chemnitz e.V. Zweimal pro Woche ist das Team in Chemnitz unterwegs, um verschiedene Anlaufstellen anzufahren und hilfsbedürftige Menschen direkt zu erreichen. Neben der Versorgung mit Essen und materiellen Gütern steht dabei der persönliche Kontakt im Mittelpunkt. Ebenso wichtig wie die akute Hilfe ist die Verweisarbeit: Die Menschen sollen gezielt an bestehende Unterstützungsangebote angebunden werden. Durch die kontinuierliche Präsenz entsteht Vertrauen, das die Grundlage für nachhaltige Hilfe über den Moment hinaus bildet.

Drei weibliche Personen stehen vor einem Screen. Die mittlere Person spricht zum Publikum. Auf dem Screen ist eine Folie mit der Überschrift „Was ist der Hilfebus Chemnitz e.V.“ und weiteren Anstrichen zu sehen.
Die Gründerinnen von „Hilfebus Chemnitz e.V.” Victoria Teuchert, Diane Friedrich und Linda Bielig berichten, wie mit allen Höhen und Tiefen aus einer privaten Initiative ein Verein entstanden ist.

Schließlich stellte Robby Hammer den Luisenhof – Heilpädagogisch-Künstlerisches Therapeutikum Chemnitz e.V. – als Ort sozialer Landwirtschaft, gemeinschaftlichen Lebens und pädagogischer Arbeit vor. Aus einer Vielzahl von Ideen, die von persönlicher Leidenschaft und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung geprägt sind, ist gemeinsam mit seinem Team ein besonderer Ort entstanden – „für junge Seelen, die nicht ins System passen“, so Hammer. Die Gemeinschaft sei seither kontinuierlich gewachsen, weil dort die Zusammenarbeit und Leidenschaft mit voller Intensität gelebt werde. Genau diese Haltung mache den Luisenhof zu einem Ort, der Menschen verbindet und persönliche Entwicklung.

Eine männliche Person mit Hut spricht zum Publikum. Auf dem Screen links neben ihr ist unter anderem zu lesen „Luisenhof. Gemeinschaft im Aufbruch“.
Vom Bauingenieur zum Mitgründer der Luisenhof-Gemeinschaft: Robby Hammer erzählt die Geschichte des Hofs bis zur ausgezeichneten Institution für Inklusionsarbeit mit Jugendlichen.

Bis in den Abend hinein nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, um neue Kontakte zu knüpfen, Kooperationen anzustoßen und gemeinsame Projektideen mit gesellschaftlichem Mehrwert zu entwickeln. Dabei wurde deutlich, welches Potenzial in der Verbindung von Gründungsideen, sozialem Engagement und interdisziplinärem Austausch steckt.

Podium mit Erfahrung

Mittelpunkt des Abends war die von Lorenz Weil, Community-Manager bei SINN Sachsen, und SAXEED-Mittweida-Standortleiter Dr. Dirk Liebers moderierte Podiumsdiskussion. Zu den Referent:innen der „Founder Storys“ wurden Christian Atz und Katrin Naumann aufs Podium geholt. Naumann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Soziale Arbeit der HSMW mit eigener Gründungserfahrung. Atz fördert mit seiner KI-gestützten Holzpuppe KIKO soziale Nähe für ältere Menschen.

Gruppenaufnahme mit neun Personen. Einige von ihnen haben einen Blumentopf in den Händen.
Gründungsgrün fürs Podium von Prof. Buser (l.) und Prof. Knauer und Dr. Liebers (2.u.1.v.r.) für Victoria Teuchert, Robby Hammer, Christian Atz, Lorenz Weil, Katrin Naumann, Richard Friedrich (v.l.n.r.). (Foto: Olivia Weinehl)

Die Runde beleuchtete Chancen und Herausforderungen sowie eigene Erfahrungen im Social Entrepreneurship. Im Mittelpunkt stand dabei die Erkenntnis, dass gesellschaftlich orientiertes Unternehmertum nicht allein von innovativen Ideen lebt, sondern vor allem von Menschen, die Verantwortung übernehmen und Veränderung aktiv gestalten. Auch der Umgang mit dem Scheitern von Gründungen war Thema. Katrin Naumann betonte, dass häufig weniger die Idee selbst als vielmehr strukturelle Rahmenbedingungen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Gerade deshalb braucht insbesondere die Soziale Arbeit mehr Mut, Neues auszuprobieren und auch das Scheitern als Teil von Entwicklung zu akzeptieren.

Begegnung mit Austausch

Für das wichtige Networking schuf das SAXEED-Team mit Unterstützung des Technologiegründerfonds Sachsen vor der Werkbank eine lockere Atmosphäre für Begegnung und Austausch. Bei sommerlichem Loungeflair und kulinarischer Versorgung durch Schüler:innen der Fichte-Oberschule aus Mittweida entstand ein offener Raum für Vernetzung und Gespräche.

Eine männliche und drei weibliche Personen an einem Stehtisch, auf dem Getränkeflaschen stehen.
Im Gespräch: Professor Stephan Beetz, Dekan der Fakultät Soziale Arbeit, mit „seinen“ Studentinnen.

Kreativ mit SINN

Dem Gründungsforum voraus ging am Nachmittag die „SINN Werkstatt: Soziale Ideen mit Fokus“. Mit Lorenz Weil von SINN Sachsen, steckten die Teilnehmenden vier Stunden lang die Köpfe zusammen, stellten soziale Herausforderungen und das Sozialunternehmertum in den Fokus und entwickelten gemeinsam Lösungsansätze.

: Drei Personen im Gespräch. Im Hintergrund ist ein großer Screen zu sehen, auf dem „SINN Werkstatt“ zu lesen ist.
Workshop vor dem Gründungsforum (Foto: Olivia Weinehl)

Selbstständig mit SAXEED

Das Gründungsnetzwerk SAXEED unterstützt seit vielen Jahren Gründungsinteressierte an den Hochschulstandorten Chemnitz, Freiberg, Mittweida und Zwickau auf ihrem Weg von der ersten Idee bis zur Unternehmensgründung. Ziel des Netzwerks ist es, die Gründungskultur in Sachsen nachhaltig zu stärken und innovative Ideen sichtbar und wirksam zu machen. Wer sich für das Thema Selbstständigkeit interessiert oder eine eigene Idee weiterentwickeln möchte, kann sich gern über die SAXEED-Website zu den kostenlosen Angeboten informieren und anmelden oder direkt mit den Mitarbeitenden von SAXEED in Kontakt treten.

Abschied mit Kontinuität

Für den langjährigen Projektmitarbeiter Dr. Dirk Liebers bedeutete dieses Gründungsforum einen Abschied. Liebers verlässt SAXEED und die HSMW und wendet sich neuen beruflichen Herausforderungen zu. Die Projektleiter Professor Ulrich Buser und Professor Alexander Knauer würdigten seine Arbeit seit 2014, darunter auch die Weiterentwicklung des Gründungsstammtischs zum Gründungsforum – insgesamt 24 Veranstaltungen hat Liebers mitorganisiert. An seine Stelle tritt ein Trio aus drei Kolleginnen: Dana Fritsche, Jasmin Harlaß und Laura Tzschätzsch.

Gruppenbild mit neun Personen vor einem Gebäude und einer Wiese mit Bäumen.
Dr. Dirk Liebers (im Liegestuhl) geht. Das Team bleibt: Jasmin Harlaß (3.v.l.), Dana Fritsche (2.v.r.) und Laura Tzschätzsch (kniend) sind die Gründungsunterstützerinnen von SAXEED Mittweida. Die Professoren Ulrich Buser (l.) und Alexander Knauer (r.) leiten den Standort. (Foto: Olivia Weinehl)

Text: Jasmin Harlaß, Helmut Hammer
Fotos, wo nicht anders genannt: Helmut Hammer
 

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Die Hochschule Mittweida ist ein grenzenloses Experimentierfeld mit dem Ziel, Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen. Wie? Durch akademisch ausgebildete Fachkräfte und unkomplizierte Zusammenarbeit, die es regionalen Unternehmen ermöglicht, von unseren Ergebnissen unmittelbar zu profitieren – oder mit gemeinsamen Forschungsprojekten neue Erkenntnisse zu sammeln, die direkt überführt werden können. Studierenden ermöglichen wir, sich auszuprobieren, indem sie ihre eigenen Fähigkeiten erweitern und Neues erschließen.

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