Was haben eine Sonnenblume, eine Geheimschrift und ein Zauberwürfel gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Bei der Kinderuni am 26. September 2026 zeigte sich jedoch: In allen dreien steckt Mathematik. Rund 200 Kinder und ebenso viele Begleitpersonen kamen an die HSMW, um gemeinsam mit Dr.in Mandy Lange-Geisler und Prof. Dr. Klaus Dohmen (Fachgruppe Mathematik) Zahlen, Muster und Regeln zu entdecken, die unsere Welt beschreiben.
Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass Zahlen manchmal schneller wachsen, als man denkt. Auf einem Schachbrett sollte sich die Zahl der Reiskörner von Feld zu Feld verdoppeln. Aus einem einzigen Reiskorn auf dem ersten Feld werden auf dem letzten Feld mehr als 18 Trillionen Reiskörner – mehr als das Hundertfache der weltweiten Jahresernte. Das einfache Gedankenexperiment machte anschaulich, was exponentielles Wachstum bedeutet: Eine Verdopplung klingt zunächst harmlos, kann aber in kurzer Zeit zu kaum vorstellbaren Größen führen.
Danach ging es raus aus dem Zahlenraum und hinein in die Natur. An einem Kiefernzapfen konnten die Kinder selbst zählen und staunten über ein mathematisches Muster: 13 Spiralen verlaufen in die eine, 8 in die andere Richtung – beides Zahlen aus der Fibonacci-Folge. Auch die scheinbar ungeordneten Kerne einer Sonnenblume folgen einer mathematischen Struktur.
Die Frage lautete: Wie lassen sich möglichst viele Kerne auf möglichst wenig Platz verteilen? Die Antwort führt zum sogenannten goldenen Winkel. Was zunächst nach einem ganz normalen Sonnenblumenkopf aussieht, entpuppte sich damit als raffiniertes mathematisches Ordnungssystem.
Anschließend wurde es geheim: Mit einer Caesar-Scheibe verschlüsselten die Kinder Wörter und versuchten, geheime Nachrichten wieder zu entschlüsseln. Aus einem scheinbar einfachen Buchstabenrätsel wurde so eine erste Begegnung mit einem mathematischen Verfahren: Buchstaben werden nach einer festen Regel verschoben – und können mithilfe derselben Regel wieder zurückverwandelt werden.
Auch ein Gegenstand, den viele Kinder vermutlich schon einmal in der Hand hatten, wurde zum Forschungsobjekt: der Zauberwürfel. Gemeinsam wurden Flächen und Einzelteile gezählt und ausprobiert, was bei jeder Drehung passiert. Hinter dem bunten Würfel steckt ein komplexes mathematisches System, denn jede Bewegung verändert die Anordnung der Elemente nach bestimmten Regeln.
Wie groß die Zahl der Möglichkeiten ist, zeigt eine kaum vorstellbare Zahl: Mehr als 43 Trillionen verschiedene Anordnungen sind möglich.
Die Kinderuni machte damit auf ganz unterschiedliche Weise sichtbar, dass Mathematik weit mehr ist als Rechnen und Formeln. Sie steckt in der Natur, in Spielen und Rätseln und sogar in der Frage, wie geheime Nachrichten verschlüsselt werden. Entscheidend war dabei nicht nur das Zuhören: Die Kinder zählten selbst, probierten aus, lösten Rätsel und entdeckten mathematische Muster.
“Mathematik wird dann spannend, wenn Kinder sie nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst entdecken können. Genau diese Aha-Momente sind für mich der Kern der Kinderuni: Aus einer scheinbar einfachen Frage entsteht plötzlich eine wissenschaftliche Entdeckung”, sagt Robin Biebl, Organisator der Kinderuni.
Mit Themen wie Mathematik möchte die Hochschule Mittweida zeigen, wie vielfältig und alltagsnah MINT-Fächer sein können. Die Kinderuni schafft dafür einen Raum, in dem Wissenschaft nicht nur erklärt, sondern gemeinsam erlebt wird. Sie weckt Neugier, lädt zum Ausprobieren ein und zeigt schon früh: Mathematik kann überall stecken – manchmal sogar dort, wo man sie zunächst überhaupt nicht erwartet.
Die Kinderuni ist eine Kooperationsveranstaltung des Instituts für Kompetenz, Kommunikation und Sprachen (IKKS), der Hochschulbibliothek sowie der Fakultät Medien.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Jörg Hübler werfen wir einen Blick auf die Mobilität der Zukunft und entdecken, wie elektrische Antriebe funktionieren und wie Fahrzeuge leise, clever und umweltfreundlicher unterwegs sein können. Im Anschluss werden die beliebten Kinderuni-Diplome an diejenigen vergeben, die 2026 an mindestens vier Veranstaltungen teilgenommen haben.
Wer jetzt Lust auf noch mehr Aha-Momente bekommen hat, muss nicht bis zur nächsten Kinderuni warten: Im Wissensblitz auf der Kinderuni-Website werden ausgewählte Themen der vergangenen Veranstaltungen noch einmal kurz und verständlich erklärt. Die Videos dauern weniger als fünf Minuten – perfekt für eine kleine Extraportion Wissen zwischendurch.
Ansprechpartner: