Gemeinsam gegen Cyberkriminalität

Freitag 22. September 2017, 15:47

Hochschule Mittweida und Fraunhofer-Gesellschaft eröffnen "Lernlabor Cybersicherheit". Gemeinsame Forschung und Weiterbildungsangebote in IT-Forensik.

Band durchschnitten, Kooperation geknüpft:
Professor Dirk Labudde und Rektor Ludwig Hilmer von
der Hochschule Mittweida, Dr. Raoul Klingner von
Fraunhofer und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (v.l.)

Am Mittwoch dieser Woche starteten die Hochschule Mittweida und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT ihr gemeinsames Themenfeld „IT-Forensik“. Beide Partner haben dazu ein neues „Lernlabor Cybersicherheit“ eröffnet.
In Mittweida können sich damit in Zukunft sowohl Fachkräfte als auch Manager von Unternehmen und Behörden fit machen, um im Wettlauf mit Cyberkriminellen einen Schritt voraus zu sein. Die Partner entwickeln dazu Weiterbildungsangebote zu den Themen IT-Forensik und Automotive Security. Die enge Kopplung von Forschung und Weiterbildung sorgt dafür, dass die Qualifizierung auf Basis immer aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse geschieht.

Bei der Eröffnung waren neben Rektor Prof. Ludwig Hilmer und den IT-Forensik-Spezialisten der Hochschule der Sächsische Staatsminister des Inneren, Markus Ulbig, und Uwe Gaul, Staatssekretär im Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sowie Vertreter von Fraunhofer anwesend, darunter Dr. Raoul Klinger, Direktor Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft und  Professor Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT in Darmstadt.

Innenminister Markus Ulbig: »Ich freue mich, dass nach der im August besiegelten Kooperation der sächsischen Polizei mit der Hochschule Mittweida das neue Labor gute Rahmenbedingungen für eine realitätsnahe Ausbildung von IT-Forensikern schaffen wird. Damit bringen wir die Computerexperten bei der Polizei technisch und taktisch auf Augenhöhe mit den Straftätern im wachsenden Feld der Internetkriminalität.«




IT-Forensik: Spurensuche nach der Cyberattacke

Das Internet stellt die wichtigste Infrastruktur für die Digitalisierung dar und bildet die Basis vieler innovativer Anwendungen. Über die Vernetzung und die Öffnung von IT-Systemen werden Betriebe und Behörden aber auch angreifbar für Cyberattacken und Schadsoftware.
Nach einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom  wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland Opfer von Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Der Schaden wird auf rund 55 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, ein Anstieg um rund acht Prozent gegenüber der Studie vor zwei Jahren.

Sichere Technologien sowie Fach- und Führungskräfte mit entsprechenden IT-Sicherheitskompetenzen sind deshalb unentbehrlich, um die Chancen der Digitalisierung ohne Risiko ergreifen zu können.

Fraunhofer und ausgewählte Hochschulen bauen dazu bundesweit zahlreiche "Lernlabore für Cybersicherheit" mit modernster IT-Infrastruktur auf.
Schwerpunktthema im Mittweidaer Lernlabor ist die IT-Forensik. Im Kern geht es um die digitale Spurensuche und Datenanalyse nach einem Vorfall, also beispielsweise nach der Attacke auf das Firmennetzwerk. Entscheidend ist eine Grundregel, die jeder Kriminalbeamte aus der beruflichen Praxis kennt: Bei der Untersuchung dürfen die Spuren nicht verändert oder beschädigt werden. "IT-Forensik ist wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft, denn die entsprechende Fachkompetenz ist Grundlage für eine angemessene Reaktion auf Cybersicherheitsvorfälle sowie für die Aufklärung und Strafverfolgung von Cyberverbrechen", sagte SIT-Institutsleiter Waidner. "Die Hochschule Mittweida und das Fraunhofer SIT ergänzen sich im Bereich der IT-Forensik hervorragend".




