Vier männliche und eine weibliche Person stehen am Fuß einer großen Treppe in einem Gebäude mit Sichtbetonwänden. Sie halten Urkunden in den Händen.

Vom Hörsaal aufs Gleis: Wie Philipp Goldammer mit einer Masterarbeit den Sprung in die Praxis schaffte

Manche Abschlussarbeiten verschwinden nach der Verteidigung im Regal. Die von Philipp Goldammer fährt inzwischen auf Baustellen mit und erhält den Gerhard-Neumann-Preis der Hochschule Mittweida

Sechs männliche Personen stehen am Fuß einer großen Freitreppe in einem Gebäude mit Sichtbetonwänden. Eine Preson hat eine Urkunde und Blumen in den Händen. Die anderen Personen haben ihren Blick auf sie gerichtet.
Preisträger Philipp Goldammer. Mit ihm freuen sich Prof. Michael Kuhl und Andreas Petzold (Fakultät Ingenieurwissenschaften), Daniel Götze (Sonnenberg GmbH), Prof. Frank Weidermann (Fakultät Ingenieurwissenschaften) und Peter Sonnenberg (Sonnenberg GmbH) (v.l.n.r.).

Für seine außergewöhnlichen Leistungen während des Studiums an der Hochschule Mittweida erhält der Maschinenbau-Absolvent Philipp Goldammer in diesem Jahr den Gerhard-Neumann-Preis der HSMW. Die Auszeichnung wird für herausragende technische Innovationen, die im Rahmen von Projekten, Abschlussarbeiten oder anderen wissenschaftlichen Arbeiten entstanden sind, vergeben. 

Neugier, Engagement, Gewissenhaftigkeit und fachlicher Einsatz sind Eigenschaften, die sich wie ein roter Faden durch Goldammers Werdegang ziehen.

Der heutige Konstrukteur und Projektleiter bei der Sonnenberg GmbH fand bereits früh den Weg in die industrielle Praxis. Vor rund viereinhalb Jahren stellte Andreas Petzold von der Fakultät Ingenieurwissenschaften nach dem Modul „CAD-Techniken“ den Kontakt zum Unternehmen her. Aus dem ersten Kennenlernen wurde eine langjährige Zusammenarbeit: Während seines Studiums arbeitete Goldammer als Werkstudent im Unternehmen, absolvierte dort seine Masterarbeit und wurde nach dem erfolgreichen Studienabschluss direkt übernommen.

Philipp Goldammer studierte Maschinenbau mit der Vertiefung Konstruktion. Schon während des Studiums setzte er auf zusätzliche Qualifikationen und erwarb noch vor seinem Masterabschluss die anspruchsvolle Zusatzqualifikation zum Schweißfachingenieur. Darüber hinaus engagierte er sich intensiv im Formula-Student-Team der Hochschule und brachte dort Fachwissen, Zeit und Leidenschaft ein.

Den entscheidenden Meilenstein setzte er jedoch mit seiner Masterarbeit bei Professor Frank Weidermann. Diese verteidigte er im April 2026 mit der Bestnote von 1,0. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer hydraulischen Gleisjochtraverse für den Einsatz im Gleisbau. Das speziell entwickelte Anbaugerät ermöglicht es einem Bagger, Gleisjoche mit einem Gewicht von bis zu acht Tonnen aufzunehmen, zu transportieren und zu verlegen.

Der Clou der Konstruktion sind selbstjustierende hydraulische Greifer, die Abweichungen der Gleisjoche ausgleichen und die Arbeit für den Maschinenführer deutlich erleichtern. Gleichzeitig werden weniger Arbeitskräfte benötigt, die Verlegezeiten verkürzt und die Arbeitssicherheit erhöht. Damit leistet die Entwicklung nicht nur einen Beitrag zu effizienteren Bauprozessen, sondern unterstützt auch den Ausbau der Schieneninfrastruktur im Zuge des Mobilitätswandels.

Besonders bemerkenswert: Die Lösung blieb nicht auf dem Papier. Nach erfolgreichen Tests wurde die Konstruktion in die Serienfertigung überführt und wird bereits an Kunden ausgeliefert. Mehrere Geräte befinden sich inzwischen im praktischen Einsatz.

Dass eine im Rahmen einer Abschlussarbeit entwickelte Lösung unmittelbar den Weg in die industrielle Anwendung findet, ist keineswegs selbstverständlich und unterstreicht die besondere Qualität seiner Leistung,

heißt es im Vorschlag für die Auszeichnung. Hervorgehoben werden dabei vor allem Goldammers hohe Eigenständigkeit, seine gewissenhafte Arbeitsweise sowie die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete technische Lösungen zu überführen.

Wie Gerhard Neumann einst technische Visionen in wegweisende Innovationen verwandelte, hat auch Philipp Goldammer gezeigt, wie aus wissenschaftlicher Arbeit eine praxisrelevante Lösung entstehen kann. Natürlich liegen andere Maßstäbe und Zeiten zwischen beiden Lebenswegen. Doch die Haltung ist dieselbe: Herausforderungen mit Fachwissen, Kreativität und Beharrlichkeit zu begegnen. Der Gerhard-Neumann-Preis würdigt deshalb nicht nur eine herausragende Abschlussarbeit, sondern auch einen jungen Ingenieur, dessen Ideen bereits heute Wirkung entfalten.

Blick auf Eisenbahnschienen mit einem Bagger
Sanierung einer Eisenbahnstrecke mit Gleisjochtraverse © privat
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