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UPDATE: Der Pandemie zum Trotz: „Geschafft!“ - Feierliche Exmatrikulation der Hochschule Mittweida

UPDATE: Der Pandemie zum Trotz: „Geschafft!“ - Feierliche Exmatrikulation der Hochschule Mittweida

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Vier Feiern am Donnerstag und Freitag. Prominente Festredner und Festrednerinnen. Viele Hüte und zahlreiche Auszeichnungen. Nachzuschauen auf dem Youtube-Kanal der Hochschule.

Behüteter Blick der Absolvent:innen ins Kirchenschiff auf Professor:innen und Angehörige, die durch das Studium begleitet haben.

Aus welcher Perspektive man es auch betrachtet: Ungewöhnlich war der Blick in die Mittweidaer Stadtkirche „Unser lieben Frauen“: Im Altarraum saßen mit Abstand rund 80 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Mittweida. Ihnen zugewandt großzügig verteilt in den ersten Bankreihen des Kirchenschiffs ihre ehemaligen Professorinnen und Professoren, dahinter Eltern und Freunde. Zwei Angehörige durfte jeder mitbringen. Alle geimpft, genesen oder negativ getestet. Voll war die Kirche also nicht wie sonst bei der Feierlichen Exmatrikulation, doch das bedauert in diesen Tagen niemand. Im Gegenteil: Eine Veranstaltung mit immerhin so vielen Menschen ist eine Seltenheit geworden – so ist die richtige Perspektive: Freude, dass diese Feier überhaupt stattfinden kann. Und deshalb geschah das gleich viermal an zwei Tagen für den Abschlussjahrgang 2020/21.

Für 2.223 Student:innen der Hochschule Mittweida hieß es im vergangenen Studienjahr „geschafft“. Etwa 300 sind der Einladung in die Stadtkirche gefolgt, um an einer der vier Feiern teilzunehmen: zwei am Donnerstag und zwei am Freitag vergangener Woche – mit begrenzter Kapazität, aber ohne Gefährdung der eigenen Gesundheit oder der anderer.

Die Hausherrin und evangelische Studierendenpfarrerin Nina-Maria Mixtacki begrüßte die Festgäste in ihrer Kirche. Der Studienabschluss sei eine Schwellensituation, in der man sich fragen lassen könne, was einem wichtig geworden ist und was man sich denn wünscht. Mixtacki stellte als Starhilfe in den neuen Lebensabschnitt den biblischen König Salomo als Vorbild hin, der, als junger Mann von Gott gefragt, sich nicht Reichtum, sondern ein hörendes Herz wünschte, ein Herz, das auch auf die leisen Töne achtet und nicht zuerst an sich denkt, sondern an die Menschen, für die er als König verantwortlich ist.

Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne

Festrednerin Prof. Marlies Mosiek-Müller spielte am Donnerstagvormittag auf ihr eigenes abwechslungsreiches Berufsleben an und ermutigte die Absolvent:innen, offen zu bleiben für Neues. Die frühere Richterin am Bundessozialgericht und ehemalige hessische Sozialministerin sagte: „Sicher haben Sie durch das Studium herausgefunden, über welche Talente und Fähigkeiten Sie verfügen, was in Ihnen steckt und wie Sie Ihr Potential zukünftig in den Berufsalltag einbringen können. Seien Sie aber sicher: Überraschungen, plötzliche Wendungen und auch Zufälligkeiten sind nie auszuschließen! Sie können lebensbestimmend sein!“ Bei dem allen warb sie darum, auf die persönlichen Wegweiser zu achten und im beruflichen Leben neben dem „ich" auch das „wir" mitzudenken und auch zu praktizieren: „Zuviel ‚ich‘ bedeutet zu wenig ‚wir‘!“

Am Donnerstagnachmittag sprach Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbunds Hessen. Auch ihm war es wichtig zu erinnern, dass wir mit verdientem Stolz und berechtigter Freude über den eigenen Erfolg doch auch immer „als Zwerge auf den Schultern von Riesen“ sitzen (Bernhard von Chartres) und auf Wissen und Leistungen früherer Generationen aufbauen. „Wahr ist aber auch, dass gerade in den gegenwärtigen Veränderungsprozessen Hochschulabsolventen eine besondere Verantwortung zukommt“, sagte Müller und verwies unter anderem eine politische Polarisierung, „die das Zeug hat, unsere Gesellschaft zu zerreißen“. Die Absolvent:innen dieser „besonders tollen, erfolgreichen Hochschule“ sieht er gut vorbereitet und mahnt sie zum Miteinander in einer sozialen Gesellschaft.

