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Ein Jahr im Land der Ingenieure

Ein Jahr im Land der Ingenieure

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Nach zwei Semestern im Doppelabschlussprogramm mit der Universität des Baskenlandes verlässt die erste Absolventin Ane Zuniga mit dem Bachelor of Engineering die Hochschule Mittweida.

Das Fotos zeigt eine lächelnde junge Frau, die Studentin Ane Zuniga Gurruchaga, auf einem großen Tisch aus Beton sitzen. Im Hintergrund ist ein Gebäude zu erkennen mit dem Schriftzug "Bibliothek + Mensa".
Abschied aus Mittweida: Ane Zuniga Gurruchaga verlässt die Hochschule nach zwei Semestern im Doppelabschlussprogramm mit neuen Lehrinhalten, viel Praxiserfahrung, dem Bachelorabschluss und neuen Freunden.

“I study engineering – i go to Germany”, so kurz und knapp formulierte Ane Zuniga Gurruchaga ihre Entscheidung für das Ingenieurstudium an der Hochschule Mittweida. Vor wenigen Wochen verließ die 22-jährige Studentin aus dem Baskenland die sächsische Hochschulstadt mit dem frisch erworbenen deutschen Bachelor of Engineering. Davor lagen zwei Semester Studium im Fach Mechatronik an der deutschen Hochschule. Ein besonderes Doppelabschlussprogramm machte es möglich. Vor einem Jahr kam Ane aus San Sebastián mit dem „Grado en Ingeniería“, dem Ingenieur-Abschluss der dortigen Universität des Baskenlandes, nach Mittweida. Acht Semester Elektrotechnik hatte sie dort studiert.

Doppelabschluss: Zwei Abschlüsse, aber nicht die doppelte Zeit

Doppelabschluss bedeutet: Zwei Studienabschlüsse an verschiedenen Hochschulen unter Anerkennung dort jeweils erbrachter Studienleistungen, also ohne dass dafür die zweifache Studiendauer aufzuwenden ist. Solche Doppelabschluss-Angebote mit internationalen Partnerhochschulen gibt es einige an der Hochschule Mittweida – sie gelten für Studierende aus Mittweida ebenso wie für die Studierenden der Partnerhochschule. Das Besondere am Doppelabschlussprogramm mit der Universität des Baskenlandes ist jedoch, dass verschiedene Studiengänge miteinander kombiniert werden können, die sich ergänzen, um damit einen zweiten, fachlich verschiedenen Studienabschluss zu erhalten. Für Ane bedeutete das zwei zusätzliche Semester in Mittweida, in denen sie aber Fächer hatte, die sie in San Sebastián nicht studieren konnte, wie zum Beispiel Mikroprozessortechnik, Signale und Systeme, Konstruktionslehre und Elektrische Antriebssysteme.

Auch ein Unternehmenspraktikum und die Bearbeitung der Bachelorthesis inhaltlich und zeitlich miteinander zu verbinden, sieht Ane als wichtigen Vorzug ihres Studiums an der Hochschule Mittweida. Für ihre mit der Bestnote 1,0 bewertete Abschlussarbeit mit dem Titel „Design and Optimization of a Soil Nutrient Sensing Platform for Precision Agriculture” (Entwicklung, Implementierung und Optimierung einer Bodennährstoff-Erfassungsplattform für die Präzisionslandwirtschaft) arbeitete sie im Praktikum bei der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V., einem Forschungs- und Entwicklungsdienstleister in Villingen-Schwenningen.

„I focus on sustainability. When you study engineering, you have al lot of opportunities to make an impact”, erklärt Ane ihre Motivation für das Studium und ihren weiteren Weg, der sie nun zum Masterstudium in die USA führt.

Ankommen in Mittweida: Buddys helfen

Die Coronapandemie hat zwar einige Pläne verhindert, Land und Leute in Deutschland und Nordeuropa noch besser kennen zu lernen, aber der Mittweidaer Cosmopolitan Club und auch das Engagement bei TMM, dem studentischen Motorsport-Rennteam, boten Gelegenheit, deutsche und internationale Studierende zu treffen.

