Der Grafiker und „Stern“-Mitgründer
Günter Radtke ist tot

Wednesday 10. January 2018, 10:19

Zahlreiche Arbeiten von Radtke sind auch für die Hochschule Mittweida entstanden und dort zu sehen.

Günter Radtke starb am 3. Januar 2018.
(Foto: privat)

Niemandem entgehen seine großformatigen Arbeiten in verschiedenen Häusern der Hochschule Mittweida: Nun ist Günter Radtke am 3. Januar im Alter von 97 Jahren in Hamburg verstorben, wie seine Familie mitteilte.

Nicht nur durch seine Zeichnungen und Gemälde war Radtke bekannt. Gemeinsam mit Henri Nannen gründete er die Zeitschrift „Stern“, deren Gestaltung und Layout er bis zum Jahre 1995 prägte.

Geboren wurde Radtke am 27. Februar 1920 in Insterburg/Ostpreußen. Er ging in Berlin zur Schule und erhielt dort an der Akademie der Künste früh seine künstlerische Ausbildung. Bereits als Sechzehnjähriger durfte er für die Presse Zeichnungen von den Olympischen Spielen fertigen.

In seinem späteren Wirken arbeitete er unter anderem als Art-Director für Aldus-Books London und Bertelsmann, gab eigene Bücher heraus und war als Illustrator für die populärwissenschaftlichen Zeitschriften "Geo" und "Mare" vornehmlich mit geologischen Darstellungen tätig.

Der Künstler selbst nannte die Ergebnisse seiner zeichnerischen Begabung und seines großen technischen Verständnisses "Visionärer Realismus". Er arbeitete vor allem mit Kohle und Temperafarben. Seine Arbeiten von Dingen, die nicht fotografiert werden konnten oder durften, vereinen Dynamik mit Genauigkeit bis ins Detail. Vor allem veranschaulicht er mit seinen Illustrationen, Zeichnungen und meist großformatigen Bildern sowohl Ereignisse, technische und andere Visionen und das unsichtbare Innere von technischen Erzeugnissen. Dies zeichnet auch die Arbeiten aus, die für die Hochschule entstanden sind: unter anderen die Collagen über die Absolventen August Horch (2001) und Gerhard Neumann (2007). Diese Werke sind im Gerhard-Neumann-Bau (Haus 5) zu sehen. Im Grunert-de-Jácome-Bau (Haus 6) findet sich ein Gemälde Radtkes von der Stifterfamilie Grunert de Jácome aus dem Jahr 2002.  

Zu den bekanntesten Arbeiten zählen eine Serie über die Utopie einer Mondrakete (1948), vom Unfall beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans (1955), vom Untergang des Segelschulschiffes "Pamir" (1957), der Katastrophen von Lengede (1963) und Tschernobyl (1986), seine Illustrationen vom Terroristenprozess in Stammheim (1975) und von der Gletschermumie "Ötzi" aus der Jungsteinzeit (1991).

Die vorstehenden Informationen über Leben und Werk Günter Radtkes sowie die Reproduktionen der Gemälde sind entnommen dem Buch Kunst im Bestand der Hochschule Mittweida - Eine Übersicht, erarbeitet von Jan-Peter Domschke und Hansgeorg Hofmann, herausgegeben vom Hochschularchiv Mittweida 2012. Das Buch ist über die Hochschule erhältlich.

presse@hs-mittweida.de