Für die Festrede am Freitagvormittag konnte die Hochschule die sächsische Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Hochschulrats Iris Firmenich gewinnen. In ihrer sehr persönlichen Rede zeichnete sie ihren Weg von Berufsausbildung berufsbegleitendem Studium und Berufstätigkeit in der Landwirtschaft bis zur Politikerin nach. Firmenich ist seit 1999 im Sächsischen Landtag – 22 Jahre mit Erfahrungen, von den sie einige den Absolvent:innen mit auf den Weg gab: „Eine davon ist, dass man viele gute Ideen haben kann, die sich aber nur dann umsetzen lassen, wenn es gelingt, genügend andere dazu zu bringen, diese Idee ebenfalls gut zu finden. Meistens kommt am Ende dabei etwas anderes heraus, als man sich ursprünglich vorgestellt hat. Das Ergebnis nennt sich Kompromiss und es umfasst das Verbindende zwischen den unterschiedlichen Akteuren. Ohne die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, zuzuhören, sich dabei selbst ein Stück zurückzunehmen und Brücken zu bauen, kann Politik nicht gelingen. Und ich glaube, wir wären gut beraten, diesen Grundsatz auch im gesellschaftlichen Miteinander zur Tugend werden zu lassen.“

Festredner am Freitagnachmittag war Prof. Hans-Peter Niedermeier, Professor an der Hochschule Mittweida und ehemaliger Leiter des Instituts für Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung. Diese beiden Aufgaben und die Förderung junger Liedermacher:innen „haben mich alle total begeistert und glücklich gemacht. In allen drei Bereichen durfte ich jungen Menschen helfen, ihre Wurzeln zu stärken, und durfte dazu beitragen, ihnen Flügel zu verleihen“. Das sei auch die wunderbare Aufgabe der Hochschule Mittweida, „einem großartigen Bildungspartner“ der Absolventi:nnen. Diese erinnerte Niedermeier wiederum an ihre Aufgabe, sich aktiv für die politische Freiheit und deren staatlichen Ausdruck, die Demokratie, zu engagieren: „Es gibt Freiheit nur so lange, wie es dynamische, leidenschaftliche, wertorientierte und kompetente Demokraten gibt. Insbesondere werden viele junge Menschen benötigt, die sich mit Zivilcourage und Mut für Frieden, Freiheit und für unsere Demokratie einsetzen. Deshalb setze ich auf Sie, auf die junge Generation, die unsere Republik, aber auch die Zukunft dieses Planeten wesentlich mitprägen wird!“

Höhepunkt mit Hut

Nach Festrede, Preisübergaben und einem kurzen symbolischen akademischen Rausschmiss „Sie sind entlassen!“ durch Professor Michael Hösel und Prorektor Uwe Mahn am Donnerstag sowie am Freitag Prorektor Volker Tolkmitt und Rektor Ludwig Hilmer wurden alle Absolvent:innen einzeln aufgerufen. Sie erhielten von den Professor:innen ihrer Fakultäten die Abschlussurkunden überreicht und den Bachelorhut aufgesetzt. Teil dieser Tradition ist der anschließende Spaziergang durch die Hochschulstadt von der Kirche zum Technikumplatz und dort das Hochwerfen der gerade verliehenen Hüte vor der Kulisse des Hauptgebäudes der Hochschule. Nicht Teil der Tradition ist, dass es regnet. Aber deshalb fiel das Hütewerfen am Donnerstag nicht ins Wasser.

Ausgezeichnet gute Ideen

Am Donnerstagvormittag verlieh Professor Heinrich Wiedemann den Herbert-E.-Graus-Preis für innovative Geschäftsideen der Studierenden. Den 1. Preis überreichte er an Jan Giggenbach, den Vertreter von „Navigamo“ für deren Konzept, den LKW-Verkehr durch die Verbindung von Navigation, bargeldloser Mautabwicklung, digitalem Lieferschein und intelligentem Parkplatzmanagement effizienter machen. Den 2. Preis nahmen Eileen Eisele und Dominik Bauer für ihr Team "Care Dogs“ entgegen. Dahinter steckt die Idee eines Zentrums für Hunde (und deren Besitzer:innen), das alles an einem Ort bietet: vom Hundesalon über den Trainer und Tierarzt bis zur Hundepension. Die Preisträger des 3. Preises von "80 Days Restaurant“ wurden in Abwesenheit ausgezeichnet für ihre Geschäftsidee. Sie soll mehr Erlebnis und Abwechslung in die Systemgastronomie bringen über ein alle 80 Tage wechselndes Streetfood aus aller Welt und eine an das jeweilige Herkunftsland angepasste Atmosphäre.

