Campus meets Classroom

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Die Fakultät Ingenieurwissenschaften der Hochschule Mittweida setzt ihr Unterrichts-Engagement am Städtischen Gymnasium fort. Kultusminister Clemens ist begeistert und prüft Erleichterungen.

Schulbesuch aus dem Kultusministerium und der Hochschule. Im Fokus stehen aber die Schüler:innen.

„Ein toller Geist – sehr inspirierend“, freute sich Sachsens Kultusminister Conrad Clemens beim Treffen mit Vertreter:innen von Hochschule, Gymnasium und Stadt Mittweida am 15. Januar. Er war ans Städtische Gymnasium gekommen, um sich über eine besondere Kooperation von Hochschule und Gymnasium zu informieren, die in Mittweida im wahrsten Sinn des Wortes Schule gemacht hat.

Die örtliche Nähe der beiden Bildungseinrichtungen und die Kontakte von Eltern aus der Hochschule und deren Kindern zum Gymnasium hatten schon füher das ein oder andere gemeinsame Projekt hervorgebracht – zum Beispiel eine Technikspende des Laserinstitut Mittelsachsen e.V. für das Physik-Kabinett, Ganztagsangebote für Schüler:innen und die Betreuung von „Komplexen Lernleistungen“ der Zehntklässer:innen durch Professor:innen.

Gegen Unterrichtsausfall

Im Jahr 2023 war es aber ein Hilferuf aus der Schule und dem Elternbeirat, der die Professor:innen und Mitarbeiter:innen der Fakultät Ingenieurwissenschaften auf den Plan rief: viele ausfallende Stunden im naturwissenschaftlichen Profilunterricht für die Klassenstufen 8 bis 10. Mit der Schulleitung stimmten sie ein inhaltliches Konzept für ein „unterrichtsergänzendes Angebot“ im zweiten Schulhalbjahr 2023/2024 ab. „Unterricht“ durfte es nicht heißen, weil Hochschullehrer:innen keine Pädagog:innen sind. Das war nicht die einzige Hürde. Erweiterte Führungszeugnisse mussten vorgelegt werden, zwei unterschiedliche Systeme in den jeweiligen Stundenplänen von Schule und Hochschule mussten beachtet werden, Anwesenheitskontrolle und Notenvergabe mussten geklärt werden. Schließlich mussten die Inhalte mit den Fachlehrer:nnen im Blick auf den Lehrplan abgestimmt werden.

Am 13. März 2024 ging es schließlich los für über siebzig Schüler:innen der 8., 9. und 10. Klassenstufen, zum Teil als Block an der Hochschule gestaltet, zum Teil mit den Professoren und Mitarbeitern auf „Schulbesuch“ im Klassenzimmer.

Der damalige Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften der Hochschule Mittweida, Professor Jörg Matthes, begründete das Engagement: „Dieses aktuelle Projekt mit dem Gymnasium hilft den Schüler:innen und ist eine von mehreren Möglichkeiten, einen aus Hochschulsicht wichtigen Auftrag zu erfüllen, nämlich Wissen und Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik in die Gesellschaft zu transferieren.“

Für Begeisterung an MINT

Mario Esche, Schulleiter am Städtischen Gymnasium, bestätigte: „Das Angebot der Hochschule gleicht die aktuelle Reduktion im naturwissenschaftlichen Profilunterricht in der achten, neunten und zehnten Klasse in gewissem Umfang aus. Das ist ein Gewinn für unsere Schüler:innen – auch mit Blick auf ihre weitere Schullaufbahn. Denn wir rechnen damit, dass sie sich mit mehr Vorwissen und Interesse an Naturwissenschaften öfter für ein entsprechendes Angebot in der Oberstufe entscheiden.“

Schule und Hochschule Mittweida konnten Kultusminister Conrad Clemens am 15. Januar 2026 den Rückblick auf den inzwischen zweiten Durchgang des Projekts vorstellen. Kolleg:innen der Fakultät Ingenieurwissenschaften stellten im zweiten Schulhalbjahr 2024/25 217 ausgefallenen Unterrichtsstunden in den naturwissenschaftlichen Profilen am Gymnasium 144 Stunden entgegen, in denen sie die Schüler:innen zumeist an die Hochschule holten – allein schon eine willkommene Abwechslung im Schulalltag.