Kooperation für mehr Kompetenz

„Mit dem Lernlabor wird eine interdisziplinäre Symbiose der Kompetenzen über Einrichtungsgrenzen hinweg geschaffen – ein Transfernetzwerk, das die Partner aus angewandter Forschung und Hochschule mit IT-Unternehmen, Behörden und weiteren Anwendern verknüpft. Die Fraunhofer-Gesellschaft bringt ihre Forschungskompetenz ein. Die Hochschule Mittweida hat in der angewandten Informatik mit den Teilgebieten IT-Forensik und IT-Sicherheit als Schwerpunkt in Forschung und Wissenstransfer besondere Stärken. Beide werden ihre Stärken in der Ausbildung hervorragend ausgebildeter Sicherheits- und Ermittlungsspezialisten weitergeben“, erklärte Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange im Vorfeld.

Die Forensik-Experten der Hochschule Mittweida um Professor Dirk Labudde forschen seit einigen Jahren an neuen Werkzeugen für die Aufklärung von Straftaten im Bereich Cyberkriminalität. Das Fraunhofer SIT besitzt große Kompetenzen in der IT-Sicherheit und entwickelt seit Jahren Lösungen für Wirtschaft und Behörden. Durch den Verbund mit Fraunhofer kann die Forschung an der Hochschule unter noch besseren Bedingungen erfolgen und Weiterbildungsangebote einem größeren Nutzerkreis von Sicherheits- und Forensik-Experten aus Industrie und Behörden zur Verfügung gestellt werden.

Schon länger vermitteln die Mittweidaer IT-Forensiker ihre Kompetenzen anwendungsnah auch in Studium und Weiterbildung. Sie arbeiten hier mit dem BKA, dem Bund deutscher Kriminalbeamter, den sächsischen und thüringischen Landeskriminalämtern sowie den Staatsanwaltschaften des Freistaats Sachsen zusammen. Die neuen Studiengänge wie der bundesweit einmalige Bachelorstudiengang „Allgemeine und Digitale Forensik“, der berufsbegleitende Fernstudiengang „IT-Forensik/Cybercrime“ und der Masterstudiengang „Cybercrime/Cybersecurity“ sind derzeit stark nachgefragt und können durch die Kooperation mit Fraunhofer noch anwendungsnäher ausgestaltet werden.



Rektor Ludwig Hilmer zur neuen Zusammenarbeit: „Die Freude ist groß. Der Start des Lernlabors ist ein Meilenstein auf dem Weg zur digitalen Hochschule. Wir sind in der IT-Ausbildung und in der Kooperation mit staatlichen Stellen in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. Die neue Art der Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft und damit das Engagement des Bundes ist eine Bestätigung für die hervorragende Forschung unserer IT-Forensiker und wird sie noch weiter voranbringen.“

Lernlabore für den Nachholbedarf bei Security-Themen

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat mit den Lernlaboren Cybersicherheit ein Konzept geschaffen, das Forschung und Vermittlung von IT-Know-how in praxisnaher Weiterbildung miteinander verbindet. Mit der Einrichtung in Mittweida sind inzwischen sechs Lernlabore mit Standorten an ausgewählten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in ganz Deutschland am Start. Jedes Labor setzt seinen eigenen Schwerpunkt. In ihrer Gesamtheit bilden sie die ganze Vielfalt der Themen ab, die zur IT-Sicherheit gehören.

Es gibt einen hohen Nachholbedarf bei der Weiterbildung. Denn die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen oder Behörden wurde zu einer Zeit ausgebildet, als Aspekte wie IT-Sicherheit oder IT-Forensik noch gar nicht auf dem Lehrplan standen.
Fach- und Führungskräfte aus Industrie und öffentlicher Verwaltung erhalten in den Lernlaboren eine kompakte Qualifizierung . Sie stellen dort reale Bedrohungsszenarien nach, lernen deren Bedeutung und Konsequenzen zu erkennen und studieren geeignete Lösungskonzepte praxisnah in ihrem Einsatz und ihrem Wirkungsgrad. Es werden Module in den nachfolgenden Themenfeldern angeboten: – "Industrielle Produktion/Industrie 4.0" – "Kritische Infrastrukturen/Anwendungsfall Energie- und Wasserinfrastrukturen« – »Hochsicherheit und Emergency Response" – "Internetsicherheit und IT-Forensik" – "Softwarequalität/Produktzertifizierung" – "Embedded Systems, Mobile Security und Internet of Things"

Weitere Informationen zum Lernlabor Cybersicherheit auch hier.



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