Zweimal Anerkennung für Mittweida: Sächsischer Staatspreis für Baukultur

07.11.2015, 15:25

Auszeichnung für Zentrum für Medien und Soziale Arbeit und Technikumplatz mit „T9“

Ausgezeichnetes Haus der Begegnung:
das Zentrum für Medien und Soziale Arbeit
der Hochschule Mittweida

Gleich zwei Wettbewerbsbeiträge in der Hochschulstadt Mittweida haben gestern in Dresden eine Anerkennung zum Sächsischen Staatspreis für Baukultur erhalten: das im vergangenen Jahr eingeweihte Zentrum für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida an der Bahnhofstraße und der im Jahr 2011 neu gestaltete Technikumplatz unterhalb des Hauptgebäudes der Hochschule, der seit Anfang dieses Jahres mit der Eröffnung des T9 komplett ist. Im T9 befindet sich unter anderem das gemeinsame Informationszentrum von Stadt und Hochschule Mittweida. Der alle zwei Jahre vergebene Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto "Baukunst schafft Orte der Begegnung".

Ort der Begegnung: Zentrum für Medien und Soziale Arbeit

Hier begegnen sich Studierende und Lehrende zweier Fakultäten, hier begegnen sich Hochschule und Stadt in vielfältigen Veranstaltungen, wie dem Zukunftsforum, dem Hochschultheater, dem Tag der sozialen Arbeit oder in Ausstellungen.

In der Begründung der Jury heißt es: "Das Medienzentrum ist ein modernes Hochschulgebäude. Die plastisch gestaltete Fassade aus über 600 Betonteilen wirkt in ihrer schwarz eingefärbten Terrazzooptik überzeugend. Die horizontale und vertikale Staffelung der Fassade und die Abstufung nach oben lässt den Bau repräsentativ und optisch leicht erscheinen. Die arhytmische Gestaltung der Fassade und die unterschiedlichen Geschosshöhen führen zu einer Differenzierung und Eleganz des Baukörpers. Die Fensteröffnungen haben durch stärkere Leibungen eine plastische Wirkung. Der Baukörper bildet einen städtebaulichen Lückenschluss und ein Gegengewicht zu den gegenüberliegenden Gebäuden. Besondere Orte der Begegnung stellen sowohl im Innern die Verbindung aus Foyer, Treppenanlage und Atrium als auch die hofseitige Freifläche dar."

Die Gesamtkosten für den Bau des Zentrums für Medien und soziale Arbeit beliefen sich auf rund 34 Millionen Euro, finanziert aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Land. Hinzu kamen fast 3 Millionen Euro für die medientechnische Ausstattung. Die am Bau beteiligten Firmen kamen fast ausschließlich aus Sachsen.

Ort der Begegnung: Technikumplatz mit T9

Hier begegnen sich Stadt und Hochschule räumlich, der Technikumplatz öffnet die Innenstadt zum Campus. Im T9 informieren Stadt und Hochschule gemeinsam.

Die Jury bestätigt: "Der ansteigende Technikumplatz mit dem Informationszentrum ... ist eine städtebauliche Bereicherung mitten in der Stadt. Dieser grüne und zugleich städtische Platz mit seiner Ausrichtung auf das historische Technikum ist ein wahrer Ort der Begegnung. ... Der Technikumplatz und Informationszentrum T9 Mittweida erhält eine Auszeichnung, weil es gelungen ist, einen öffentlichen Platz ohne Aufenthaltsqualität so umzugestalten, dass er neu wahrgenommen und angenommen wird als Begegnungsraum. Das Ensemble eines ironisch erinnernden Neubaus mit Spiegelfassade, eine terrassenförmige Platzfläche und Höhenstaffelung und Technikum, verleihen dem gestalteten Raum einen besonderen städtebaulichen Akzent. Die Begegnung vor asymmetrischer Glasfassade, Geh-, Steh- und Sitzflächen auf dem Platz und der gründerzeitlichen Fassade korrelieren die erwartete Begegnung von Mitgliedern des Jugendclubs, Passanten und Studenten."

Die grundhafte Neugestaltung und funktionale Aufwertung einer der wichtigsten innerstädtischen Plätze Mittweidas kostete ca. 1,2 Millionen Euro und wurde aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zu 75% gefördert.

Das Projekt T9 ist in Zusammenarbeit der Stadt Mittweida, der Hochschule Mittweida, des Studentenwerks Freiberg und des Vereins CVJM e.V. entstanden. Im Erdgeschoss befindet sich neben dem Informationszentrum eine Kindertagespflege, und im Obergeschoss hat der Jugendclub "drop in" des CVJM e.V. seinen Platz gefunden.

Orte der Begegnung ausgezeichnet

Das Staatsministerium des Innern, die Architektenkammer Sachsen und die Ingenieurkammer Sachsen haben insgesamt sechs Beiträgen im Wettbewerb um den von ihnen gemeinsam ausgelobten Staatspreis für Baukultur 2015 eine Anerkennung ausgesprochen. Die siebenköpfige unabhängige Jury unter Leitung des Frankfurter Architekten Prof. Michael Schumacher hat in diesem Jahr entschieden, keinen Staatspreis zu verleihen, sondern stattdessen die besten Beiträge mit einer Anerkennung auszuzeichnen. Diese setzten sich gegen 46 Mitbewerber durch. Die Auslobung des Preises, der alle zwei Jahre verliehen wird, stand unter dem Motto "Baukunst schafft Orte der Begegnung".

Mit dem diesjährigen Wettbewerbsthema werde gezeigt. so die Architektenkammer, dass Baukultur ganz lebensnah öffentliche Begegnungsstätten sowie beliebte Treffpunkte schafft und damit die Kommunikation zwischen Menschen belebt. Der Staatspreis für Baukultur habe anspruchsvolle Bewertungsmaßstäbe. Die Auslobung des diesjährigen Preises habe zur regen Teilnahme angespornt: Mit 52 Beiträgen gebe es so viele Einreichungen wie noch nie zuvor. Die Bandbreite der sechs Auszeichnungen zeige, dass in Sachsen ein qualitativ hochwertiges und kreatives Niveau bei der Lösung ganz unterschiedlicher Bauaufgaben besteht. Die Spannweite reichte dabei vom Hochschulbau über den öffentlichen Platz bis hin zu Gesellschaftsräumen.

Neben den beiden Projekten in der Hochschulstadt Mittweida wurden auch ausgezeichnet: das Programmkino Ost in Dresden, der Landschaftspark Oelsnitz, der kleine Schlosshof des Residenzschlosses in Dresden und die Halle 14 der Leipziger Baumwollspinnerei. Mit den diesjährigen Auszeichnungen wurden Beiträge gewürdigt, die insbesondere Qualität, Funktionalität, Innovation und den Umgang mit Ressourcen vereinen und vorbildhaft das Zusammenwirken von Bauherr, Planer und Bauunternehmen zeigen. Wesentliches Kriterium der Auszeichnungen war, ob das Objekt einen herausragenden Beitrag zur Anhebung des Niveaus der Baukultur in Sachsen geleistet hat. Zugelassen zum Wettbewerb waren Projekte, die seit dem Jahr 2005 im Freistaat Sachsen realisiert wurden und das Thema in herausgehobener Weise aufgegriffen haben.

Von: Helmut Hammer