Historischer Techniker-Bummel zu den Anfängen der Hochschule in der Hochschulstadt Mittweida

Abendlicher Geschichtsspaziergang für Bürger, Erstsemester und alle Hochschulangehörige durch die Hochschulstadt am 7. Oktober. Eröffnung des „1865“ im ehemaligen „Black&White“

Zum Beginn des Wintersemesters im 150. Jubiläumsjahr lädt die Hochschule Mittweida gemeinsam mit der Stadt Mittweida am Mittwoch, dem 7. Oktober, ab 19:00 Uhr zu einem Spaziergang entlang der Orte der Anfänge ein. Unmittelbar nach der feierlichen Immatrikulation in der Stadtkirche „Unser lieben Frauen“ sind die Erstsemester, ihre Angehörigen, Professoren und Mitarbeiter der Hochschule gemeinsam mit den Bürgern und Gästen der Hochschulstadt zum Historischen Techniker-Bummel eingeladen.

Die Studenten des früheren Technikums - die „Techniker“ - zogen im vergangenen Jahrhundert nach der letzten Lehrveranstaltung jeden Tag am späten Nachmittag in die Stadt und trafen sich in einer der sechzig Gaststätten. Dieser „Techniker-Bummel“ prägte das Stadtleben. Am 7. Oktober erinnern Hochschule und Stadt an diese Zeit – und gehen den historischen Studenten entgegen. An fünf durch Lichtinstallationen hervorgehobene Stationen wird die dort verortete Hochschulgeschichte lebendig.

Anfänge als Straßenhochschule

Am 3. Mai 1865 gründete der aus Württemberg stammende 25-jährige Wilhelm Heinrich Uhland das Uhland‘sche Technicum als private höhere technische Lehranstalt zur Ausbildung von Maschinenbauern. Schon Uhland legte großen Wert auf die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, konnte sich wirtschaftlich aber nur mühsam etablieren. Carl Georg Weitzel, einer der bei Uhland angestellten Lehrer, übernahm deshalb das ehrgeizige Projekt und eröffnete am 7. Mai 1867 mit der Unterstützung lokaler Unternehmer das „Technicum Mittweida“.

Das Uhland’sche Technicum etablierte sich von 1865 bis 1867 zunächst in verschiedenen Gebäuden überwiegend in der Rochlitzer Straße und im Theaterhaus (heute Kino) mit Sekretariat, Internat und Unterrichtsräumen. Diese Infrastruktur wurde bei der Weiterführung von Carl Georg Weitzel 1867 übernommen. Erst in den 1890er Jahren folgten die heute bekannten historischen Technikum-Gebäude auf dem Galgenberg, der damals noch außerhalb der Stadt lag.

Die von Weitzel und seinem Nachfolger Alfred Udo Holzt als private Ausbildungsstätte geführte Einrichtung zog schon bald zahlreiche Studierende an: Schon um die Jahrhundertwende war das „Technikum Mittweida" eine der größten privaten Lehreinrichtungen in Deutschland mit der Ausbildung von Maschinenbau- und Elektro-Ingenieuren.

Internationaler Techniker-Bummel in den 1920er Jahren

In der Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zählte das „Technikum Mittweida" bereits 2300 junge Menschen als Studierende. Sie kamen vor allem aus den europäischen Ländern, aber auch aus Übersee und aus Asien. Zeitweise waren mehr als die Hälfte aller Studenten Ausländer. Der große Zulauf an Studierenden aus dem In- und Ausland prägte auch zunehmend das Gesicht der Technikumstadt Mittweida. Zeitzeugen berichten vom täglichen „Techniker-Bummel“ am Nachmittag auf der Rochlitzer Straße. „Da sahen wir Norweger mit einem Gang, als hätten sich Schiffsplanken unter sich, da waren baumlange weißblonde Schweden, kleine lächelnde Chinesen, … Da gab es viele Studierende aus Russland, Wissensdurstige aus Brasilien, Chile und Uruguay... Das war wirklich eine Welt, das war beinahe die Welt!“ [Mittweidas Ingenieure in aller Welt, Hg. Hochschule Mittweida, ergänzte Nachauflage 2014, S. 8]

Geschichte erleuchtet

Der Techniker-Bummel am 7. Oktober geht den historischen „Technikern“ entgegen, beginnend am Markt durch die Rochlitzer Straße vorbei am neuen „1865“ bis zum Technikumplatz. An fünf Stationen wird Geschichte lebendig. Die Häuser sind mit 3-D-Projektionen illuminiert. Der bekannte Gästeführer Michael Kreskowsky erzählt historisch gewandet und bewandert die spannenden Episoden, die sich an diesen Orten abgespielt haben.

An das Gründungsjahr 1865 soll das Jubiläums-Café „1865“ an der Ecke Rochlitzer-/Poststraße erinnern. Das Haus spielt auch eine Rolle in der frühen Geschichte des Technikums. In der jüngeren Vergangenheit war hier zuletzt das "Black&White". Am 7. Oktober eröffnet die Hochschule für den zweijährigen Jubiläumszeitraum bis Mai 2017 einen Ort, der Studierende und Bürger der Stadt in angenehmer und nostalgischer Atmosphäre zum Thema Jubiläum zusammenbringen soll.

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Programm

19:00 Uhr, Markt:
Musikalische Eröffnung durch die Feuerwehrkapelle Göritzhain
Historische Einführung durch die Nachfahren von Wilhelm Heinrich Uhland

19:30 Uhr, Rochlitzer Straße und Theaterstraße:
Techniker-Bummel: Führung mit Videoshow an den historischen Gebäuden der Hochschule Mittweida

20:30 Uhr Technikumplatz:
Ausblick auf das 150-jährige Jubiläum der Hochschule Mittweida

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