„KI, Mensch & Macht – Die hybride Zukunft des Konflikts“
„KI, Mensch & Macht – Die hybride Zukunft des Konflikts“
Dialog Kontrovers diskutiert „ZwischenWelten“. Auftakt der siebenteiligen Reihe war am 17. März. Der nächste Dialog diskutiert am 31. März über digitale Technolgien gegen den Klimawandel.
Zum Auftakt der Diskussionsreihe Dialog Kontrovers kamen am 17. März rund 130 Besucher:innen ins Studio B auf den Campus der Hochschule Mittweida. Die Reihe mit sieben Veranstaltungen in den kommenden Wochen startete mit einem Thema, das gegenwärtiger kaum sein könnte. Unter dem Titel „KI, Mensch & Macht – Die hybride Zukunft des Konflikts“ beleuchteten Experten zentrale Aspekte der aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklung. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Einordnung der aktuellen Ereignisse innerhalb eines sich stetig wandelnden Spannungsfeldes hybrider Konfliktlagen.
Sieben kontroverse Themen – Suche nach Orientierung
In der diesjährigen Dialog-Kontrovers-Reihe „ZwischenWelten“ geht es um hybride Entwicklungen – also Phänomene, die sich zwischen klassischen Kategorien wie analog und digital, lokal und global oder zivil und militärisch bewegen. An insgesamt sieben Abenden kommen Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um ihre Sichtweisen vorzustellen und gemeinsam mit dem Publikum zu diskutieren. Ziel der Reihe ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen, Orientierung zu bieten und einen offenen – auch kontroversen – Austausch zu fördern.
Zum Auftakt des ersten Abends führte Professor Gunter Süß, Studienleiter am Institut für Kompetenz, Kommunikation und Sprachen (IKKS) der Hochschule Mittweida, in die Reihe ein. Das IKKS organisiert die Veranstaltungsreihe „Dialog Kontrovers“ alle zwei Jahre im Wechsel mit der „Öffentlichen Ringvorlesung“. Süß stellte das übergeordnete Thema vor: das Konzept der Hybridität als oft schwer greifbare Mischform. Dabei ging er kurz auf die Wortgeschichte ein und erläuterte, dass der Begriff bereits in der Antike zur Bezeichnung von Mischformen verwendet wurde und betonte zugleich dessen Vieldeutigkeit. Diese Ambivalenz finde in verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen ihren Ausdruck und ziehe sich wie ein roter Faden durch die gesamte Reihe.
Professorin Susanne Günther moderierte den Abend, führte in das Thema ein und skizzierte zunächst die aktuelle weltpolitische Lage. Sie verwies darauf, dass sich sowohl die Zahl als auch die Art moderner Konflikte in den letzten Jahren deutlich verändert haben. Anhand aktueller Beispiele leitete sie zur zentralen Fragestellung des Abends über: Inwiefern lassen sich diese Entwicklungen als Formen hybrider Kriegführung oder hybrider Bedrohungen verstehen?
Oberst Dr. Johann Schmid, Projektbeauftragter am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) zum Themenkomplex Hybride Kriegführung, ordnete den Begriff der hybriden Kriegführung theoretisch ein. Anknüpfend an Carl von Clausewitz – „Vom Kriege“ (1832) – beschrieb er hybride Kriegführung als Vorgehen, das gezielt an Schnittstellen ansetzt: „zwischen Krieg und Frieden, zivil und militärisch, Wahrheit und Desinformation“. Gesellschaften würden dabei in ihrer Breite getroffen und das nicht nur durch Waffengewalt, sondern durch Desinformationskampagnen, Angriffe auf kritische Infrastruktur und die gezielte Manipulation digitaler Öffentlichkeiten. Gerade an einem Abend, dessen Ziel es war, das aktuelle Konfliktgeschehen zu analysieren, erwies sich dieser Ansatz als leitend.
Robert Frau, Professor für Öffentliches Recht an der TU Bergakademie Freiberg mit Forschungsschwerpunkt Völkerrecht und Gewalt, ergänzte die juristische Perspektive. Er betonte, dass das humanitäre Völkerrecht keine Schuldfragen klärt, sondern konkrete Handlungen bewertet: „Ein Angriff auf ein ziviles Objekt ist immer rechtswidrig. Der Angriff auf Zivilpersonen ist immer ein Kriegsverbrechen." Die eigentliche Herausforderung liege nicht in der Rechtsnorm, sondern in der Einordnung der konkreten Situation – und darin, juristische und moralische Fragen nicht zu vermischen.
Fragen aus dem Publikum kreisten um Moral und moralisches Urteilen in Konfliktsituationen, aber auch um konkrete politische Konsequenzen – etwa ob eine wehrhafte Gesellschaft nicht auch in den sozialen Bereich stärker investieren müsste. Ebenso kam zur Sprache, ob soziale Medien Kriege emotionaler machen, weil mehr Menschen direkten Anteil am Kriegsgeschehen nehmen. Schmid betonte, dass militärische Wehrhaftigkeit und gesellschaftliche Resilienz sich nicht ausschließen, sondern zwei Seiten derselben Medaille seien. Professor Frau widersprach der Annahme einer generell gewachsenen Aufmerksamkeit: Emotionalisierung sei selektiv und lasse sich steuern. Viele Konflikte fänden trotz enormen Leids kaum Beachtung. Dass solche Fragen keine einfachen Antworten haben, liegt auch daran, dass verschiedene Disziplinen unterschiedlich weit reichen: Robert Frau machte deutlich, dass juristisches und moralisches Urteilen nicht gleichzusetzen ist, da das Völkerrecht moralische Fragen nur im Rahmen seiner klar gesetzten Grenzen beantworten kann.
Deutlich wurde am Abend auch, dass hybride Konflikte bestehende Grenzen zwischen Krieg und Frieden, innen und außen, militärisch und zivil auflösen. Die interdisziplinäre Perspektive von Sicherheitsforschung und Völkerrecht zeigte dabei, wie wichtig unterschiedliche Blickwinkel sind, um das Geschehen einordnen zu können. Professorin Günther schloss mit dem Gedanken, dass sich hybride Konflikte nur dann bewältigen ließen, wenn der Mensch zum kritischen „Kurator“ von KI-gestützten Werkzeugen würde, mit der Fähigkeit, Chancen und Risiken gleichermaßen zu erkennen.
Am 31. März: Klimawandel in der hybriden Welt
Der Dialog Kontrovers geht an sechs Abenden bis zum 9. Juni weiter. Er richtet sich sowohl an Hochschulangehörige als auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Das komplette Programm findet sich auf der Veranstaltungsseite.
Welche Rolle digitale Technologien beim Kampf gegen den Klimawandel spielen, ist Thema des nächsten Dialog Kontrovers am 31. März unter der Überschrift „Schöne neue Welt – Mit hybriden Lösungen durch den Klimawandel?“






