Digitaler Wandel – Chance für weltweiten Klimaschutz und das Leben in der Kleinstadt
Digitaler Wandel – Chance für weltweiten Klimaschutz und das Leben in der Kleinstadt
Reihe „Dialog Kontrovers – ZwischenWelten“ fortgesetzt. Nächster Termin: 28. April, unter dem Thema „Macht, Medien, Manipulation – Demokratie in der Zwischenwelt“.
Wie verändern digitale Technologien unseren Umgang mit Klimakrise und Innenstadtleben – und wo liegen die Grenzen? Diesen Fragen widmeten sich der zweite und dritte Abend der Reihe „Dialog Kontrovers – ZwischenWelten“ an der Hochschule Mittweida (HSMW). Ein Rückblick.
Hybride Lösungen für den Klimawandel?
Beim zweiten Themenabend am 31. März diskutierten drei Experten, wie digitale Technologien zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können und welche ökologischen und gesellschaftlichen Kosten damit verbunden sind. Moderatorin Professorin Inga‑Maria Eichentopf von der HSMW betonte die Ambivalenz: KI, Sensorik und datenbasierte Systeme gelten als Schlüssel im Kampf gegen die Klimakrise, zugleich steigen Energieverbrauch, Ressourcenbedarf und Emissionen der digitalen Infrastruktur.
Die Beiträge der Podiumsgäste zeichneten gemeinsam ein Bild dieses Spannungsfelds. Professor Jan‑Peter Mund von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde zeigte am Beispiel digital vermessener Wälder, wie Drohnen und KI komplexe Ökosysteme sichtbar machen und bessere Entscheidungen in Forst‑ und Stadtplanung ermöglichen – vorausgesetzt, die Daten werden verständlich aufbereitet und aktiv genutzt.
Professor Simon Gläser‑Chahoud von der TU Bergakademie Freiberg betonte Potenziale für Kreislaufwirtschaft und Recycling, machte aber klar: Recycelt werden kann nur, was bereits im Abfall ist – neue Rohstoffe bleiben vorerst nötig, etwa für Batterien. Als zentrales Instrument wurde der digitale Produktpass hervorgehoben, der künftig Informationen zu Zusammensetzung und Lebensdauer von Produkten bereitstellen soll.
Professor Grischa Beier vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit in Potsdam ordnete die Beispiele in die „Twin Transition“ von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein. Idealerweise werden digitale Innovationen so gestaltet, dass Nachhaltigkeitsziele von Anfang an mitgedacht werden; empirische Studien zeigten jedoch, dass reale Energieeinsparungen oft geringer ausfallen als versprochen und durch Rebound‑Effekte teilweise wieder aufgezehrt werden.
Einigkeit bestand darin, dass digitale Technologien wichtige Werkzeuge sind, die ohne gesellschaftliche Veränderungen, klare Regulierung und internationale Kooperation die Klimakrise nicht lösen werden – eine „schöne neue Welt“ entsteht nur im bewussten Zusammenspiel von Mensch, Natur und Technik.
Digitaler Konsum und urbanes Leben
Der dritte Themenabend am 14. April holte die ZwischenWelten in den Alltag von Mittweida. Moderatorin Professorin Anika Möcker, HSMW, diskutierte mit Apothekerin und Stadträtin Uta Siling, Digital‑Business‑Professor Prof. Dr. Alexander Knauer, HSMW, und Stadtplaner Rico Ulbricht, wie Online‑Bequemlichkeit und lebendige Innenstadt zusammengehen können.
Ein Live‑Votum zum „Staubsaugerkauf – lokal oder online?“ machte die Spannungen anschaulich. Siling warb für persönliche Beratung, Erlebnisse im Laden und Aktionen wie Nachtshopping oder Kundenabende, verwies aber auch auf demografischen Wandel, Nachfolgeprobleme und lange Arbeitszeiten im Einzelhandel. Knauer analysierte, warum digitale Geschäftsmodelle so erfolgreich sind: Sie sind jederzeit verfügbar, skalierbar und stark datengetrieben – ersetzen aber Empathie und direkte Rückmeldung im Laden nicht.
Ulbricht spannte den Bogen zur Stadtentwicklung: Mittweida sei historisch gewachsen, zugleich prägten große Märkte am Stadtrand das Einkaufsverhalten. Am Beispiel der Rochlitzer Straße erläuterte er, wie in Beteiligungsprozessen ein Kompromiss zwischen Erreichbarkeit, weniger Autoverkehr und mehr Aufenthaltsqualität gefunden wurde – mit mehr Platz für Gastronomie statt reiner Parkfläche.
Besonders sichtbar wurde das Zusammenspiel von analog und digital in den vielen Momenten, in denen das Publikum selbst aktiv wurde. Per QR‑Code klinkten sich die Gäste mit ihren Smartphones in eine digitale Pinnwand ein, auf der in kurzer Zeit zahlreiche Kommentare, Fragen und Vorschläge erschienen – vom Wunsch nach einer gemeinsamen Stadt‑App über Ideen für temporäre Nutzungen leerer Läden bis hin zu ganz konkreten Anregungen für mehr Kooperation zwischen Hochschule, Handel und Stadtverwaltung.
Gmeinsames Fazit beider Abende: Hybride Lösungen entstehen dort, wo Menschen Technologien nutzen, um ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Lebensqualität zusammenzubringen – und dabei nicht nur übereinander, sondern miteinander ins Gespräch kommen.
Mehr ZwischenWelten am 28. April
Das komplette Programm der Dialog-Kontrovers-Reihe 2026 finden Interessierte auf der Veranstaltungswebsite der Hochschule Mittweida. Der nächste Themenabend steht am Dienstag, dem 28. April, 17:30 Uhr, unter der Überschrift „Macht, Medien, Manipulation – Demokratie in der Zwischenwelt“.
Text: Inga-Maria Eichentopf, Robin Biebl
Fotos: Helmut Hammer













