Bürgerakademie: Der Beginn und das Ende des menschlichen Lebens in den fließenden und brüchigen Grenzen des Rechts

Wed, 17.01.2018, 15:30 Uhr - 17:00 Uhr

Referent: Prof. Dr. Frank Czerner, Hochschule Mittweida

Informationen
Aktuelle Informationen zu den Vorträgen, Projekten, kulturellen Angeboten, Gesprächskreisen und Exkursionen finden Sie im Internet unter: 
www.hs-mittweida.de/buergerakademie

Kosten
Für die Teilnahme an der gesamten Vortragsreihe wird eine Gebühr in Höhe von 20 Euro/Semester erhoben. Auch einzelne Veranstaltungen können besucht werden. Der Unkostenbeitrag beträgt 4 Euro/Veranstaltung. Für Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Mittweida sowie VDI-Mitglieder ist der Eintritt frei.

Der Besuch von Einzelveranstaltungen der Vortragsreihe ist ohne Anmeldung möglich.

Kontakt
Bildungsakademie Mittweida e. V.
an der Hochschule Mittweida
Technikumplatz 17, 09648 Mittweida
Sitz:    Heinrich-Heine-Str. 23
Tel.:    03727 58-1635
E-Mail: beratung@hs-mittweida.de>beratung@hs-mittweida.de

Inhalt

I) Der Lebensbeginn in Zivil- und Strafrecht sowie im Verfassungsrecht: Ab wann gilt die Menschenwürde aus Art. 1 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG)?

  1. Kindeswohlgefährdung bei Ungeborenen?
  2. Widersprüche des Behindertenschutzes aus Art. 3 Absatz 3 Satz 2 GG zum Recht des Schwangerschaftsabbruchs nach § 218a Strafgesetzbuch (StGB)
  3. Pränataldiagnostik (PND), Präimplantationsdiagnostik (PID) und Präna-Test

II) Das menschliche Leben im Übergang: Selbstbestimmung durch Sterbehilfe, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung?

  1. Tötung auf Verlangen, § 216 StGB
  2. Formen der Sterbehilfe sowie inhaltliche Aspekte zu Gesetzesentwürfen
  3. Geschäftsmäßige Förderung der Sterbehilfe, § 217 StGB
  4. Straf- und verfassungsrechtliche Möglichkeit der Einwilligung in die Selbsttötung?
  5. Wann ist der Mensch tot? Das Hirntod-Kriterium
  6. Kryo-Konservierung: „Dem Tod von der Schippe springen“?
  7. Zivilrechtliche Möglichkeiten der Selbstbestimmung durch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht 

III) Zum Ausklang: Memento von MASCHA KALÉKO

Zusammenfassung

„Ab wann ist der Mensch ein Mensch?“ – Diese existenzielle Frage zum Beginn des menschlichen Lebens ist so alt wie die Menschheit selbst und sie wird von nahezu allen Disziplinen der Geisteswissenschaften, vornehmlich in der Philosophie wie in der Theologie, untersucht. Am Beginn dieses Vortrags stehen Fragen zum Lebensbeginn in zivilrechtlicher wie in strafrechtlicher Perspektive, also ab wann und auf welche Weise sich entwickelndes menschliches Leben rechtlich geschützt ist. In diesem Zusammenhang werden der Schwangerschaftsabbruch, die Pränataldiagnostik (PND) sowie die Päimplantationsdiagnostik (PID) angesprochen und Wertungswidersprüche zur Menschenwürde aus Art. 1 Abs. 1 GG offengelegt. Nachdem exemplarisch zwei Konzepte von Menschenwürde, von GIOVANNI PICO DELLA MIRANDOLA (1463-1494) so-wie von IMMANUEL KANT (1724-1804), vorgestellt werden, steht auch das Recht behinderter Menschen auf Leben zur Diskussion. Eingebettet sind diese Themenfelder in die grundsätzliche Frage nach dem, wie die Menschenwürde inhaltlich ausgefüllt wer-den kann – und vor allem, wer nach welchen Maßstäben hierüber bestimmen darf (- oder sogar muss (?)): (Nur) Der betreffende Mensch selber, die Gesellschaft oder letztlich der Staat?

Die fließenden Grenzen des Lebens zeigen sich in ähnlicher Weise auch in fortschreitendem Alter, wie der Schriftsteller HERMANN HESSE (1877–1962) dies in seinem Ge-dicht Stufen eindrucksvoll entfaltet hat. Nach einer bekannten Redewendung offenbart sich gerade im Umgang mit kranken, alten und sterbenden Menschen, wie human sich die Gesellschaft gegenüber ihren schwächsten und schutzwürdigsten wie schutzbedürftigsten Mitgliedern verhält. In einer zunehmend optimierten medizinischen Versorgung treten neben den Vorteilen jedoch auch die Nachteile hervor: Sterbende Menschen können künstlich so lange am Leben gehalten werden, wie es die Apparatur ermöglicht. In vielen Fällen wollen Menschen aber selber bestimmen, wie lange sie ihren Zustand noch aufrechterhalten lassen und wann sie „gehen dürfen“. Es stellen sich innerhalb einer aufgeklärten und auf Autonomie bedachten Gesellschaft die Fragen nach der ethisch-moralischen wie der rechtlichen Zulässigkeit der Hilfen zum oder beim Sterben und wo die Grenzen der Selbstbestimmung verlaufen. Thematisiert wird daher die Strafbarkeit der Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen, § 216 StGB) inclusive der auch für die Patientenverfügung wichtigen Abgrenzung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe. Im der Bereich der Patientenverfügung (§ 1901a BGB) werden deren formale und inhaltliche Voraussetzungen und vor allem deren Probleme bei der Umsetzung in die Praxis dargestellt.

In diesem Vortrag soll neben der Wissensvermittlung und wichtigen Abgrenzungsfragen insbesondere die gesellschaftliche wie rechts- und auch kriminalpolitische Bedeutung zu den existenziellen Fragen am Anfang und am Ende des Lebens - als dynamischer Prozess - aufgezeigt werden.


Category:
Top-Veranstaltung, Bürgerakademie
Location:
Hochschule Mittweida | Gerhard-Neumann-Bau (Haus 5) | Hörsaal 5-119 | Technikumplatz 17a | 09648 Mittweida
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