Pflegeleistungen

Häusliche oder ambulante Pflege

So lange wie möglich in der eigenen Wohnung, dem eigenen Haus leben zu können, ist für viele Menschen ein erstrebenswertes Ziel. Diesem Aspekt trägt auch das Gesetz zur Sozialen Pflegeversicherung SGB XI Rechnung. In §3 „Vorrang der häuslichen Pflege“ steht dazu

„Die Pflegeversicherung soll mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft der Angehörigen und Nachbarn unterstützen, damit die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können.“

Die Leistungen der Pflegeversicherung unterstützen damit ganz klar den Verbleib der Betroffenen in ihrer häuslichen Umgebung. Dabei kann im Rahmen der ambulanten Pflege grundsätzlich zwischen der Geldleistung, das heißt dem so genannten Pflegegeld und der Sachleistung gewählt bzw. beides miteinander kombiniert werden.

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Pflegegeld, Leistungen der sozialen Sicherung der Pflegeperson und Weiterbildung

Das Pflegegeld kann der Betroffene an die von ihm selbst beschafften Pflegepersonen bezahlen, die ihrerseits dafür die pflegerische und die hauswirtschaftliche Versorgung sicherstellen müssen.

Ein zentrales Anliegen der Pflegekasse ist es die Pflegebereitschaft von Angehörigen und anderen Pflegepersonen zu stärken. Vor allem auch dann, wenn diese Pflegenden deshalb ihre berufliche Tätigkeit einschränken bzw. ganz aufgeben um zu pflegen.

Die Pflegekasse übernimmt Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, wenn diese mindestens 14 Stunden wöchentlich den Pflegebedürftigen zu Hause pflegen und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sind. Dazu muss bei der zuständigen Pflegekasse ein entsprechender Antrag gestellt werden. Zudem ist die Pflegeperson beitragsfrei in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Bei geringfügiger Beschäftigung der Pflegeperson oder Freistellung durch den Arbeitgeber auf Grundlage des Pflegezeitgesetzes besteht die Möglichkeit, bei Nichtbestehen einer Familienversicherung, Zuschüsse für die freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung zu beantragen. Es besteht weiterhin eine Versicherung nach dem Recht der Arbeitsförderung, die, wenn die dort genannten Anforderungen erfüllt sind, für die Berufsrückkehr genutzt werden kann.

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Sachleistungen

Hierunter versteht man die Pflegeleistungen, die von einem professionellen ambulanten Pflegedienst erbracht werden. Diese Sachleistungen sind auf Grundlage des SGB XI in so genannte Leistungskomplexe unterteilt, aus denen sich der Betroffene die erforderlichen Leistungen zusammenstellen kann. Der Pflegedienst rechnet diese direkt mit der zuständigen Pflegekasse ab.

Pflegegeld und Sachleistungen können in begründeten Fällen auch kombiniert werden. Ein Großteil der Pflege kann dabei durch Angehörige oder eine Pflegeperson geleistet werden, die in besonderen Pflegesituationen, beim Baden oder Duschen beispielsweise, von professionellen Pflegekräften unterstützt werden.

Bei Veränderungen der Pflegesituation können die Leistungen entsprechend angepasst werden.

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Teilstationäre Leistungen

Es gibt einige Gründe für die Inanspruchnahme von Teilstationären Leistungen. Wenn beispielsweise die häusliche Pflege nicht ausreichend durch Angehörige und Pflegepersonen sichergestellt werden kann oder diese Betreuenden eine regelmäßige Entlastung benötigen, dann können Teilstationäre Leistungen in Anspruch genommen werden. Zu diesen Leistungen zählen die Tages- und Nachtpflege und die Kurzzeitpflege.

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Leistungen für Pflegebedürftige mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf (Demenzkranke)

Zu den Leistungsberechtigten gehören Pflegebedürftige, die neben der Grund- pflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung einen erheblichen Bedarf an all-gemeiner Betreuung haben, dies betrifft:

- Pflegebedürftige der Pflegestufen I, II, und III

- Personen, die das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit der Pflegestufen noch nicht erreicht, jedoch dauerhaft eine erhöhte Einschränkung ihrer Alltagskompetenz und damit einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Betreuung haben.

Für diesen Personenkreis kann ein Kostenersatz für zusätzliche beanspruchte Betreuungsleistungen beantragt werden.

Der Grundbetrag für den Kostenersatz liegt monatlich bei höchstens 100€. Der erhöhte Betrag bei max. 200€ mtl. 

Die Höhe des Anspruchs wird von der Pflegekasse auf Empfehlung des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse festgelegt.

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Tages- und Nachtpflege

Der Betroffene verbringt hier einen Teil seiner Zeit, den Tag oder die Nacht nicht in seiner häuslichen Umgebung, sondern in einer speziellen Einrichtung. Die Kosten der pflegebedingten Aufwendungen und die soziale Betreuung werden von der Pflegekasse übernommen. Dies umfasst auch die Beförderung des Pflegebedürftigen von seiner Wohnung in die Einrichtung und wieder zurück. Die Tages- und Nachtpflege kann individuell mit der Einrichtung abgesprochen werden. Es besteht die Möglichkeit einer Kombination aus Tages- und Nachtpflege und Pflegegeld oder Sachleistungen. Es bleibt dabei ein Anspruch von mindestens 50% auf das Pflegegeld oder die ambulanten Leistungen.