Vor allem – aber nicht nur – am Anfang war die deutsche Studentin Jule eine große Hilfe für Anne, im noch fremden Land anzukommen und auf dem Campus Fuß zu fassen. Die 22-jährige Jule studiert Global Communication in Business and Culture. Sie war Anes „Buddy“. Das Mittweidaer Buddy-Programm (deutsch „Kumpel“) wird vom International Office der Hochschule organisiert. Dabei geht es nicht nur um die Unterstützung von internationalen Studierenden bei organisatorischen Dingen wie Wohnen und Behördengängen. Es geht auch um das länder- und kulturübergreifende Kennenlernen und die Ermutigung der Buddys, selbst ins Ausland zu gehen. Jule bestätigt: „Als Buddy zeigt man einem zuvor völlig fremden Menschen die eigene Heimat. Man zeigt ihnen nicht nur die Hochschule, sondern im besten Fall auch die eigenen Lieblingsspots in der Gegend. Und ehe man sich versieht, hat man eine neue Freundin oder einen neuen Freund aus einem anderen Land! Und dabei bleibt es nicht. Durch die verschiedenen Aktivitäten, die das International Office organisierte, konnte nicht nur Ane viele internationale Kontakte knüpfen, sondern auch ich als ihr Buddy.“

Auch mit den Lehrveranstaltungen auf Deutsch kam Ane gut klar. Sie hatte in der Schule Deutsch als Fremdsprache und, wenn sie in den Vorlesungen etwas nicht verstand und nachfragte, bekam sie die Antwort von den Lehrenden auf Englisch.

Auslandsstudium: keine Einbahnstraße

Anes Dozent und Erstgutachter ihrer Bachelorarbeit Professor Alexander Lampe, blickt sehr zufrieden auf den Studienerfolg von Ane zurück. Sie ist die erste, die am Doppelabschlussprogramm teilgenommen hat: „Ich freue mich, dass im Ausland Deutschland als Innovationsführer und Land der Ingenieure einen guten Ruf bei jungen Menschen genießt – und dass dies auch zu Recht für das Ingenieurstudium in Deutschland gilt. Ich wünsche mir sehr, dass wir noch mehr Studierende aus Spanien über das Programm zum Studium nach Mittweida holen können.“ Die Coronapandemie spiele bei der Zurückhaltung sicher auch eine Rolle, so Lampe.

Dessen Kollege Professor Michael Kuhl möchte vor allem auch mehr deutsche Studierende motivieren, ins Ausland zu gehen. „Das Doppelabschlussprogramm ist ja keine Einbahnstraße, auch wenn die zeitlichen und sprachlichen Hürden für deutsche Studierende etwas höher sind. Neben den internationalen Erfahrungen bieten Studienaufenthalte an Hochschulen im Ausland viele Freiheiten, sich sein Studienprogramm selbst zusammenzustellen. Vor allem aber sind die Studierenden, die ich kenne und die Auslandssemester genutzt haben, unglaublich in ihrer Persönlichkeit gewachsen – ein Ad-on, was sich quasi von alleine ergibt.“ Und Kuhl ergänzt: "Der Weg ins Ausland ist leichter als befürchtet. Neben der umfangreichen Beratung durch unser International Office gibt es umfangreiche finanzielle Förderung." Im Doppelabschlussprogramm mit San Sebastián stehen für die Teilnehmenden ein ERASMUS+-Stipendium von zurzeit monatlich 390 Euro zur Verfügung. Interessierte können sich unverbindlich an das International Office der Hochschule Mittweida wenden.

EUSKAL HERRIKO UNIBERTSITATEA – Universität des Baskenlandes

Die Universität des Baskenlandes erstreckt sich über die drei Hauptstandorte Bilbao, Vitoria-Gasteiz, Donostia - San Sebastián und noch einige weitere kleinere Standorte, wie Eibar, wo man sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat. Etwa 45.000 Studierende sind insgesamt an der Universität des Baskenlandes eingeschrieben. Am Standort in San Sebastián sind es circa 7.000, 1.800 davon an der Fakultät Ingenieurwissenschaften (Escuela de Ingeniería de Gipuzkoa), mit der das Doppelabschlussprogramm ausgearbeitet wurde. Dieser Standort hat eine vergleichbare Größe wie die Hochschule Mittweida mit ihren aktuell 6800 Studierenden.

Informationen zu Doppelabschlussprogrammen der Hochschule Mittweida

Informationen zum Buddy-Programm der Hochschule Mittweida