Akademisches Preisgewitter

Freitag 09. November 2018, 16:18

Auszeichnungen für Absolventen und Wissenschaftler während der Interdiszplinären Wissenschaftlichen Konferenz Mittweida

Feierliches Ambiente: Rektor Professor Ludwig Hilmer
begrüßte die Gäste zur Abendveranstaltung im
Wasserkraftwerk Mittweida.

Flashen und Slammen, also kurzweilige wissenschaftliche Wettkämpfe, monatelange Mühen für die Abschlussarbeit oder auch ein halbes Lebenswerk: Besondere wissenschaftliche Leistungen herauszustellen und einem breiteren Publikum vorzustellen, ist fester Bestandteil der Tagungen an der Hochschule Mittweida. Während der Interdisziplinären Wissenschaftlichen Konferenz Mittweida (IWKM) am 24. und 25. Oktober 2018 verlieh die Hochschule gleich vier Auszeichnungen und eine goldene Ehrennadel.

Das „Preisgewitter“ eröffnete Laudator Prof. Dr.-Ing. Jörg Matthes, Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften, bei der Eröffnungsveranstaltung der IWKM am Mittwoch mit der Vergabe des Gerhard-Neumann-Preises an die Wirtschaftsingenieurin Stefanie Winkler. Der Namensgeber Gerhard Neumann studierte von 1936 bis 1938 an der damaligen Ingenieurschule Mittweida Maschinenbau und arbeitete in China und den USA an der Entwicklung von Stahltriebwerken, war unter anderem Vize-Präsident von General Electric. Seit dem Jahr 1999 wird der Preis in seinem Namen an Studierende verliehen, die im Rahmen einer Abschlussarbeit eine technische Innovation erbracht haben. Stefanie Winklers Diplomarbeit zum Thema „Optimierung des End-of-Line-Bereichs einer Fertigungslinie für Abgasreinigungsanlagen von Nutzfahrzeugen“ im Werk Eberspächer Exhaust Technology Wilsdruff GmbH & Co. KG entsprach genau diesen Bedingungen. Sie widmete sich der Aufgabe, die Automatisierung des Endbereichs einer Förderstrecke von Fertigungsanlagen zu realisieren. Die Gutachter lobten dabei vor allem ihre systematische und methodenbasierte Vorgehensweise. Die von Stefanie Winkler dokumentierten Ergebnisse sollen zukünftig auch für die Ausbildung von Ingenieuren genutzt werden.

Ein weiterer Preis, der nach einem Absolventen der Hochschule Mittweida benannt ist, ist der Carl-Springe-Preis. Ihn erhielt im Jahr 2018 Thomas Wachsmuth während der Abendveranstaltung der IWKM im Wasserkraftwerk Mittweida. Mit seiner Masterarbeit „Entwicklung und Aufbau eines Versuchsstandes mit leistungselektronischem Stellglied zur hochdynamischen Ansteuerung einer lagegeregelten Linearachse“, entwickelte Wachsmuth eine Versuchsanordnung, die auch für die Praktika nachfolgender Masterstudenten eingesetzt werden kann. Durch seine Arbeit kann das Fahrprofil eines riemenbetriebenen Schlittens schneller und detaillierter experimentell ausgewertet werden. Gestiftet wird dieser Preis für herausragende Abschlussarbeiten von besonderem wissenschaftlich-technischen Wert in Elektro- und Informationstechnik seit dem Jahr 2001 von Helmut von Dreising, dem Enkel von Carl Springe. Der Namensgeber selbst studierte Elektrotechnik und Maschinenbau von 1901 bis 1904 in Mittweida.



Bei der Abendveranstaltung der IWKM am Mittwoch verlieh die Hochschule auch die goldene Ehrennadel an Prof. Dr. David Smyth für sein Lebenswerk. Smyth prägt seit 2003 entscheidend die Kooperation zwischen der Hochschule Mittweida und der University of the West of Scotland (UWS) und ermöglichte damit vielen Studierenden einen Auslandsaufenthalt. Er arbeitete bis zum Eintritt in seinen Ruhestand im Jahr 2015 an der UWS als Academic Director (vergleichbar mit der Position des Dekans in Deutschland). An der Hochschule Mittweida gilt er als Fachmann auf dem Gebiet der ganzheitlichen Betrachtung computerunterstützter Entwicklung und Fertigung. In seiner Laudatio resümiert Prof. Dr.-Ing. Uwe Mahn, Prorektor für Forschung: „Professor David Smyth wird als umgänglicher und weltoffener Wissenschaftler und anerkannter sowie erfahrener Hochschullehrer wahrgenommen. Der Einfluss von Professor David Smyth hat bis nach Sachsen gewirkt und nachhaltig zur Internationalisierung der Hochschule beigetragen. Aus diesem Grund wird ihm heute die Ehrennadel in Gold verliehen.“

Seit em Jahr 2016 wird an der Hochschule Mittweida der Wissenschaftspreis an Nachwuchswissenschaftler vergeben, um herausragende Leistungen in Forschung und Entwicklung anzuerkennen und um Anreize für weitere Vorhaben zu geben. Alle Nachwuchswissenschaftler der Hochschule können Ergebnisse aus abgeschlossenen Forschungsthemen, verteidigten Zwischenergebnissen oder Publikationen einreichen. Die Vergabe der Preise wird dann hälftig durch die Begutachtung fachbezogener Professoren und durch die Stimmen des Publikums beim "Science Flash" entschieden. Im Jahr 2018 konnte Stefanie Walter mit ihrer Arbeit zum Thema „Social nature as a practical example of social media and biodiversity education in schools“ die Jury für den ersten Platz überzeugen. In dem Projekt erstellte Walter zusammen mit Kindern und Jugendlichen altersgerechte wissenschaftliche Beiträge auf sozialen Netzwerken. Durch diese Zusammenarbeit stiegen das Interesse und der Wissensstand der Jugendlichen merklich an. Den zweiten Platz belegte Dr. Marika Kaden mit dem Projekt “Effektive Probabilistische Klassifikationsmodelle unter Nutzung von GPU-Architekturen“, in dem sie schnellere informatische Lernprozesse für das Klassifizieren von Daten vorstellte. Der dritte Platz ging an Theo Pflug für seine Arbeit „Kohärentes und selektives Anregen und Abtragen von organischen Stoffen mit mid-iR Laserstrahlung“. Mit seiner Methode können zum Beispiel flexible Displays oder Solarzellen hergestellt werden.

Der letzte wissenschaftliche Wettstreit der IWKM war der erste Saxony⁵ Science Slam. Das Verbundprojekt Saxony⁵ der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Dresden, Leipzig, Zwickau, Zittau/Görlitz und Mittweida arbeitet daran, Know-How und Ressourcen zu verknüpfen und zwischen Hochschulen und ihren Zielgruppen in Wirtschaft und Gesellschaft zu vermitteln. Sechs Wissenschaftler aus Zittau, Dresden, Zwickau und Mittweida traten am 25. Oktober im  Herbert E. Graus TV-Studio in Mittweida gegeneinander an, um möglichst kurz und unterhaltend ihr aktuelles Forschungsthema zu präsentieren. Als Gewinner ließ das Publikum Kristan Schneider, Professor für Modellbildung und Simulation an der Fakultät Angewandte Computer- und Biowissenschaften der Hochschule Mittweida, für seinen aufgeweckten Beitrag über Evolutionsmodelle von der Bühne gehen. MDR Wissen übertrug den gesamten Saxony⁵ Science Slam auf Facebook.

Text: Lisa Prudnikow
Fotos: Helmut Hammer (1-8), Lisa Prudnikow (9)

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