Nachwuchsentwicklung

Der akademische Mittelbau einer Hochschule ist nicht nur eine wichtige Säule der Lehrausbringung, er bildet auch die Basis für die strategische Entwicklung des professoralen Nachwuchses. Eine etablierte Verbreitung des akademischen Mittelbaus an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) ist jedoch die Ausnahme.

Ein entscheidender Vorteil, um diesbezüglich einen Wandel einzuleiten, ist, dass das Sächsische Hochschulfreiheitsgesetz (SächsHSFG) einen akademischen Mittelbau an HAWs nach §72 ermöglicht. Das Projekt SEM hat diese Möglichkeit genutzt, um die Probleme der Nachwuchsgewinnung und -entwicklung umfassend zu analysieren und die identifizierten Handlungsfelder mit Lösungen zu adressieren.

In einem ersten Schritt wurden hierzu erstmalig Elemente für die Nachwuchsentwicklung anhand der tatsächlichen Fachbereichs-, Hochschul- und Marktsituation definiert und systematisch strukturiert. Die Ziele, die an die Nachwuchsentwicklung gestellt werden, ergeben sich sowohl aus den Berufungsvoraussetzungen für HAW-Professuren als auch aus den Rahmenbedingungen einer facheigenen Professor_innentätigkeiten, den Anforderungen der Lehre, der Forschung, der Arbeitsmärkte und der Praxispartner. Den Anforderungen aus Lehre und Forschung kommt hierbei ein besonderer Stellenwert zu.

Als Ergebnis der bisher 6-jährigen Entwicklungsarbeit und erster Pilotierungen im Modellvorhaben SEM ist ein Qualifikationssystem für die Nachwuchsentwicklung entstanden. In diesem System teilen sich die Qualifikationselemente der Nachwuchsentwicklung in fünf Bereiche auf: Die fachliche und überfachliche Entwicklung, die hochschuldidaktische Qualifikation, das sogenannte Academic Training und die berufspraktische Qualifikation. Sie decken damit hochschulische und außerhochschulische Bereiche ab. Als rahmengebende Voraussetzungen für die Umsetzung dieser fünf Bereiche wurden (1) attraktive Arbeits- und Entwicklungsbedingungen für die AkAs und (2) neue Prozessstrukturen für das Management des Qualifikationskonstrukts geschaffen.

Abb: Qualifikations- und Berufungsmodell

Das im Projekt SEM entwickelte systematische Qualifikations- und Berufungsmodell entspricht den aktuellen Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz für ein nachhaltiges Bund-Länder-Programm zur Gewinnung von Professorinnen und Professoren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Dort wird als möglicher Bestandteil eines systematischen Personalentwicklungskonzeptes benannt: Die Förderung von berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen, die dem Erwerb hochschuldidaktischer Kompetenzen dienen und insgesamt die Erfolgschancen für die Aufnahme einer Professur an einer HAW bzw. FH deutlich verbessern.