Ausgezeichnet gute wissenschaftliche Arbeiten

Am Donnerstagnachmittag verlieh der Förderkreis Hochschule Mittweida e.V. den Carl-Georg-Weitzel-Preis 2021, benannt nach dem Gründer des „Technicum Mittweida“ (1843–1927). Er geht an zwei Preisträger aus der Fakultät Medien für deren herausragende Doktor- bzw. Master-Arbeiten.
Für seine Dissertation mit dem Titel „Crossmediales Wissensmanagement auf kommunaler Ebene. Bürgerbeteiligung, Netzwerke, Kommunikation“ wurde Dr. Christopher Brinkmann ausgezeichnet. In seiner Arbeit entwickelte er das Konzept einer dialogorientierten wissensorientierten Bürgerkommunikation. Sowohl für den wissenschaftlichen Diskurs um die Förderung von Bürgerbeteiligung als auch für Praktiker der Zivilgesellschaft und der politisch-administrativen Ebene in Kommunen sei die Arbeit relevant, so die Gutachter:innen.
Wie eine Organisation ohne „Massenbasis“ und ohne nennenswerte eigene Ressourcen dermaßen wirkungsmächtig operieren kann, untersuchte Marcel Proff am Beispiel der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in seiner Masterarbeit „Der Abgasskandal im öffentlichen Diskurs. Eine Frame-Analyse der ARD-Tagesschau Berichterstattung über die Dieseltechnologie“. Der Absolvent des Mittweidaer Studiengangs „Media and Communication Studies“ wies nach, wie die DUH durch ihre Aktionen Agenda Setting betrieben und somit beeinflusst habe, über was berichtet wurde.

Ausgezeichnet gutes gesellschaftliches Engagement

Aus dem Vorjahr „nachgeholt“ wurde am Freitagnachmittag die Verleihung des Carl-Georg-Weitzel-Preises 2020. Er geht an eine Persönlichkeit der Hochschule ausnahmsweise nicht für eine wissenschaftliche Leistung sondern für ein herausragendes gesellschaftliches Engagement zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in der Hochschulstadt Mittweida: Gordon Guido Oswald, den Geschäftsführer des Studentenrats der Hochschule. Die Jury lobt sein persönliches Engagement im Krisensinterventions-Team der Hochschule für die Rückkehr der Studierenden auf den Campus und seine maßgebliche Verantwortung für den Aufbau und Betrieb des Test- und Impfzentrums auf dem Campus. Mehr als 40 Beschäftigte haben dort inzwischen über 40.000 Corona-Testungen für Hochschulangehörige und Bürger:innen durchgeführt. Der Preis sei, so Laudator Professor Michael Hösel, Würdigung und Motivation in einem: „als Würdigung der Leistung aber auch als Zeichen, dass es noch nicht ausgestanden ist und wir weiter hart daran arbeiten müssen, in Pandemie-Zeiten einen Campus voller Studierenden zu haben“.

Der Absolvent:innen-Jahrgang 2019/2020

Unter den 2.223 Absolvent:innen sind 41 Prozent Frauen. 24 Prozent sind internationale Studierende aus 40 Ländern. Die älteste Absolventin ist 58 Jahre alt. Sie hat berufsbegleitend den Bachelorstudiengang Soziale Arbeit studiert. Mit 20 Jahren die jüngste Absolventin hat Business Management studiert. Die Abschlussnote 1,0 wurde zweimal erreicht. Der Gesamtdurchschnitt beträgt 2,1. Nach aktuellem Stand und mit Blick auf den Vergleichszeitraum „vor Corona“ (Studienjahr 2018/19) hat die Corona-Pandemie an der Hochschule Mittweida keine Auswirkungen auf die Zahl der Abschlüsse gehabt.
Mit Stand 14.10. sind genau 6.749 Studierende an der Hochschule Mittweida eingeschrieben. Mit 2.033 „Erstis“ und damit – anders als bei viele andere Hochschulen – auf Vorjahresniveau ist die Hochschule Mittweida in das neue Studienjahr gestartet. 70 Prozent der Lehrveranstaltungen finden in Präsenz statt.

Die Feiern wurden live auf dem Youtube-Kanal der Hochschule Mittweida übertragen und können dort auch nachgesehen werden.

Die Fotos von den Feierlichen Exmatrikulationen stehen in einigen Tagen zum Anschauen und Download hier zur Verfügung.