Eine Krone für den Leuchtturm

Mittwoch 28. Januar 2015, 16:02

Richtfest am Forschungsneubau Laserinstitut

Bauleute, Vertreter des Finanz-, des Wissenschafts- und Kunstministeriums, der Hochschule Mittweida und des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) feierten heute Nachmittag das Richtfest für den Neubau des Forschungsgebäudes des „Laserinstitut Hochschule Mittweida“ (LHM). Nach dem Beginn des Baus vor genau einem Jahr und der Grundsteinlegung im Juli 2014 ist dies ein weiteres wichtiges Datum auf dem Weg zur geplanten Fertigstellung im Mai 2016. Die Baumaßnahmen werden nun mit der Versiegelung des Daches, dem Einbau von Fenstern und Arbeiten an der Fassade, wie z.B. der Verklinkerung und der Anbringung von Betonverblendungen, und dem Innenausbau fortgesetzt. Mit dem neuen Institutsgebäude stehen den 50 bis 60 wissenschaftlichen Mitarbeitern des „Laserinstitut Hochschule Mittweida“ dann im kommenden Jahr auf rund 2.500 Quadratmetern Fläche in 46 Laboren über 60 modernste Laseranlagen zur Verfügung. Für die intensiv in die Forschung eingebunden Studierenden der Lasertechnik sowie für interdisziplinäre Projekte innerhalb der Hochschule und externe Kooperationen wird der Institutsneubau ideale Bedingungen bieten.

Sportliche Höchstleistung: Geld vom Bund für die Forschung an einer Fachhochschule

Matthias Hüchelheim, Abteilungsleiter im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, lobte den Ehrgeiz der Mittweidaer Forscher: „Die Hürde der Bundesfinanzierung zu überspringen ist eine sportliche Höchstleistung. Bisher erfüllten in der Regel nur Universitäten und adäquate Forschungsinstitutionen die dafür nötigen Voraussetzungen, weil diese sehr reglementiert und forschungsprogrammatisch ausgerichtet sind.  Die Hochschule Mittweida schaffte mit ihrem Institut für Lasertechnik als erste Fachhochschule den Sprung über diese Hürde. Und sie schaffte es als einzige Hochschule in den neuen Ländern! Eine bemerkenswerte Leistung.“

Die Laserforschung ist ein Exzellenzbereich der Hochschule Mittweida. Schon seit Jahren gehört das „Laserinstitut Hochschule Mittweida“ zu den führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Lasertechnik in Deutschland mit weltweit anerkannten Forschungsergebnissen. Schwerpunkte liegen in der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung in den Bereichen Lasermikrobearbeitung, Laserpulsabscheidung, Lasermakrobearbeitung und Photonik. Auch aufgrund dieser inzwischen über 40jährigen außerordentlichen Erfolgsgeschichte entschied der Bund auf Empfehlung des Wissenschaftsrates, sich an der Finanzierung im Rahmen der Förderung von Forschungsbauten zu beteiligen und mit der Laserforschung den gesamten Hochschulstandort Mittweida weiter auszubauen.

Die Förderung von Forschungsbauten einschließlich Großgeräten ist ein Bund-Länder-Förderprogramm für Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen. Die Hochschule Mittweida ist eine von nur zwei Fachhochschulen in Deutschland, die bisher in dieses Programm aufgenommen wurden. Es fördert die Realisierung von großen Forschungsinvestitionsvorhaben an Hochschulen und Universitäten, die sich durch herausragende wissenschaftliche Qualität und nationale Bedeutung auszeichnen. Die Förderung der Mittweidaer Laserforschung zeigt, dass sich der Standort auch mit universitären Einrichtungen messen kann.

Professor Horst Exner, Direktor des „Laserinstitut Hochschule Mittweida“: „Wir sind stolz darauf, durch die Förderung des Neubaus Mittweida als einen der Spitzenstandorte für Laserforschung in Deutschland ausbauen zu können. Mit dem Neubau haben wir ein ideales Forschungsambiente. Wir sind alle am selben Ort und haben bessere Möglichkeiten, auch die Studierenden in die Forschung einzubinden.“ Professor Exner ist überzeugt, dass die heute bereits in vielen industriellen Anwendungsbereichen anzutreffende Lasertechnik sich viele weitere Anwendungen erschließen wird. In Mittweida werde an dieser Zukunftstechnologie gearbeitet.

Exzellente Bedingungen für exzellente Forschung

Professor Gerhard Thiem, Prorektor für Forschung und Entwicklung der Hochschule Mittweida, freut sich über das Engagement von Bund und Freistaat an seiner Hochschule: „Im 150. Jahr ihres Bestehens erhält die Hochschule Mittweida mit dem Forschungsneubau einen Leuchtturm, der Bestätigung und Herausforderung zugleich ist. Die Hochschule kann in Zukunft in ihrem Exzellenzbereich ideale Bedingungen für die Forschung bieten und damit auch ihre internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“

Der Neubau entsteht oberhalb des im vergangenen Jahr fertigstellten Zentrums für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule. Der Hochschulcampus inmitten der Hochschulstadt erweitert sich so um einen weiteren Neubau. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme werden auf rund 21,3 Millionen Euro geschätzt. Hierzu kommen noch weitere Kosten in Höhe von 6,1 Millionen Euro für die Ausstattung und technischen Anlagen der Labore und Werkstätten.

In zentraler Lage im Erdgeschoss entsteht ein ca. 520 m² großer Bereich mit fünf Laboren für die Forschung an Lasermakroprozessen, Lasernano- und -mikroprozessen mit zum Teil extrem hoher Geschwindigkeit und Flächenrate sowie der Laserpulsabscheidung. Im 1. OG werden Laseranlagen und fünf weitere klimatisierte Labore Platz haben: für die Lasermesstechnik, für die Ultrakurzpulsmaterialbearbeitung organischer Dünnschichtsysteme und Labore zur Entwicklung von Laserkomponenten. Den Laboren angegliedert werden experimentelle Arbeitsplätze und Werkstätten für Elektrotechnik und Feinmechanik. Die Labore im 2. OG werden vor allem der Materialvorbereitung und der Analytik dienen.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen künftig die Hochrate-Laserbearbeitung und die Lasernano- und -mikrobearbeitung. Die Hochrate-Laserbearbeitung ermöglicht die superschnelle Werkstoffbearbeitung. So kann Blech mittels Laser in Sekundenbruchteilen getrennt werden, die Fertigung ist im Vergleich zum normalen Stanzen mit nun größer wählbarer Formenvielfalt deutlich flexibler. Produkte sind so schneller herstellbar und die Kosten sinken. Bei der Forschung im Bereich Lasernano- und -mikrobearbeitung geht es zum Beispiel um neue mikroelektronische Bauteile in kleinsten Dimensionen. Ebenso wird an neuen Technologien zur Herstellung von Werkzeugen mit mikrostrukturierten, superharten Oberflächen gearbeitet, wodurch diese besonders verschleißfest und langlebig sind.

 

 

Von: Helmut Hammer