„Mit einer Währung hat ein Kryptotoken nichts zu tun“

Freitag 21. September 2018, 09:00

Dr. Johannes Beermann beurteilt Kryptotoken wie Bitcoin kritisch. Blockchain hält der Bundesbank-Vorstand trotzdem für eine große Chance.

Dr. Johannes Beermann, Vorstand der Deutschen Bundesbank, bei der Blockchain Autumn School 2018 im Interview vor einer Kamera.

Dr. Johannes Beermann vertrat die Deutsche
Bundesbank bei der Blockchain Autumn School
2018 in Mittweida.

Herr Dr. Beermann, in Ihr Ressort als Vorstand der Deutschen Bundesbank fällt unter anderem das Thema „Bargeld“. Wie beurteilen Sie die Blockchain-Technologie und welche Aktivitäten verfolgt die Bundesbank in diesem Bereich?

Die Blockchain-Technologie ist eine sehr hoffnungsvolle, junge, innovative Technologie, die in der Lage ist, viele Geschäftsprozesse zu optimieren, transparenter zu machen, zu ersetzen oder sogar neue Geschäftsfelder zu öffnen. Sie ist damit eine sehr große Chance für alle Beteiligten. Wie es immer bei jungen Technologien ist, muss man aufpassen, dass sie nicht dazu benutzt wird, billig Geld zu machen oder hochrisikohafte Investments zu verlangen. Deshalb denke ich, dass die Blockchain-Technologie, was den Bereich Kryptotoken betrifft, sehr aufmerksam zu beobachten und auch kritisch zu sehen ist. Sie kann aber bei Authentifizierungsverfahren, bei der Beschleunigung von Käufen und Verkäufen, Darlehensvergaben rund um den Globus eine sehr große Rolle spielen. Im Bereich der Wertpapiere haben wir als Deutsche Bundesbank tatsächlich schon angesetzt, die Blockchain-Technologie zusammen mit der Deutschen Börse zu erproben.

Sie erwähnen bereits die Kryptotoken, die von einigen bereits als „Kryptowährung“ bezeichnet werden. Aus definitorischer Sicht falsch, da unter anderem die Verknüpfung zum Staat ebenso nicht gegeben ist, wie die Kontrolle durch eine Zentralbank. Ein disruptives Potenzial scheint aber durchaus gegeben. Sehen Sie dies ähnlich?

Kryptotoken sind Kryptotoken. Das heißt, sie sind selbstherausgegebene Einheiten, die suggerieren, dass sie etwas wert sind. Mit einer Währung hat das allerdings überhaupt nichts zu tun. Eine Währung ist der Euro. Dort stehen Zentralbanken und Volkswirtschaften wie in diesem Fall die europäische dahinter, dort wird unter anderem mit einer öffentlichen Unterschrift auf einem Geldschein garantiert, dass er das wert ist, was auf ihm steht, sodass man diesen Wert auch jederzeit verwenden kann. Ein Kryptotoken kann heute viel und morgen gar nichts mehr wert sein und übermorgen vom Markt verschwinden. Er kann digital gestohlen werden, niemand weiß genau, wer dahintersteckt – da kann man die Unterschiede zu einer Währung leicht erkennen.

Bitcoin als prominentestes Beispiel der Kryptotoken vermittelt die Vision, dass Intermediäre wie Banken letztlich überflüssig werden könnten. Wir beurteilen Sie die Auswirkungen, die letztlich aufseiten der Wirtschaft eintreten könnten?

Die Wirtschaft reagiert im Moment vernünftig. Kryptotoken – egal welcher Art – werden schließlich kaum als Tauschmittel verwendet, sondern als hochrisikobehaftetes Investment. Insofern stellt sich die Frage, ob in einer Wirtschaft, die auf Vertrauen und eine reale Währung setzt und in der für Ware und Dienstleistungen tatsächlich Geld mit einem bestimmten Wert fließen muss, der Entwicklung von Kryptotoken sehr schnell auch Grenzen gesetzt sind. Das glaube ich.

Die Hochschule Mittweida bietet den Masterstudiengang „Blockchain & Distributed Ledger Technologies“ an, der erste seiner Art auf dem europäischen Festland. Wie bewerten Sie dieses Angebot?

Blockchain ist eine Technologie mit Zukunft. Blockchain ist eine Technologie, die sich sehr schnell, wenn nicht rasant entwickelt. Deshalb ist es sehr lobenswert, dass die Hochschule Mittweida sich um diese Technologie kümmert. Sie hat einen Trend aufgenommen, der unsere Zukunft mitentscheiden kann. Hier hat sie, wie schon häufig, auf das richtige Pferd gesetzt und wird damit sicher erfolgreich sein.

Mehr Informationen zum Masterstudiengang "Blockchain & Distributed Ledger Technologies"