Biodiversität
Warum mehr Biodiversität auf dem Campus?
Die Hochschule Mittweida ist sich ihrer Verantwortung bewusst, in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel voranzugehen. Im Zuge der nachhaltigen Entwicklung spielen auch städtische Grünflächen wie das Campusgeländer eine wichtige Rolle, da sie...
...eine höhere Strukturvielfalt als die Agrarlandschaft aufweisen. Dort dominieren große Ackerschläge, die wenig Lebensraum und nur zeitweise Nahrung für viele Arten bieten.
...frei von Pestizideinsatz sind. Besonders für Insekten ist das von Bedeutung, aber auch für andere Arten in der Nahrungskette, bei denen sich Schadstoffe akkumulieren können.
...ein hohes Potenzial aufweisen, mit einigen Anpassungen Lebensraum für viele verschiedene Arten zu schaffen.
Und genau hier setzen die Bemühungen der Hochschule Mittweida an!
Biodiversitätskonzept für die Grünflächen der Hochschule Mittweida
Das Biodiversitätskonzept der Hochschule Mittweida entstand im Rahmen der Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes. Es befasst sich mit der Schaffung qualitätvoller und resilienter Campusflächen im Zuge der Klimafolgenanpassung und sucht nach Wegen, mehr Raum für Biodiversität auf dem Campus zu ermöglichen. Dabei wird ein Fokus darauf gelegt, mit möglichst wenig Aufwand und Mitteleinsatz einen möglichst großen ökologischen Effekt zu erzielen.
Das Konzept stammt aus dem Jahr 2024. In der Umsetzungsphase ergaben sich einige Änderungen zur tatsächlichen Umsetzung der Projektideen, wie in den anderen Abschnitten dieser Unterseite nachvollzogen werden kann.
Nistkästen und ihre Paten
Im Herbst 2024 wurden gemeinsam mit dem Projekt WaNdel4! und dem Facility Management 10 Nistkästen auf dem Campus angebracht. Hochschulmitglieder konnten sich für Nistkastenpatenschaften bewerben und engagieren sich damit neben der Vogelbeobachtung einmal jährlich bei der Reinigung der Nistkästen, damit er im folgenden Jahr wieder als attraktiver Brutplatz für die Vögel am Campus zur Verfügung steht.
Zentral bei der Kontrolle ist auch das Prüfen des Bruterfolges. Im ersten Jahr wurden die Nistkästen schon gut angenommen, denn die Hälfte der Kästen waren mit Nestern besetzt und auch die restlichen wiesen Spuren von Nestbau auf. Oft bleiben Nistkästen im ersten Jahr unbesetzt, da die Vögel den Kasten erst entdecken und als sicher einstufen müssen. In den Folgejahren kann sich die Dynamik ändern - daher blicken wir gespannt auf die nächste Zeit.
Benjeshecke für kleine Bewohner am Campus
Im Rahmen der Umsetzung des Biodiversitätskonzeptes für den Campus war als eines der Elemente zur Schaffung von Lebens- und Rückzugsraum der Bau einer Benjeshecke geplant. Eine Benjeshecke besteht aus Totholz, welches z.B. bei der Gartenarbeit anfällt. In unserem Fall musste ein Baum für den Bau der neuen Hochschulbibliothek weichen, welcher Dank freundlicher Unterstützung des Facility Managements zur Blühwiese transportiert und der Bau der Hecke vorbereitet wurde.
Gemeinsam mit Studierenden im Projektmodul zum Thema "Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz" der sozialen Arbeit wurden kleinere und größere Äste und Zweige zwischen eingeschlagenen Pfählen aufgeschichtet, womit neuer Lebensraum geschaffen wurde. Die neu entstandene Benjeshecke bietet nun jede Menge Lebensraum für Kleintiere wie Käfer oder Solitärbienen, die beispielsweise Eier im Totholz ablegen können. Auch für größere Tiere wie Igel ist die Hecke ein geeignetes Domizil. Durch Vögel, die die Hecke als Ansitzwarte nutzen, wird mit deren Kot neues Saatgut eingebracht und die Hecke begrünt sich auf diese Weise selbst. In den kommenden Jahren kann immer wieder frisches Schnittgut nachgelegt werden, um die Hecke "am Leben" zu erhalten.
