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Afrika: Kontinent der Zukunft. Zukunft des Kontinents.

Afrika: Kontinent der Zukunft. Zukunft des Kontinents.

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Im Mittelpunkt der International Week an der Hochschule Mittweida standen in diesem Jahr Afrika und die Zusammenarbeit mit dem Nachbarkontinent Europas.

Das Foto schaut einem jungem Mann mit dunkler Hautfarbe beim Dialog Kontrovers Extra über die Schulter. Er filmt von der Zuschauertribüne mit seinem Smartphone in das TV-Studio, wo vier Personen auf dem Podium und eine zugeschaltete Person auf einem Bildschirm im Hintergrund zu sehen sind. Die Bildschärfe liegt auf dem Telefon.
Die Zukunft Afrikas im Blick der International Week an der Hochschule. Drei Tage Vorträge, Workshops, Dikussionen und Begegnung.

Afrika ist nach China die sich am zweitschnellsten entwickelnde Region der Welt. Aber diese Durchschnittsbetrachtung im Blick auf Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum des Kontinents ist nur die eine Seite der Medaille, deren Rückseite mit der Fragilität vieler afrikanischer Länder geprägt ist. Sie sind geschwächt durch politische Instabilität, Armut, Kinderarbeit, mangelnde Bildung und Analphabetismus, Ernährungsunsicherheit, hohe Belastungen sowie durch Gewalt, Krieg und Infektionskrankheiten.

Afrika und Europa sind Nachbarn und Partner, das gilt auch in der sächsischen Hochschulstadt Mittweida, wo vom 15. bis 17. Juni die International Week der Hochschule Mittweida ganz im Zeichen von Afrika stand: „Stärkung der Europäisch-Afrikanischen Partnerschaft: Herausforderungen und Chancen“ lautete das Motto der digitalen Konferenz mit Teilnehmenden aus 14 Nationen – überwiegend aus Europa und Afrika: Lehrende und Forschende, Vertreter und Vertreterinnen von Organisationen für internationale Zusammenarbeit wie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und natürlich internationale Studierende – darunter einige Studierende aus Kamerun, die sich derzeit an der Hochschule Mittweida in der Forschungsgruppe von Mathematik-Professor Kristan Schneider mit der Modellierung von Infektionskrankheiten wie Malaria oder Corona beschäftigen. Aktuell sind 46 von 1400 internationalen Studierenden in Mittweida aus Afrika.

Als Nachbarn und Partner fällt der Blick auf die gemeinsamen Herausforderungen wie den Klimawandel, die digitale Transformation und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Und seit nunmehr anderthalb Jahren sind beide Kontinente auch über die globale Pandemie verbunden: „Corona besiegen geht nur weltweit oder gar nicht“, sagte Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in seiner Grußbotschaft zur Eröffnung der Konferenz am 15. Juni und mahnte unter anderem zu mehr Solidarität und einer gerechteren Globalisierung.

Das frühere Vorstandsmitglied des Kinderhilfswerks UNICEF Claudia Graus berichtete in ihrer Grußbotschaft von einer hochmotivierten und zielstrebigen jungen Generation in Afrika. Grundbildung, besonders für Mädchen, sei die wichtigste Entwicklungsinvestition überhaupt.

Gemeinsame Arbeit in Wissenschaft und Bildung

Die genannten Herausforderungen sind auch Herausforderungen an die Wissenschaft und die gemeinsame Forschung in beiden Kontinenten. Das spiegelte das Tagungsprogramm der International Week aus Vorträgen, Workshops und Posterpräsentationen wider. Neben zahlreichen Beiträgen zur Forschung an Infektionskrankheiten ging es zum Beispiel um die Rolle von zivilgesellschaftlichen Organisationen bei regionalen Integrationsprozessen in Afrika ebenso wie bei der Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb der Hochschulbildung zwischen Europa und Afrika.

