Kalenderblatt: Er baute Autos

25.07.2019, 05:30

110 Jahre liegt die Gründung von Audi zurück. Ein Rückblick auf das Wirken des weltweit bekanntesten Mittweidaer Absolventen.

Günter Radtke collagierte August Horchs Wirken vom Reichenbacher Unternehmen zur Auto Union. Den Ausgangspunkt legt der Künstler an das Technikum Mittweida.

Günter Radtke collagierte August Horchs Wirken vom Reichenbacher Unternehmen zur Auto Union. Den Ausgangspunkt legt der Künstler an das Technikum Mittweida.

Seit Generationen sind die Horchs Schmiede in Winningen an der Mosel. August Horch lernt im väterlichen Betrieb, besucht die Volksschule, geht anschließend auf Wanderschaft und bewirbt sich dann in Mittweida.

Für August Horch ist es selbstverständlich, ab 1888 Maschinenbau am bekannten Technikum zu studieren. Er schließt das Ingenieurstudium im Jahr 1891 mit gutem Erfolg ab. Nach mehreren verschiedenen Anstellungen, unter anderem ab 1896 bei „Benz & Co. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“, gründet er dann 1899 eine eigene Firma.

Schon in Köln beweist er seine Experimentierfreudigkeit und verwendet für seinen ersten Motorwagen einen Kardanantrieb. Der Phaeton, äußerlich außer durch fehlende Pferde nicht von einer Kutsche zu unterscheiden, befördert mit 5 PS vier Personen.

Der Automobilsport als Werbung

Im Jahre 1902 kehrt August Horch nach Sachsen zurück, zuerst in Reichenbach und ab 1904 in Zwickau baut er Automobile. Ab Mai 1903 erprobt und produziert er Vierzylindermotoren unterschiedlicher Leistung, verwendet Chromnickelstahl als Konstruktionswerkstoff unter anderem für Zahnräder. 1907 präsentiert er im Horch 26/65 PS den ersten Sechszylindermotor.

In einer Zeit, in der Automobile teils noch kritisch gesehen werden, und verschreibt sich Horch mit Leib und Seele dem Automobilrennsport und nutzt die aufkommenden Tourenwagen-Rallyes, um die Zuverlässigkeit seiner Konstruktionen zu beweisen. Schon 1906 gewinnt einer seiner Wagen die schwierige Herkomer-Konkurrenz. Weil die Erfolge danach aber ausbleiben und die Forma auch wirtschaftlich nicht so stark wie gewünscht blüht, fordert der Aufsichtsrat seiner Firma ihn auf, aus dem Unternehmen auszuscheiden.

Horch zieht Qualität der Rendite vor

Horch, der stets mehr Wert auf Qualität denn auf Rendite legte, gründet daraufhin am 16. Juli 1909 in Zwickau eine neue Fabrik, die ab 1910 den Namen „Audi“ trägt (latein. Imperativ: audi = horch!). Dem Motorsport bleibt er treu: Der Audi Typ C mit 3,5-Liter-Vierzylinder und 35 PS wird zum „Alpensieger“. Zweimal gewinnt Horch die Österreichische Alpenfahrt. Über 1424 km läuft sein Typ C mit höchster Zuverlässigkeit.

Als auch die Audiwerke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, geht Horch als beeidigter Sachverständiger nach Berlin. Dort ebnet er dem Automobil neue Wege: Er ist Mitglied der Rennleitung des ersten Avus-Rennens, sitzt im Aufsichtsrat der Automobilausstellung 1923, wird Leiter des Normenausschusses der Deutschen Industrie und erster Präsident der Deutschen Verkehrswacht.

Zusätzlich initiiert Horch, der mittlerweile von der Technischen Hochschule Braunschweig die Würde des Ehren-Doktoringenieur verleihen bekommen hat, die fast weltweit einheitliche Linkssteuerung. Mit seinem Werk in Zwickau bleibt er als Aufsichtsrat verbunden.

Warum drei der vier Audi-Ringe bis heute auf Mittweida zeigen

Als 1928 die Weltwirtschaftskrise tobt, wird auch Audi nicht verschont. Die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen, mit 65.000 Maschinen der größte Motorradhersteller der Welt, übernehmen die Aktienmehrheit. Als auch die Rasmussen-Werke mit ihrer Marke DKW in Schwierigkeiten geraten, werden beide Firmen mit den Horchwerken und Wanderer zusammengeführt. Im Juni 1932 entsteht so die Auto-Union. Zum Firmenlogo werden vier Ringe, die die vier Fusionswerke repräsentieren und nach Mittweida weisen: Wie Horch war auch Jørgen Skafte Rasmussen Absolvent des Technikums, drei der vier Ringe des heutigen Audi-Logos gehen also auf die Ingenieurausbildung in Mittelsachsen zurück.

Die repräsentativen Limousinen unter dem Namen Horch bleiben nach der Fusion gefragt. Schriftsteller Thomas Mann, Box-Weltmeister Max Schmeling, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Luis Trenker, Bundeskanzler Konrad Adenauer und DDR-Präsident Wilhelm Pieck schätzten ihren Horch. Als August Horch 1933 Aufsichtsratsvorsitzender wird, feiern die Silberpfeile aus Zwickau im Wettstreit mit Mercedes Benz neue Weltrekorde. Hans Stuck stellt 1934 mit einem Rennwagen der Auto Union insgesamt drei auf.

Als die Auto Union schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg die Auto Union GmbH in Ingolstadt neugegründet wird, ist August Horch bereits 81 Jahre alt. Die dritte Horch-Firma würdigt das Lebenswerk des Mittweidaer Maschinenbau-Absolventen, indem sie ihn in den Aufsichtsrat beruft.

Horch bezeichnet Mittweida als Basis für seinen Erfolg

Die Zeit in Mittweida betrachtet Horch selbst als Basis für sein erfolgreiches Wirken. Auf die Glückwünsche der Direktion der aus seiner Alma Mater hervorgegangenen Ingenieurschule zu seinem 70. Geburtstag antwortet August Horch am 26. Oktober 1938:

„Sehr geehrte Herren,

über Ihre Glückwünsche habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich konnte mich wieder daran erinnern, wie ich als Jüngling auf der ausgezeichneten Ingenieur-Schule Mittweida meinem Studium obliegen konnte, wodurch es mir gelungen ist, später etwas zu leisten und unserem deutschen Vaterlande Nutzen zu erbringen.

Es ist mir eine Genugtuung, dass meine Lebensarbeit vor allem unserer nachfolgenden Jugend zum Segen gereichen möge.

Audi - Horch"

Weiterführende Literatur:

  • Horch, A.: Ich baute Autos, Schützen-Verlag Berlin, 1937
  • Hochschulblatt, Extraausgabe zum 50. Todestag von August Horch, Mai 2001, Heft 20

Unsere Kalenderblätter blicken auf die Geschichte der Hochschule Mittweida. Anhand aktueller Anlässe zeichnen wir bedeutende Meilensteine der Hochschulgeschichte nach.

    • August Horch: Er baute Autos
Von: Jan-Peter Domschke und Hansgeorg Hofmann