Tenure Track

Das Problem qualifizierten professoralen Nachwuchs für eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) zu gewinnen, ist bundesweit seit Jahren präsent und durch Untersuchungsreihen empirisch belegt.[i] [ii] Der Wissenschaftsrat hat zu diesem Problem Stellung bezogen und Handlungsempfehlungen veröffentlicht (Beitrag Wissenschaftsrat).

Im Gegensatz zu den Universitäten, die einen deutlichen Bewerberüberschuss aufweisen, klagen HAWs über einen anwachsenden Bewerbermangel für die Besetzungen professoraler Stellen. Den HAWs fehlt das bisher an Universitäten etablierte Tenure Track Verfahren, die Junior-Professur und der akademische Mittelbau als Basis zur Förderung und Entwicklung des professoralen Nachwuchses. Je nach regionaler Verortung und Fächerspektrum sind die HAWs in unterschiedlichem Umfang betroffen.

In Sachsen ermöglicht das Hochschulgesetz auch den HAWs, Akademische Asssitenten_innen (AkAs) im Hochschulalltag einzusetzen (§72 SächsHSFG). Somit sind die regulativen Voraussetzungen gegeben, um einen akademischen Mittelbau zu etablieren, in Forschung und Lehre einzusetzen und dessen Weiterqualifizierung zu fördern. Das Fundament für eine systematische Nachwuchsentwicklung ist somit vorhanden.

Das Projekt SEM baut auf diesem Fundament auf, um ein System zur dauerhaften Etablierung der AkAs in Lehre und Forschung zu entwickeln. Hiermit werden drei Ziele verfolgt:

  1. Die Etablierung der AkAs dient der Verbesserung der Studienbedingungen durch qualitativ hochwertige und innovative Hochschullehre.
  2. Die Qualifikationen der AkAs im Bereich „Forschung und Entwicklung“ tragen zu einer forschungs-, praxis- und anwendungsbezogenen Lehre bei.
  3. Durch systematische Nachwuchsentwicklung und Weiterqualifizierung erreichen die AkAs in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren ihre Berufungsfähigkeit.

Die Etablierung der AkAs an der Hochschule Mittweida ermöglicht es, vorhandene Ressourcendefizite hinsichtlich des Mittelbaus abzumindern und neue Freiräume zu erschließen. Gleichzeitig wird die Qualitätssteigerung der Lehre durch die hochschuldidaktische Ausbildung der AkAs zur Erlangung des Sächsischen Hochschuldidaktik-Zertifikats und die direkte Verbindung mit anwendungsorientierter Forschung unterstützt. Die AkAs übernehmen eigenständige Aufgaben in Lehre und Forschung und unterstützen Professor_innen umfassend in ihrem Aufgabenspektrum. Die konkrete Ausgestaltung der Stellen orientiert sich an den jeweiligen Aufgabenprofilen der einzelnen Arbeitsfelder der AkAs. Zu deren übergreifenden Aufgaben der AkAs gehört es, Studierenden Fachwissen sowie praktische Fertigkeiten zu vermitteln und sie in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden zu unterweisen. Darüber hinaus erhalten die AkAs Freiräume für die eigene wissenschaftliche Forschung.

Die gezielte Weiterentwicklung der AkAs in Lehre und Forschung ist ein Kernelement des Projekts SEM. Auf diese Weise wird der facheigene akademische Nachwuchs gestärkt und die Betreuungsrelation für Studierende in besonders belasteten Bereichen verbessert. SEM wird daher vom Wissenschaftsrat  in den aktuellen Empfehlungen zur Personalgewinnung und -entwicklung an Fachhochschulen als ein mögliches Modell zur Strukturierung von Karrierewegen an HAWs bzw. FHs genannt. Das Deutsche Hochschul-Institut beschreibt in einem Evaluationsbericht ebenfalls die Lösungsbeiträge des Modellprojekts SEM zu neuen Karrierewegen an HAWs.

 


[i] Brucksch, M. (2015): Professorensuche 2015. Auswertung und Darstellung der Erhebungsdaten einer Befragung von Hochschulen; DHI Deutsches Hochschul-Institut; Köln.

[ii] VDMA (2016): Berufungsverfahren in den Ingenieurwissenschaften Ergebnisse einer Tendenzbefragung;Frankfurt.