Die Währung der Zukunft?

Dienstag 29. November 2016, 10:32

IT-Start-up aus Mittweida entwickelt ein digitales Unternehmen ohne Menschen. Einblicke in die Technologie hinter Kryptowährungen.

Rückschläge inklusive: Christoph Jentzsch gibt Einblick
in die Welt der Kryptowährungen und berichtet von
seinen Start-up-Erfahrungen.

Christoph Jentzsch ist ein Star in der internationalen IT-Szene - und er kommt aus Mittweida. Als Experte für „Blockchain“, einem riesigen Register aus verschlüsselten digitalen Daten und Transaktionen, reist er um die Welt und erklärt Unternehmen die Funktionsweise und Anwendungsmöglichkeiten. Auf Einladung der „Java User Group Saxony“ an der Hochschule Mittweida war er in seiner Heimat und begeisterte am 10. November rund achtzig Interessierte für die Konzepte digitaler Finanzsysteme und Kryptowährungen. Unter den Zuhörern waren IT-Fachleute aus der Wirtschaft, Informatik-Dozenten der Hochschule und natürlich Studierende aus dem Studiengang Angewandte Informatik, die an der Hochschule Softwareentwickler, Wirtschaftsinformatiker und IT-Sicherheits-Experten werden.

Dank Onlinebanking und Kartenzahlung verliert das Bargeld im Zahlungsverkehr an Bedeutung, und es wird darüber diskutiert, ob das Bargeld überhaupt eine Zukunft hat. Neben dem digitalen Zahlungsverkehr, der der Kontrolle von Banken und Staaten unterliegt, kursiert im Internet eine digitale Währung. Die sogenannten Bitcoins unterliegen keiner zentralen Verwaltung, sind international gültig und unabhängig von der Steuerung durch Zentralbanken. Möglich wird das durch die Technologie der Blockchain.

Wie häufig bei genialen Erfindungen ist der Gedanke hinter Blockchain recht simpel: Alle wirtschaftlichen Verträge und Transaktionen lassen sich als Computer-Code abbilden. So gibt es zum Besipiel eine Funktion zum Geld senden und eine zum Geld empfangen.  Jede dieser Transaktionen wird verschlüsselt und signiert in einem Datenblock übertragen. Die Blockchain ist eine Kette (engl. „chain“) solcher Blöcke. Alle Daten und Transaktionen sind nachvollziehbar und können rückwirkend nicht mehr verändert werden, da jeder neue Datenblock auf dem vorhergehenden aufbaut. Im Blockchain-Netzwerk gibt es außerdem keine zentralen Server. Jeder Nutzer speichert und verteilt die Datenblöcke weiter. Das macht die Blockchain sicher gegenüber Angriffen. Inzwischen ist auch das Interesse bei Vertretern aus Wirtschaft, Versicherungen, bei Banken und in der Politik groß, denn mit diesem Konzept ließe sich viel Papier, Zeit und Geld einsparen.

Firma ohne Menschen

Heute gibt es neben Bitcoin viele Kryptowährungen, die immer mehr Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden. Christoph Jentzsch war gemeinsam mit seinem Bruder Simon an der Entwicklung von Ethereum beteiligt. Die im Jahr 2015 gestartete Blockchain-Anwendung bietet den Nutzern größere Möglichkeiten, eigene Programme in Form von sogenannten Smart Contracts zu definieren als alle anderen Verfahren zuvor. Smart Contracts sind Programme, digitale „Verträge“, die nach eindeutigen Wenn-dann-Vorgaben anstelle eines menschlichen Managers handeln. Ein solches eigenes Programm entwickelten auch die Jentzsch-Brüder auf Ethereum und sorgten damit für Schlagzeilen  („Die erste Firma ohne Menschen“). DAO nennen Sie ihre Anwendung – die drei Buchstaben stehen für Dezentrale Autonome Organisation. Nutzer können in die digitale Organisation investieren, sich für Geld (Ether) Stimmrechte (Token) kaufen. Andere Nutzer können sich mit ihrem Projekt um Kapital bewerben. Die Investoren können mit ihrem Token über die Vergabe des Budgets an Projekte abstimmen und erhalten eine definierte Gewinnbeteiligung. Die Organisation funktioniert wie ein Fonds, allerdings ohne Management, ohne festen Firmensitz, gesteuert allein durch den Code des Programms in der Blockchain. Die Idee kam an und wurde mit einem investierten Kapital von 144 Millionen US-Dollar innerhalb weniger Wochen zum größten Crowdfunding der Geschichte.

Nach einem Hackerangriff existiert die DAO heute nur noch in einem Zweig der Ethereum-Blockchain und wird nicht mehr weiterentwickelt. Solche Rückschläge zeigen, dass diese Technologie noch nicht reif ist, aber aufgrund der hohen Nachfrage Zukunft hat.

Slock.it heißt das aktuelle Projekt von Christoph und Simon Jentzsch. Das Start-Up bringt die Blockchain ins Internet der Dinge. Immer mehr Geräte und Fahrzeuge sind online. Mit Slock.it bekommen diese Dinge ein digitales Bankkonto, können Verträge schließen und untereinander interagieren – ohne Menschen.

Die beiden Brüder aus Mittweida sind im Oktober mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet worden.

Informationen zur "Java User Group Saxony" hier

Von: presse@hs-mittweida.de