Vorurteile – oder: Wie unser Kopf uns Streiche spielt
Vorurteile – oder: Wie unser Kopf uns Streiche spielt
Kinder und Erwachsene entdecken, wie rasant falsche Geschichten über andere Menschen in unserem Kopf entstehen – aber auch, wie man eigene Vor-Urteile korrigieren kann.
Viele Familien kamen am 28. Februar zum Auftakt des Kinderuni-Jahrs an die Hochschule Mittweida (HSMW). Schon vor dem Beginn der Vorlesung war die Wahrnehmung der rund 400 Kinder und Erwachsenen gefragt: Ein Bild im Foyer zeigt einen Affen ... oder doch einen Tiger ... Die meisten sahen den Affen zuerst, andere den Tiger, auch ein Elefant wurde gesichtet. „Euer Gehirn hat bei allen das gleiche Bild gesehen und trotzdem habt ihr unterschiedlich abgestimmt“, erklärte später Kinderuni-Dozent Professor Simon Moses Schleimer und zeigte mit weiteren Beispielbildern, wie schnell der Kopf Lücken füllt und dazu Geschichten erfindet.
Professor Schleimer, der an der Fakultät Soziale Arbeit der HSMW zu Migration und Zusammenleben forscht und lehrt, nahm die Kinder mit hinein in das „Schubladensystem“ unseres Gehirns. In einer Mitmachaktion sammelten die Kinder Eigenschaften und legten Zettel mit dem Namen ihrer besten Freundin oder ihres besten Freundes in die mit den Eigenschaften beschrifteten Schubladen. So wurde klar: Unser Gehirn braucht Schubladen, in die es Dinge einsortiert. Aber dabei können auch Fehler passieren, weil wir aufgrund von Namensgleichheit oder ähnlichem Aussehen Menschen, die wir neu kennenlernen, in dieselben Schubladen einsortieren, in denen andere drin sind, mit denen wir schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Die Kinder lernten, dass Vorurteile aus Denken, Fühlen und Handeln bestehen. Wenn Menschen aufgrund dieser Vorurteile schlechter behandelt werden, kann daraus Diskriminierung entstehen.
In einem Quiz mit bunten Abstimmkarten testeten die Kinder ihr Wissen. Damit es nicht bei der Theorie blieb, ging es anschließend in den Schulalltag: An der Geschichte eines neuen Mädchens in der Klasse, über das sofort getuschelt wird, sammelten die Kinder gemeinsam Strategien gegen vorschnelle Urteile. Fünf Tipps hielten sie fest: nicht alles glauben, nachfragen, zuhören, mitfühlen und genau hinschauen – und erzählten dazu eigene Beispiele aus dem Klassenraum und vom Pausenhof.
Zum Abschluss gab es noch ein Experiment: Einige Freiwillige bekamen die gleichen Legosteine und 90 Sekunden Zeit, daraus eine Ente zu bauen. Als sie nach dem Stopp-Signal ihre Enten präsentierten, war offensichtlich: gleiche Bausteine, völlig unterschiedliche Enten – so wie bei uns Menschen. Die Botschaft des Vormittags: Jede Person ist einzigartig, Vorurteile aber machen diese Vielfalt unsichtbar – und wir können lernen, unseren Köpfen nicht jeden Streich durchgehen zu lassen.
Wissenschaft für alle
Die Kinderuni ist ein fester Bestandteil der Wissenschaftskommunikation an der HSMW. Sie richtet sich nicht nur an andere Forschende, sondern auch an alle Menschen, die im Alltag vom wissenschaftlichen Fortschritt profitieren und deren Neugier auf Wissenschaft geweckt werden soll. Organisator Robin Biebl, sagt: „Die Kinderuni ist ein beliebtes Angebot für die Familien der Region. Das wollen wir ausbauen. Wegen der hohen Nachfrage konzipieren wir aktuell ein weiteres interaktives Format für ältere Kinder: Gemeinsam mit den regionalen Oberschulen möchten wir im September mit dem zweitägigen „SpeedBachelor“ Schülerinnen und Schülern Lust auf Wissenschaft an der HSMW machen.“
Im Mai geht’s magisch weiter…
Die nächste Gelegenheit zum Staunen, Fragenstellen und Mitmachen gibt es am Samstag, dem 9. Mai – dann mit dem Thema „Stadtmagie – Wer oder was belebt unsere Stadt?“. Alle neugierigen Kinder können sich über die Kinderuni-Website anmelden und wieder live erleben, wie aus Alltagserfahrungen und Mitmach-Experimenten echte Wissenschaft wird. Alle Infos und den Kinderuni-Spicker finden interessierte Familien auf der Kinderuni-Website. Dort gibt es auch die Möglichkeit, den Newsletter zu abonnieren, damit kein Aha-Moment verpasst wird.
Text: Robin Biebl, Helmut Hammer
Fotos: Helmut Hammer













