„Ich bin die Schuld“

Montag 10. Juli 2017, 11:25

Vernissage zur Ausstellung »Resozialisierung durch Kunst & Kultur«. Ausstellung bis Ende Juli in Mittweida.

Das Zentrum für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule
Mittweida ist wieder idealer Ort für eine Ausstellung.

Kunst und Freiheit – zwei Begriffe, die eigentlich zusammengehören. Kunstfreiheit ist ein Grundrecht. Was aber Kunst für Menschen bedeutet, die als Inhaftierte in Strafvollzugsanstalten künstlerisch tätig sind, zeigt die Ausstellung, die derzeit in Mittweida zu sehen ist: »Resozialisierung durch Kunst & Kultur«. Die Wanderausstellung macht bis zum 30. Juli im Zentrum für Medien und  Soziales der Hochschule Station. Sie zeigt unterschiedliche Werke und Objekte von Häftlingen aus sächsischen Vollzugsanstalten, darunter auch der JVA Waldheim.

Die Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag vergangener Woche war ein gemeinschaftliches Projekt der sächsischen Justizvollzuganstalten, Jörg Wolfgang Krönert / in-Cultura.com und 15 Studierenden der Fakultäten Medien und Soziale Arbeit unter der Leitung von Diplom-Designer Norbert Rasch, Fakultät Medien, und Frank Czerner, Professor für Recht in der Sozialen Arbeit.

Jörg Wolfgang Krönert vom externen Projektpartner in-cultura.com berichtete über die Entstehung des Projekts >>Resozialisierung durch Kunst & Kultur<<, das auch in einem gleichnamigen Buch dokumentiert ist. So vielfältig wie die gezeigten Arbeiten – Gemälde, Objekte, Gedichte – so unterschiedlich sei auch die Motivation der Künstler: von der Freizeitbeschäftigung bis zur Auseinandersetzung mit der eigenen Straftat.

Diesen Gedanken entfaltete der Jurist Professor Frank Czerner. Er sieht eine mehrfache Brückenfunktion der Bilder, Texte und Skulpturen, in denen sich die Strafgefangenen mitteilen:
Zunächst sei das die Brücke des Täters zu sich selbst, zu seinen eigenen Anteilen an der Straftat, zu seinem Dafür-Können, die „reflexive Brücke“,, so Czerner, dann die „empathische Brücke“, die Brücke des Täters zum Opfer, die helfe, langsam die Sicht des Opfers einzunehmen, und weiter die „Brücke zur Gesellschaft“, zu denen „da draußen“, wenn der Täter wieder aus dem Gefängnisaufenthalt zurückkehrt und re-sozialisiert werden möchte. „Das muss  schon dem Namen nach eine gesellschaftliche Aufgabe sein.“ Und so habe diese Kunst schließlich eine kommunikative Funktion, weil sie zum gesellschaftlichen Diskurs und zum Nachdenken darüber auffordere, ob Kunst und Kultur so etwas wie Re-Sozialisierung (mit-)bewirken kann.

Dieser Aufforderung anschaulich nachzugehen, haben Interessierte noch bis zum 30. Juli 2017, täglich außer sonntags von 7:30 bis 20:00 Uhr im ersten Stock des Zentrums für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida, Bahnhofstraße 15, 09648 Mittweida. Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich, an der linken Gebäudeseite findet sich ein Zugang für Rollstuhlfahrer.

Von: Helmut Hammer