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Kurzzeitpflege

Bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um eine vorübergehende Aufnahme des zu Pflegenden, bis zu 4 Wochen pro Kalenderjahr, in eine stationäre Einrichtung. Der Lebensmittelpunkt bleibt dabei die eigene häusliche Umgebung. Diese 4 Wochen müssen nicht in einem Stück genommen werden, sondern können nach Bedarf aufgeteilt werden. Viele Gründe können für eine solche Entscheidung eine Rolle spielen.

Beispiele dafür sind:

  • die pflegenden Angehörigen oder die Pflegeperson sind auf Grund von Krankheit oder Urlaub nicht in der Lage die Pfleg sicher zu stellen
  • auf Grund der Verschlimmerung der Pflegesituation ist es notwendig ein neues Versorgungskonzept zu erstellen
  • Umbaumaßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes müssen durchgeführt werden
  •  Der/die Pflegebedürftige kann nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht in die eigene Wohnung zurückkehren, da dort eine angemessene Pflege noch nicht gewährleistet werden kann oder es wird eine stationäre Vollzeitpflege notwendig, die noch organisiert werden muss.  Dies geschieht in der Praxis sehr häufig. Die Kurzzeitpflege gibt Zeit eine geeignete Einrichtung zu finden.
  • Der Aufenthalt kann sich auch durch ein akut eingetretenes Ereignis, wie einen Sturz oder einen Schlaganfall des Betroffenen und wenn dann erst ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt werden muss, ergeben.

Es gibt Pflegeheime die eine entsprechende Kurzzeitpflegeabteilung haben oder auch Heime mit so genannten Streubetten, das sind aktuell freie Betten in einer Langzeitpflegeeinrichtung.

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für  die pflegebedingte Betreuung, die soziale Betreuung und die erforderliche medizinische Behandlungspflege.  Die Pflegebedürftigen tragen dabei die Kosten für Unterkunft und Verpflegung selbst. Wenn keine Pflegestufe vorliegt muss der Pflegebedürftige die gesamten Kosten selbst tragen. Hier besteht auch die Möglichkeit einen eventuellen Anspruch auf Übernahme der Kosten, bei fehlenden finanziellen Mitteln, mit dem Sozialhilfeträger zu klären.

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Pflegehilfsmittel, technische Hilfen und Wohnungsanpassung

Die Pflegekassen übernehmen auf Antrag die Kosten für Pflegehilfsmittel, technische Hilfen und notwendig gewordene Wohnungsanpassungen, sofern sie nicht durch Krankheit oder Behinderung von anderen Kostenträgern zu finanzieren sind.

Mittel, die die Pflege erleichtern oder Beschwerden lindern zählen zu den Pflegehilfsmitteln, dies sind beispielsweise Inkontinenzvorlagen oder Einmalhandschuhe. Die Pflegekasse stellt dafür monatlich einen Betrag in Höhe 31.- € zur Verfügung.

Unter technischen Hilfsmitteln versteht man Rollstühle, Pflegebetten, Nachtstühle oder Badewannenlifter. Solche Hilfsmittel sollten in der Regel von den Kassen leihweise zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus können die Kassen darauf bestehen , dass sich die Pflegebedürftigen und ihre Pflegepersonen in der Handhabung der Mittel ausbilden bzw. einweisen lassen oder das Hilfsmittel an den persönlichen Bedarf angepasst wird. Für die Hilfsmittel hat der Versicherte nach Vollendung des 18. Lebensjahres einen Eigenanteil in Höhe 10% bzw. bis zu einer Obergrenze von 25.-€ je Hilfsmittel, zu leisten. Es gibt hier, wie bei der Krankenversicherung, eine obere Belastungsgrenze pro Jahr nach § 62 SGB V, wenn diese Grenze erreicht ist, ist der Betroffene von der Zuzahlung befreit.

Wohnungsanpassungsmaßnahmen, die dazu dienen dem Betroffenen einen Verbleib in der häuslichen Umgebung, durch die Verbesserung bzw. Anpassung seines individuellen Umfeldes zu ermöglichen, zählen ebenfalls zu den technischen Hilfen. Die Pflegekassen beteiligen sich in Form von Zuschüssen bei einer angemessenen Eigenbeteiligung, abhängig vom Einkommen, an den Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung. Dabei dürfen die Höhe der Zuschüsse nicht mehr als 2557.-€ je Maßnahme betragen.  Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise

  • der Abbau von Schwellen
  • die pflegegerechte Umgestaltung des Badezimmers
  • die Montage von Handläufen usw.