Afrikas junge Zukunft – Internationales Podium beim Dialog Kontrovers Extra

„Afrika ist ein junger Kontinent“, so Bundesminister Müller am Morgen. Diesem „jungen“ Afrika widmete sich am Dienstagabend ein Dialog Kontrovers Extra, live gestreamt aus dem TV-Studio der Hochschule. Im Jahr 2020 war etwa die Hälfte der Bevölkerung Afrikas jünger als zwanzig Jahre, verglichen mit etwa einem Fünftel in Europa. Die Herausforderung für afrikanische Staaten, aber auch für eine für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft besteht darin, die Perspektiven für junge Generationen von Afrikanern und Europäern zu verbessern. Zu diesen Perspektiven zählen die Wirtschaft und damit die Chancen auf Arbeit, das politische System mit robusten Demokratien und Partizipationschancen insbesondere für Frauen und die Möglichkeiten für individuelle Identitätsbildungsprozesse.

Wie kann es den afrikanischen Staaten gelingen, die Aussichten für ihre Jugend zu verbessern? Was kann Europa dazu beitragen? Und werden beide davon profitieren? Dazu diskutierten Dr. Hedwig Ngwa als Vertreterin der kamerunischen Government High School, Great Soppo Buea, und der University of Buea, Dr. Gabin Ananou, früherer Botschafter von Togo in Deutschland, jetzt German Aerospace Center Bonn, Dr. Andreas Wrobel-Leipold, Politikwissenschaftler und Professor für Medienmanagement an der Hochschule Mittweida, Nessma Adil Yousif, sudanesische Promovendin bei Professor Kristan Schneider im Bereich Epidemiologie. PD Dr. Gunter Süß vom Institut für Kompetenz, Kommunikation & Sprachen der Hochschule Mittweida moderierte.

Die Runde war sich einig, dass der Kontinent bis heute unter den Auswirkungen der (europäischen) Kolonialisierung leidet, aber man blieb nicht bei dieser Feststellung stehen: Vielmehr standen die Perspektiven und Chancen der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Es gehe eigentlich nicht darum Afrika zu helfen, sondern den verschiedenen Kulturen Afrikas Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten – keine fertigen Lösungspläne durchzusetzen, sondern gemeinsam den Weg zu Lösungen zu beschreiten. Es gehe darum, Afrika unabhängig zu machen, um eine gerechte Zukunft zu ermöglichen – und dabei die politische Führung der verschiedenen Länder in die Verantwortung zu nehmen.

Das Team des International Office hat bei der Organisation der International Week auf breite Unterstützung aus vielen Teilen der Hochschule zurückgreifen können. Zu den Unterstützenden zählen auch die Zweitsemester des Studiengangs Global Communication in Business and Culture. In ihrem Modul Intercultural Teambuilding haben sie sich mit ihren eigenen kulturellen Wurzeln beschäftigt und Vergleiche zu anderen Kulturen gezogen. Das so gebildete Gespür für unterschiedliche Kulturen nutzten die Studierenden, um als Gruppe von vier bis sechs Personen Führungen durch die Städte Mittweida und Hainichen sowie die Hochschule zu konzipieren und umzusetzen – als Videos und während der International Week für die anwesenden Gäste auch live vor Ort.

Dabei bilden die Studierenden nicht nur als studentische Gruppen Teams. Ihre theoretischen Kenntnisse zu Teambuilding-Effekten flossen insbesondere in die Präsenzführungen ein, bei denen sie gleichzeitig die Gelegenheit hatten, ihre englischen Sprachkenntnisse zu festigen und interkulturelle Erfahrungen mit den internationalen Gästen der Hochschule Mittweida zu sammeln. Fast nebenbei wurden die in Vorlesungen und Seminaren erworbenen Kenntnisse im Projektmanagement bei der Vorbereitung und Durchführung erfolgreich auf die Probe gestellt.

So wurde die International Week 2021 an der HSMW nach langen Monaten nahezu ausschließlich digitaler Angebote auch für die internationalen Studierenden in Mittweida zu einer ersten Möglichkeit, sich in Präsenz zu begegnen.

Die Podiumsdiskussion "Afrikas junge Zukunft" steht hier zum Nachsehen zur Verfügung.