Flüchtlingsprojekte im akademischen Alltag angekommen

Flüchtlingsprojekte im akademischen Alltag angekommen

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Interkulturalität im Studium Generale an der Hochschule Mittweida. Engagement für Flüchtlinge ausgezeichnet.

Flüchtlinge aus Syrien und Helfer aus Deutschland vereint.<br>(Foto vom Willkommensfest an der Hochschule<br>im Oktober 2015)

Seit 2014 sind vermehrt Menschen auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung. Allein im vergangenen Jahr kam fast eine Million Asylsuchende nach Deutschland. Auch die Lothar-Otto-Sporthalle der Hochschule Mittweida wurde von August 2015 bis März dieses Jahres als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt. Studierende und Beschäftigte der Hochschule organisierten neben einem Willkommensfest auf dem Campus auch die Betreuung und Deutschstunden vor Ort. Heute leben die Geflüchteten in Wohnungen in Mittweida und Umgebung, in Wohnheimen oder in einer anderen Erstaufnahmeeinrichtung.

Doch das Thema bleibt aktuell, auch wenn die Hochschule nicht mehr unmittelbar betroffen scheint. Dies nahmen die Verantwortlichen des “Studium Generale“ im Institut für Kompetenz, Kommunikation und Sport (IKKS) der Hochschule Mittweida zum Anlass, um zwei Angebote zu Flucht/Flüchtlingen ins Leben zu rufen: „‚Tell Me Your Story, New Neighbour‘: Identity, Interculturality, and the Life Story“ unter Anleitung von PD Dr. Gunter Süß, sowie "Flucht-Flüchtlinge-Geflüchtete" unter Anleitung von Linda Meyer und Gordon G. Oswald.

Das Seminar von PD Dr. Süß brachte Studierende der Hochschule Mittweida und Flüchtlinge, die in der Region leben, in einen Dialog. Ziel des Seminars war es, die Lebensgeschichten der Flüchtlinge zu dokumentieren und vor dem Vergessen zu bewahren. Studierende erwarben im Interaktionsprozess des Seminars soziale und interkulturelle Kompetenzen und konnten gleichzeitig die Gründe und politischen Bedingungen von Flucht und Vertreibung reflektieren. Erste Ergebnisse des Projekts, das im Wintersemester 2016/2017 fortgesetzt wird, finden sich auf der Projekt-Homepage.

Das zweite Projekt zielte vor allem auf die Verbindung von Studium und ehrenamtlichem Engagement. Nach einigen theoretischen Inputs zur aktuellen Situation sowie dem Asylrecht wurden die Studierenden selbst aktiv und teilten sich dazu in zwei Gruppen: Die einen organisierten zwei Nachmittage für die Flüchtlinge aus Mittweida, um sich kennen zu lernen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Die zweite Gruppe unterstützte das DRK in der Erstaufnahmeeinrichtung Rossau und führte einmal wöchentlich eine Deutschstunde für die Bewohner durch, die mit großer Freude besucht wurde.

Die Integration der Flüchtlinge bedeutet kontinuierliche Anstrengungen in einer Vielzahl von Bereichen. Interkulturelle Kompetenzen der Akteure sind gefragt – auch über die Integration von Flüchtlingen hinaus: In einer globalisierten Gesellschaft kommt ein jeder von uns in Alltagssituationen in Kontakt mit kultureller Vielfalt. Das IKKS stellt sich dieser Aufgabe und wird sich dem Thema Interkulturalität verstärkt in Lehre und Forschung widmen. Ein diesbezügliches Zertifikat, das alle Studierende neben dem regulären Studienprogramm erwerben können, ist in Vorbereitung.


Auszeichnung für Engagement

Im Rahmen einer Veranstaltung zum 25-jährigen Jubiläums der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen am 19. September in Chemnitz zeichnete Ministerpräsident Stanislaw Tillich das Engagement von Studierenden und Beschäftigten der Hochschule Mittweida mit zwei Anerkennungspreisen aus.