Nistkastenkameras
Alte Gemäuer wie einige Gebäude an der Hochschule Mittweida sind für viele Vogelarten essentielle Brutplätze: als Kulturfolger des Menschen werden sich auch als sogenannte Gebäudebrüter bezeichnet. Denn durch den Verlust natürlicher Habitate wie alte Baumhöhlen oder Felslandschaften bilden alte Gebäude mit ihren zahlreichen Spalten und Nischen einen guten Ersatzlebensraum. Die Hochschule Mittweida hat hier ihre Verantwortung erkannt und hat daher das Haus 2 mit einigen Nistkästen ausgestattet. Einer der Nistkästen hat seit März 2025 eine Nistkastenkamera, wodurch das Brutgeschehen gut beobachtet und dokumentiert werden kann. Aufgrund der intensiven Aktivität wurde Anfang 2026 eine zweite Kamera im benachbarten Kasten installiert. Hier gehts zum Livestream.
Hier ein kurzer Überblick, welche Vogelarten um die Nutzung der Kästen in Konkurrenz stehen:
Der Turmfalke brütet regelmäßig im Dach des Hauses 2, da sich der Standort als typischer Gebäudebrüter gut eignet. Er baut selbst kein Nest, sondern nutzt alte Nester anderer Vögel oder wie in diesem Fall einen Brutkasten. Im späten Winter werden die Reviere besetzt und im April oder Mai vier bis sechs Eier bebrütet. Nach vier Wochen verlassen die jungen Turmfalken das Nest.
Der Waldkauz ist ein Höhlenbrüter und legt zwischen Februar und März zwei bis sechs Eier. Während das Weibchen alleine brütet, ist das Männchen sehr wehrhaft und verteidigt seine Brut aggressiv. Waldkäuze leben in einer oft lebenslangen Dauerehe, die nur während der Brut besteht. Das restliche Jahr über verbringen sie zwar im gleichen Revier, aber getrennt voneinander.
Die Dohle nistet seit vielen Jahren an mehreren Standorten auf dem Campus und ist als Höhlenbrüter ebenfalls an der Besetzung der Nistkästen von Haus 2 interessiert. Sie nistet von April bis Juni gemeinsam mit anderen Dohlen in Kolonien. Das Weibchen legt blaugrüne Eier mit braunen Flecken, aus denen nach 16-20 Tagen die Küken schlüpfen. Sie werden für einen Monat von beiden Elterntieren gefüttert und fliegen dann aus.
Die Schleiereule kann außer im Winter das ganze Jahr über brüten. Abhängig ist die Brutzeit vom verfügbaren Mäuseangebot. Sie baut kein Nest, sondern legt die Eier direkt auf Gewölle. Dabei sind "alte Gemäuer" mit ungestörten dunklen Nischen oder entsprechende Nistkästen als Brutplätze besonders attraktiv. Die Küken schlüpfen zeitversetzt und werden für knapp zwei Monate gefüttert, bevor sie das Nest verlassen.
Blühwiese
Auf der Flächen hinter dem Haus 39 wurde eine 3000 m2 große Blühwiese angelegt. Hierfür wurde eine Saatgutmischung ausgewählt, die zu den Standortfaktoren passt. Auf der Wiese befand sich vor der Maßnahme eine Grasflur, weshalb vor Ausbringen des Saatguts eine Bodenbearbeitung durchgeführt wurde. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass sich die Blühwiese optimal etablieren kann.
Zur Erhaltung der Blühwiese wird eine angepasste Bewirtschaftung durchgeführt, die die Insekten schont: z.B. erfolgt die Mahd immer partiell und nur wenige Male im Jahr mit einem Abstand zum Boden von 8-10 cm.