Das Formula-Student-Team Technikum Mittweida Motorsport (TMM) blickt auf das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte zurück und stellt zugleich die Weichen für die nächste Generation seines Rennwagens. Ab heute sammeln die Studierenden auf der Plattform Startnext Geld für ein neues elektrisches Fahrzeug. Das erste Ziel: 5.000 Euro. Die Kampagne ist zugleich der Auftakt für Crowdfunding an der Hochschule Mittweida (HSMW). Anders als klassisches Sponsoring bietet die „Schwarmfinanzierung“ eine niedrigschwellige Möglichkeit, Projekte zu unterstützen.
Die nächste Herausforderung: ein neuer Rennwagen
Nach der Saison ist vor der Saison, und Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Die Erfahrungen aus den Wettbewerben 2026 ließen bereits in das nächste Fahrzeug ein, einen elektrischen Rennwagen mit Zwei-Motor-Heckantrieb. Das Vorhaben dauert zwei Jahre: Zunächst stehen Konzept, Konstruktion und Design im Mittelpunkt, in der Saison darauf folgt der Bau. Eine der größten Änderungen ist der Wechsel von 13- auf 10-Zoll-Reifen, den das Team konstruktiv sauber abstimmen muss.
Dabei geht es um mehr als Fahrzeugentwicklung. Studierende verschiedener Fachrichtungen verbinden ihr Wissen aus Konstruktion, Elektrotechnik und Fahrzeugsoftware mit Projektmanagement, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit. Sie treffen technische Entscheidungen und übernehmen Verantwortung. So wird theoretisches Wissen zu praktischer Erfahrung. Doch hinter jedem Rennwagen stecken nicht nur Ideen und unzählige Werkstattstunden, sondern auch Material, Bauteile und Fertigungsmöglichkeiten, die bezahlt werden müssen. Genau hier setzt das Crowdfunding an.
Crowdfunding: 5.000 Euro als erster Meilenstein
Die Kampagne soll 5.000 Euro für Materialien, Bauteile und Fertigungsmöglichkeiten einwerben und läuft zunächst bis zum 24. März 2027.
Die Summe hört sich klein an, aber sie ist ein erster Meilenstein.
Hendrik Seidlitz, kaufmännischer Leiter von TMM
Seidlitz betont: “Diese Unterstützung für den Start ist wichtig, auch wenn wir damit von der vollständigen Finanzierung des neuen Rennwagens weit entfernt sind.” Wird das Ziel erreicht, können weitere, konkret beschriebene Finanzierungsziele folgen. Unterstützen kann jede und jeder mit einem frei gewählten Beitrag. Auch das Teilen der Kampagne im eigenen Netzwerk hilft dem Team.
Pilotprojekt für die Hochschule
Die HSMW will Hochschulprojekte künftig beim Crowdfunding unterstützen, um Finanzierung, Sichtbarkeit und Reichweite zu stärken. Die Hochschulkommunikation begleitet die Teams mit Beratung und Kommunikation. Victoria Hartwig betreut dort die Crowdfunding-Initiativen an der HSMW:
TMM ist der ideale Auftakt.
Hartwig erläutert: “Das Projekt hat eine bewährte Organistationsstruktur und Erfahrungen mit Sponsoring – und sie benötigen in den nächsten Monaten das Startkapital. Als erstes Projekt auf der zentralen Crowdfunding-Seite der Hochschule bei Startnext dient die Kampagne gleichzeitig als Pilot. Die Erfahrungen, die wir hier machen, sind Grundlage dafür, das Angebot auf weitere Hochschulprojekte auszuweiten.”
Auch die Plattform passt zur HSMW: Startnext-Mitgründer Tino Kressner ist Alumnus der HSMW und hat die Vorbereitung in den vergangenen Monaten intensiv unterstützt. Das zeigt, wie Verbindungen zur Hochschule über das Studium hinaus neue Möglichkeiten eröffnen.
Rückblick: Die erfolgreichste Saison der Teamgeschichte
Anfang Juni eröffnete der „Golden Serpent“ beim Rollout die Saison 2026. Der zehnte Rennwagen in der Geschichte von TMM brachte etliche Neuerungen mit, von der Antriebseinheit über das Batteriemanagement bis zur optimierten Fahrzeugarchitektur. Das rund einhundertköpfige Team entwickelte und testete monatelang. Auf dem Sachsenring und an über 20 Testtagen kamen mehr als 400 Kilometer zusammen, in denen Fahrwerk, Software und Energiesystem unter realen Bedingungen abgestimmt wurden.
Das zahlte sich aus. Beim ersten Rennen, der Formula Student Switzerland im Juli, fuhr TMM auf Platz 3 in der Efficiency und Platz 8 von 21 Teams in der Gesamtwertung. Bei der Formula Student Germany (FSG) am Hockenheimring bestand das Team die Mechanical Inspection in nur 38 Minuten und die Electrical Inspection in 44 Minuten. Am Ende stand Platz 34 unter rund 80 Teams, als bestes Team der neuen Bundesländer. TMM war erstmals seit über zehn Jahren wieder in den dynamischen Disziplinen der FSG dabei und erreichte als eines von nur 28 Teams das Ziel der 22 Kilometer langen Endurance. In Polen schließlich belegte der Golden Serpent Platz 2 in der Efficiency und Platz 9 in der EV-Gesamtwertung.
Besonders im Autocross zeigte sich die Stärke des Konzepts: Der Golden Serpent fährt ganz ohne Aerodynamikpaket und ließ dennoch viele aerodynamisch optimierte Fahrzeuge hinter sich, mit 92,093 Sekunden am Hockenheimring.