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Internationaler Workshop an der Hochschule Mittweida zeigt, wie wichtig Diskrete Mathematik für Zukunftstechnologien ist

Dr. Frether Kebede und (l.) Niyati Dave lehren und forschen in der Fachgruppe Mathematik der Hochschule Mittweida.

Wenn das Navi den kürzesten Weg berechnet, eine Nachricht verschlüsselt durchs Netz geht oder eine Datei komprimiert wird, steckt dahinter meist ein Stück Diskrete Mathematik. Genau um dieses Forschungsfeld ging es am 16. Juni 2026 im Reallabor Telewerk der Hochschule Mittweida (HSMW). Die Hochschule war Gastgeberin des 32. Workshops der Southeastern Germany Group (SEG), zu dem rund 30 Mathematiker:innen aus dem In- und Ausland zusammenkamen.

Dr. Mandy Lange-Geisler und Professor Klaus Dohmen von der Fachgruppe Mathematik an der Fakultät Angewandte Computer- und Biowissenschaften der HSMW haben den Workshop in diesem Jahr organisiert. Die SEG-Community ist ein seit vielen Jahren bestehender Zusammenschluss von Forschungsgruppen der Diskreten Mathematik an den Universitäten und Hochschulen in Chemnitz, Dresden, Freiberg, Ilmenau, Jena, Leipzig und Mittweida.

Das Reallabor Telewerk war nicht nur atmosphärisch ein richtiger Ort für den Workshop, der von Fachlichkeit und Begegnung geprägt war. In innovativer Holzbauweise erstellt, erprobt die HSMW hier in direkter Anwendung unter anderem Cybersicherheit moderner Arbeitsumgebungen, digitale Infrastrukturen, Internet-of-Things-Vernetzung und regenerative Energieversorgung.

Mehr als graue Theorie

Diskrete Mathematik begegnet uns täglich, ohne dass sie als solche erkennbar ist: Sie liefert die Modelle und Algorithmen für Routenplanung, sichere Datenübertragung, Datenkompression oder die Optimierung von Flug- und Verkehrsnetzen. Damit bildet sie eine Grundlage für zentrale Teilgebiete der Informatik, Logistik und Telekommunikation. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Graphen und Netzwerke als Modelle für Kommunikations-, soziale, Straßen- und Infrastrukturnetze – etwa bei der Suche nach kürzesten Wegen, der Analyse der Zuverlässigkeit von Netzwerken oder der Lösung von Frequenzzuweisungsproblemen im Mobilfunk.

Für die HSMW ist das Thema auch strategisch relevant: Netzwerkanalyse und die sichere, kryptographisch abgesicherte Übertragung von Informationen nehmen in der Mittweidaer Forschung breiten Raum ein – Bereiche, für die Diskrete Mathematik methodisch unverzichtbar ist. Das spiegelt sich unter anderem im – englischsprachigen – Masterstudiengang „Applied Mathematics for Network and Data Sciences" wider, der Automatentheorie, Codierungstheorie, Kryptologie, mathematische Netzwerkanalyse und stochastische Modellierung vereint und junge Mathematiker:innen an der Schnittstelle zur Informatik ausbildet.

Diskrete Mathematik wird zunehmend auch gebraucht, um KI-Systeme zu entwerfen, zu optimieren und gegen Angriffe abzusichern. Umgekehrt wirft künstliche Intelligenz neue Fragen für die Grundlagenforschung auf – etwa, wie sich Beweise formal absichern lassen und wie gut KI-Systeme selbst mit diskreten Strukturen, Graphen oder kombinatorischen Problemen umgehen können. Diskutiert wurde in Mittweida in diesem Zusammenhang auch, wie sich mithilfe Lean-basierter Beweisführung KI-gestützte Verfahren überprüfen und benchmarken lassen.

Von Neuseeland nach Mittweida

Ganz unter sich blieb die Southeastern Group nicht: Mit Prof. Dr. Nick Bretell von der Victoria University of Wellington reiste ein Gast aus Neuseeland an. Auch die Mittweidaer Mathematik ist international geprägt: Dr. Frether Kebede, die 2023 von der Universität Addis Abeba an die HSMW wechselte, gab einen Einblick in ihre aktuelle Forschung im Bereich der enumerativen Kombinatorik. Mit den Beiträgen von Professor Thomas Kalinowski (Universität Rostock), Professor Jochen Harant (TU Ilmenau), Professor Peter Tittmann, Dr. Mandy Lange-Geisler und Max Schult (HSMW) wurde die Bandbreite des Forschungsfelds abgesteckt: von strukturellen Fragestellungen aus Graphentheorie und Kombinatorik bis zu algorithmischen Aspekten.

Zukunftsfeld für wissenschaftlichen Nachwuchs

Professor Klaus Dohmen fasst zusammen: „Der Workshop zeigte, dass Diskrete Mathematik weit über klassische Fragestellungen der Graphentheorie und Kombinatorik hinausweist. Angesichts vernetzter Infrastrukturen, sicherer digitaler Kommunikation und des wachsenden Einsatzes künstlicher Intelligenz wird sie immer wichtiger.“ Dr. Mandy Lange-Geisler ergänzt: „Die Southeastern Group ist dafür eine wichtige Plattform: Sie bringt Forschende verschiedener Hochschulen zusammen, fördert den fachlichen Austausch und eröffnet insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs Möglichkeiten zur Vernetzung. Auch künftig soll unsere Zusammenarbeit dazu beitragen, mathematische Grundlagen zu entwickeln, die digitale Technologien nicht nur leistungsfähiger, sondern auch sicherer und verlässlicher machen.“

Blogbeitrag zum Workshop von Dr. Mandy-Geisler bei Nextgen, dem hochschuleigenen Qualifizierungsprogramm für den professoralen Nachwuchs.