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Seit sechs Generationen Mittweida verbunden

Seit sechs Generationen Mittweida verbunden

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Familientreffen: Nachfahren des Technikum-Direktors Alfred Udo Holzt besuchen die Hochschule.

Das Foto zeigt 15 Personen unterschiedlichen Alters auf der Außentreppe der Direktorenvilla der Hochschule Mittweida. Neben den beiden Mitarbeiterinnen des Hochschularchivs Carolin Zeller und Dr. Marion Stascheit handelt es sich um Mitglieder der Familie Knieper, Nachkommen des zweiten Direktors des Technikum Mittweida Alfred Udo Holzt (1859–1945)
Familienbesuch mit drei Generationen: Carolin Zeller und Dr. Marion Stascheit (unten links) vom Hochschularchiv Mittweida begrüßen Nachkommen von Alfred Udo Holzt, dem Direktor des Technikum Mittweida von 1892 bis 1936. Axel Knieper (oben rechts) ist Holzts Urenkel.

Für Axel Knieper ist es eine Zeitreise in die Vergangenheit – über 70 Jahre in die 1940er Jahre zurück, als er als kleiner Junge Großvater und Urgroßvater in Mittweida in deren Villa an der Leisniger Straße besuchte. Jetzt steht der 81-Jährige in den holzgetäfelten Fluren und erinnert sich gut. Der Urgroßvater ist Alfred Udo Holzt (1859–1945). Die Villa war von 1894 bis 1947 das private Wohnhaus von Holzt, dem ab 1891 zweiten Direktor des Technikums Mittweida. Die heutige Direktorenvilla der Hochschule Mittweida beherbergt das Hochschularchiv sowie das Rektorat und die Prorektorate.

Holzt lebte dort auch über sein Ausscheiden aus dem Technikum 1936 hinaus bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Tochter Helene, dem Schwiegersohn und Technikum-Verwaltungsdirektor Moritz Oster und deren fünf Kindern. Christa Oster (geb. 1912), die älteste der Holzt-Enkelinnen, ist die Mutter von Axel Knieper. So ist der Bogen geschlagen über rund 130 Jahre Hochschulgeschichte und Familiengeschichte Holzt-Oster.

Dass dieser Bogen ganz lebendig auch in die Zukunft gespannt wird, zeigte sich eindrucksvoll, als am 17. Juli fünfzehn Nachkommen aus drei Generationen nach Mittweida in die Villa kamen. Während die direkten Nachkommen von Alfred Udo Holzt noch in Mittweida lebten, zog es die Enkel-Generation weg, sodass die Nachkommen heute nicht nur verstreut in Deutschland, sondern weltweit leben. Das Familientreffen brachte sie zusammen. Für die meisten war es der erste Besuch in Mittweida.

Dr. Marion Stascheit und Carolin Zeller vom Hochschularchiv nahmen die Gäste mit auf einen spannenden Rundgang durch die Geschichte. Vor allem der Wandel der Direktorenvilla vom Wohnhaus zum Archiv- und Bürogebäude beeindruckte – nicht zuletzt dank der Restaurierungsprojekte, die u.a. den historischen Stuck und Wandgemälde wieder erstrahlen lassen. In den Jahren 1998/99 wurde die von Carl Georg Weitzel im Jahr 1893 erbaute und von Holzt mehrfach erweiterte Villa umfangreich denkmalpflegerisch saniert, zuletzt gab es im Jahr 2019 kleine Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen.

Ausgiebig konnten die Gäste in den sorgsam aufbereiteten und geführten Unterlagen des Hochschularchivs stöbern und den Campus mit seinen alten und neuen Gebäuden erkunden. Es zeigt sich, dass die Hochschule Mittweida, wie sie sich heute auch mit ihrer Anwendungsnähe in Lehre und Forschung präsentiert, immer noch die Handschrift von Alfred Udo Holzt trägt.

