Pflegebedürftigkeit/Pflegestufen

Pflegebedürftigkeit

Gemäß § 14 Abs. 1 SGB XI meint Pflegebedürftigkeit Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens 6 Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Nach oben

Antragstellung

Der Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist formlos bei der Pflegekasse einzureichen, d. h. auch ein persönlicher Anruf gilt als Antragstellung. Die Pflegekassen befinden sich bei den Krankenkassen. Wichtig!: Halten Sie das Datum Ihres Antragsschreibens oder Ihres Anrufs schrifltlich fest, da der Beginn des Leistungsbezugs an das Antragsdatum geknüpft ist. Ein ärztlicher Attest über die Krankheit oder Pflegebedürftigkeit ist für die Antragstellung nicht notwendig, eine Kopie des Arzt- oder Krankenhausberichtes kann jedoch hilfreich sein.

Wichtig: Führen Sie ein Pflegetagebuch!

In einem Pflegetagebuch können Sie alle vorgenommenen Pflegeverrichtungen und den notwendigen Zeitaufwand (auch für die psychische und emotionale Betreuung des/der Pflegebedürftigen) sowie besondere Vorkommnisse notieren.

Nach der Antragstellung informiert die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Um die Pflegebedürftigkeit festzustellen, führt der MDK häusliche oder ggf. stationäre Besuche durch. Hier kann ein Pflegetagebuch sehr hilfreich sein, denn es belegt den tatsächlichen Pflegeaufwand, der in der kurzen Momentaufnahme durch den MDK meist nicht wahrgenommen oder sichtbar wird.

Gesetzlich vorgeschriebene Bearbeitungsfristen:

- Die Bearbeitungsfrist für Anträge auf Pflegeleistung beträgt fünf Wochen.

- Bei stationärem Aufenthalt im Krankenhaus, einer Reha-Einrichtung oder einem Hospiz sowie bei einer ambulant-palliativen Versorgung muss die Begutachtung durch den MDK innerhalb 1 Woche stattfinden, wenn dies zur Sicherstellung der weiteren Versorgung notwendig ist oder gegenüber dem/der Arbeitgeber(in) die Inanspruchnahme von Pflegezeit angekündigt wurden ist.

- Befindet sich der/die Antragsteller(in) in häuslicher Umgebung und der/die Pflegende hat gegenüber dem/der Arbeitgeber(in) die Inanspruchnahme von Pflegezeit angekündigt, muss die Begutachtung innerhalb von 2 Wochen stattfinden.

Bei Nichteinhalten der gesetzlichen Bearbeitungsfrist und der verkürzten Bearbeitungsfristen, muss die Pflegekasse für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung an den/die Antragsteller(in) 70 Euro zahlen. (siehe auch Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz)

Achtung! Der Leistungsbezug gilt ab dem Datum der Antragstellung!

Wird der Antrag auf Feststellung einer Pflegebedürftigkeitsstufe abgelehnt, können Sie bei der zuständigen Pflegekasse schriftlich Widerspruch einlegen.

 

Nach oben

Voraussetzungen für den Leistungsbezug

Um Pflegeleistungen voll in Anspruch nehmen zu können, muss
der Versicherte in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung
zwei Jahre als Mitglied
in die Pflegekasse eingezahlt haben oder
familienversichert gewesen sein.

Nach oben

Anerkannte Verrichtungen des täglichen Lebens gemäß § 14 Abs.4 SGB XI

Körperpflege

Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Mundpflege, Kämmen, Rasieren, Haut- und Gesichtspflege, Darm- und Blasenentleerung

Ernährung

mundgerechte Zubereitung der Nahrung, Aufnahme der Nahrung

Mobilität

Aufstehen, Zubettgehen, (Umlagern), An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen (im Zusammenhang mit Verrichtungen) Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung (Arztbesuche, Therapie) (Spazierengehen oder kulturelle Veranstaltungen fallen nicht darunter)

Hauswirtschaft

Einkaufen, Kochen, Reinigen, Spülen, Wäsche, Beheizen

Nach oben

Was wird anerkannt?

- wie viel Zeit zur Pflege bei „gewöhlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens“ durchschnittlich am Tag aufgewendet wird

- auch die psychische Betreuung, aber nur im Zusammenhang mit der Erbringung von Pflege bei „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens“ 

- die Anleitung und Beaufsichtigung (vor allem wichtig bei Demenzkranken!)

-  das Anregen, Lenken und Demonstrieren z. B. zur selbstständigen Übernahme der Verrichtungen bei Demenzkranken

- verrichtungsbezogene, krankheitsbedingte Pflegemaßnahmen (als Erschwernisfaktor) 

Wichtig:  

Bei einer anerkannten Pflegeverrichtung werden Übernahme, Unterstützung, Anleitung und Beaufsichtigung gleichermaßen als Pflegezeit berücksichtigt! Durch geeignete Anleitung und Beaufsichtigung lässt sich die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen länger erhalten als wenn ihm die Aufgaben einfach abgenommen werden. (§2 Abs. 1 und § 14 Abs. 3 SGB XI) 

Tipp: Führen Sie ein Pflegetagebuch mit der Aufzeichnung aller Pflegeleistungen und dem Zeitaufwand!

Nach oben

Pflegestufen

"Pflegestufe 0"

Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz haben einen erhöhten Betreuungsbedarf, der bislang im Pflegebedürftigkeitsbegriff hinsichtlich der Pflegeleistungen kaum Beachtung gefunden hat. Das betrifft Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Störungen. Sowohl Menschen, die zwar einen Hilfebedarf in der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung haben, aber die Pflegestufe I noch nicht erreichen, als auch Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, erhalten nunmehr, abhängig vom Betreuungsbedarf, monatliche Leistungen in Höhe von 100 bis 200€. In diesem Zusammenhang ist auch die Rede von der Pflegestufe "0".

D. h. Betroffene in der "Pflegestufe 0" haben einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen  (100-200€ mtl.) sowie einen Anspruch auf Pflegegeld für pflegende Angehörige (120€ mtl.) oder Pflegesachleistungen (225€ mtl.)

Pflegestufe I

- bei "erheblicher Pflegebedürftigkeit"

- Hilfebedarf, min. 1x täglich, für wenigstens 2 Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen

- mehrfacher Hilfebedarf in der Woche bei hauswirtschaftlicher Versorgung

Zeitaufwand: wöchentlich im Tagesdurchschnitt = min. 90 min, hiervon 45 min für die Grundpflege

Pflegestufe II

- bei "schwerer Pflegebedürftigkeit"

- min. 3x tgl. Hilfe zu verschiedenen Zeiten

Zeitaufwand: wöchentlich im Tagesdurchschnitt = min. 3h, davon 2 h für die Grund-pflege

Pflegestufe III

- "Schwerstpflegebedürftigkeit"

- rund um die Uhr, auch nachts

- Zeitaufwand: wöchentlich im Tagesdurchschnitt - min. 5h, davon 3 h für die Grundpflege

 

*krankheitsspezifische Pflegemaßnahmen sind bei der Feststellung des Zeitauf-wandes bei der Grundpflege zubeachten, denn verrichtungsbezogene krankheitsspezifische Pflegemaßnahmen nach den Leistungen der Krankenver-sicherung sind letztendlich untrennbarer Bestandteil einer Verrichtung des täglichen Lebens

*Grundpflege meint anerkannte Verrichtungen der Bereiche Körperpflege, Ernährung und Mobilität