Andreas Petzold, Laboringenieur in der Fachgruppe Konstruktion der Fakultät, ist einer von insgesamt 24 Hochschulmitgliedern, die sich im Projekt engagieren. Er betont: „Wir machen das ehrenamtlich, zusätzlich zur Arbeit an der Hochschule. Mich motiviert, wie auch die meisten Kolleg:innen, dass wir schulpflichtige Kinder haben und uns um deren Zukunft sorgen. Die Begeisterung für unser Fach wollen wir natürlich auch an die jungen Leute weitergeben.“

Für die Zukunft

Der auch über die reine Unterrichtszeit hinaus gehende Aufwand war einer mit dem Minister offen angesprochenen (Knack-)Punkte, die eine Verstetigung des Angebots gefährden. Wie die Wünsche nach Mitteln für Material und die Beseitigung der ein oder anderen bürokratischen Hürde versprachen Clemens und Dr. Jörg Oettler, Leiter des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub), Standort Chemnitz, unkompliziert zu prüfen. Eine Vergütung der Lehrkräfte aus der Hochschule sei über das Programm „Unterrichtsversorgung“ möglich, über das auch pensionierte Lehrkräfte oder Lehramtsstudierende finanziert werden, die in den Schulen eingesetzt sind.

Das sind gute Aussichten für die im Frühjahr beginnende dritte Auflage des „Ersatz-Profilunterrichts“. Die Themen reichen von zum Beispiel Wasser und seiner Qualität im Fach Chemie für die 8. Klasse über Bionik, Fertigungstechnik und digitale Produktentwicklung in der 9. bis zu Programmierung und Autonomes Fahren in der 10. Klasse.

Katrin Knoth, Fachleiterin Naturwissenschaften am Städtischen Gymnasium Mittweida und Mitglied der erweiterten Schulleitung, freut sich für ihre Schüler:innen, dass die Lehrenden aus der Hochschule das Projekt fortsetzen: „Die Schülerinnen und Schüler lernen die Labore der Hochschule kennen und erleben, wie der Alltag der Studierenden aussieht. Sie dürfen dort selbst zu spannenden Themen experimentieren. Auch die Exkursionen zum Klärwerk an der Zschopau und zum Wasserturm vermitteln Inhalte des Physik- und Chemieunterrichts praxisnah und anschaulich.“

Wiedersehen an der Hochschule

Neu im Themenspektrum für den Profilunterricht ist in diesem Jahr Künstliche Intelligenz. Bei einer weiteren Zusammenarbeit von Hochschule und Schule ist sie das schon länger: Aus dem „Juniorstudium“ für Schüler:innen der 10. Klasse unter anderem mit Kursen zu LaTeX und der Programmiersprache Phyton sowie der Arbeitsmöglichkeit in Hochschullaboren entstehen Themenideen für die sog. „Komplexen Leistungen“, die die Schüler:innen erarbeiten müssen. Von Professor Alexander Lampe im Jahr 2021 ins Leben gerufen, überschreitet die Themenvielfalt längst die Grenzen der Ingenieurwissenschaften. In diesem Jahr betreuen Lampe und seine Kolleg:innen aus anderen Fakultäten zwölf Schüler:innen, die sich unter anderem mit KI-Anwendungen in der Musik, in der Medizin und der Geschichtswissenschaft befassen. Andere untersuchen den Strömungswiderstand von Schwimmflossen oder beschäftigen sich mit der forensischen Untersuchung von Entfernungen in Fotos. Ihre Arbeiten stellen die Schüler:innen im Mai im Hörsaal vor Publikum vor.

Professor Michael Kuhl, Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften, freut sich über das Engagement seiner Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen – und hofft auf einen Nebeneffekt, der sich aber erst in einigen Jahren einstellt: „Ich wünsche mir, unser Profilunterricht und das Juniorstudium wecken und erhalten das Interesse für Technik und Naturwissenschaften bei den Schüler:innen langfristig. Und natürlich würde ich gerne den einen oder die andere im Studium an der Hochschule Mittweida wiedersehen.“