Weitere Eindrücke und Informationen zur Geschichte gab es beim Spaziergang zum Mittweidaer Markt mit der dort installierten Kunst „Mittweidas Ingenieure“ mit den Porträts vieler berühmter Mittweidaer Absolventen sowie im alten Amtsgerichtgefängnis, das heute Ausstellungsstücke aus dem Hochschul- und dem Stadtarchiv Mittweida beheimatet.

„Genauso wichtig wie die gegenständlichen Archivstücke sind die lebendigen Erinnerungen und Beziehungen der Menschen zur Geschichte der Hochschule“, sagt Carolin Zeller vom Hochschularchiv. „Wir haben uns sehr über das Interesse der Familie Knieper, den Nachkommen von Alfred Udo Holzt und dessen Tochter Helene Oster, gefreut und hoffen, dass die Verbindung der Familie zu Mittweida weiterhin lebendig gehalten wird.“

In Mittweida und „in aller Welt“: Holzt und die Familie Oster

Alfred Udo Holzt, geboren am 11. Dezember 1859 in Bromberg als Sohn eines Lokomotivführers und Maschinenmeisters, studierte von 1881 bis 1885 an der Technischen Hochschule Berlin. Er tritt am 1. April 1888 als Lehrer für Maschinenbau und Elektrotechnik in das Technikum Mittweida ein. Im Jahr 1891 erwirbt Holzt das Technikum und übernimmt 1892 die Direktion. In seiner Amtszeit werden 1894 das „Electrotechnische Institut" eröffnet, der heutige Alfred-Udo-Holzt-Bau (Haus 2) der Hochschule Mittweida, sowie die Laboratorien und Sammlungen erweitert und 1901 die Inbetriebnahme der Lehr-Fabrikwerkstätten vollzogen.

Holzt befördert die mittlere technische Bildung und wirbt mit Erfolg um die Anerkennung dieser Form der Ingenieurausbildung auf politischer Ebene. Außerdem engagiert er sich als Mittweidaer Stadtrat für die gedeihliche Zusammenarbeit von Technikum und Bürgerschaft. Seine Verdienste werden 1902 mit der Verleihung des Professorentitels und der Ernennung zum "Königlich-sächsischen Hofrat" im Jahre 1917 gewürdigt.

Alfred Udo Holzt stirbt am 5. September 1945 in Mittweida. Er ist auf dem Neuen Friedhof in Mittweida beigesetzt.

Holzt‘ älteste Tochter Helene (1888–1948) heiratet im Jahr 1911 Moritz Viktor Oster (1881–1966). Die beiden haben fünf Kinder, die in Mittweida aufwachsen.

Moritz Oster war der ältere Bruder von Hans Oster, dem am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordeten Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Die Besuchergruppe vom 17. Juli 2021 sind Nachkommen der ältesten Tochter von Helene und Moritz, Christa Oster, verh. Knieper (geb. 1912). Sohn Axel Knieper (geb. 1940) kannte Urgroßvater Holzt noch.

Auch der heutige Rektor der Hochschule Mittweida, Professor Ludwig Hilmer, freute sich sehr über den Besuch und betont die Bedeutung der Familie Oster. „Der historisch-politische Beitrag der erweiterten Familie Oster geht über unsere Hochschule und die Hochschulstadt hinaus. Das hat bisher noch etwas zu wenig Beachtung in der Publizistik gefunden. In Mittweida bestimmte Moritz Viktor Oster offensichtlich tatkräftig die Geschicke des Technikums an der Seite seines betagten Schwiegervaters Holzt. Moritz und Helene Oster waren Kosmopoliten. Sie reisten und ‚netzwerkten‘ mehrsprachig in die Metropolen und schönen Gegenden Europas und der Welt. Der 1938 in Kopenhagen gegründete und überaus aktive ‚Internationale Mittweida-Ingenieurverein‘ entstand vor diesem Hintergrund. Die Institution konnte die sozialistische Isolation bis zum Neustart 1992 nicht überbrücken. Geblieben sind jedoch das Motto ‚Mittweidas Ingenieure in aller Welt‘ sowie eine weltoffene Hochschule mit vielen internationalen Kooperationen und Studierenden aus über 50 Ländern.“