Bei fehlenden finanziellen Mitteln zur Eigenbeteiligung kann geprüft werden, ob die Voraussetzungen für eine Antragstellung nach SGB XII, Sozialhilfe vorliegen.

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Ambulant betreute Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige und Menschen mit Demenz

Diese Sonderform der Betreuung und Pflege setzt sich immer mehr, gerade für Menschen mit Demenz, durch. Es leben meist 6 bis 12 pflegebedürftige Menschen in einer barrierefreien Wohnung integriert in ein Wohnquartier. Dabei hat jeder sein eigenes individuell eingerichtetes Zimmer, teilweise mit Bad und WC. Es gibt Gemeinschaftsräume in denen ein normaler Alltag statt findet. Die Betreuungskräfte kümmern sich um den Haushalt und ambulante Dienste decken die weiteren Pflegeleistungen ab. Durch eine weitgehend selbstbestimmte Lebensführung der Bewohner und der Möglichkeit trotzdem soziale Kontakte, gerade auch mit den Mitbewohnern, zu pflegen, steigert sich die Lebensqualität.

Mit dieser Art des Wohnens ist ein weiterer Schritt, in Einklang mit dem „Normalisierungsprinzip“ in unserer Sozialgesetzgebung getan. Dieses „…zielt darauf ab, alten, kranken und behinderten Menschen ein Dasein zu ermöglichen, das dem der durchschnittlichen Bevölkerung weitgehend ähnlich ist.“ (http://www.alzheimerwgs.de/-angehrigeninfos.html, verfügbar am 1.07.2010)

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Betreutes Wohnen in betreuten Wohnanlagen oder auch Service-Wohnen

Das betreute Wohnen ist keine Wohnform im Sinne des Heimgesetzes. Es handelt sich dabei um eine alternative zum klassischen Altenheim. Die Bewohner leben dabei in eigenständigen Haushalten und bezahlen zusätzlich zur Miete eine so genannte monatliche Betreuungspauschale. Dies erfolgt meist in eigens dafür gebauten Wohnanlagen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit im Rahmen des Service-Wohnens solche Leistungen in der eigenen Wohnung in Anspruch zu nehmen.

Betreutes Wohnen in einer entsprechenden Wohnanlage beinhaltet grundsätzlich 4 Leistungsbereiche:

  • Bauwerk und Umfeld, d. h. barrierefreie Wohnung in barrierefreier Wohnlage in einem Wohnumfeld, in dem die selbstständige Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfes möglich ist,
  • Grundleistungen wie Hausnotruf; Beratungs-, Informations- und Vermittlungsdienste sowie Gemeinschaftsaktivitäten in Gemeinschaftsräumen
  • Wahlleistungen, zu denen hauswirtschaftliche und pflegerische Dienstleistungen, kleine technische Dienstleistungen oder Fahrdienste usw. gehören können, und
  • Die Vertragsgestaltung in Form eines getrennten Miet- und Betreuungsvertrags.“

( Zippel, Christian, Kraus, Sibylle (Hrsg) (2009): Soziale Arbeit für alte Menschen – Ein Handbuch für die berufliche Praxis; Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main)

Vor der Entscheidung für diese Wohnform sollte auf jeden Fall eine entsprechende trägerneutrale und unabhängige Beratung durch die Wohnberatung, die Verbraucherzentrale, die Kommune/den Kreis oder eine Seniorenberatung in Anspruch genommen werden.

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Vollstationäre Pflege

Eine vollstationäre Pflege, wie sie in Pflegeheimen erbracht wird umfasst die pflegerischen Aufwendungen, die soziale Betreuung und die medizinische Behandlungspflege. Auch hier müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, wie in der Kurzzeitpflege selbst getragen werden. Gewährt wird diese Pflegeform von der Kasse nur, wenn eine Notwendigkeit dafür besteht.

Die Suche nach einem geeigneten Heim kann unter der folgenden Seite erfolgen:

www.heimverzeichnis.de

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Qualitätsprüfung in der Pflege

Der medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) ist für die Qualitätsprüfung in ambulanten und stationären Pflegeinrichtungen zuständig. Diese Prüfungen wurden im Zusammenhang mit der Pflegereform 2008 vom Gesetzgeber festgeschrieben.

Ab 2011 sollen Heime und ambulante Pflegeeinrichtungen mindestens einmal im Jahr geprüft werden. Bis dahin soll jedes zugelassene Heim und jede Einrichtung mindestens einmal geprüft worden sein.

Weitere Informationen zur Qualitätsprüfung finden Sie auf der Seite des MDK

Die Resultate werden so bald 20% aller stationären und ambulanten Einrichtungen evaluiert sind, veröffentlicht.

Eingesehen werden können diese Ergebnisse dann auf folgenden Seiten:

www.aok-gesundheitsnavi.de 

www.bkk-pflege.de

www.der-pflegekompass.de

www.pflegelotse.de

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weitere Informationen

Informationen rund um das Thema Pflege und Wohnen und Betreuung bieten der

Ratgeber Pflege

und die Broschüre

Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform

 

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